InterviewAndreas Weigend über Datensicherheit „Privatsphäre ist nur noch eine Illusion“

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Unternehmen wie Facebook haben seit längerem ein Imageproblem: Sie gelten als unersättliche Datenkraken. Andreas Weigend stand einst mit an der Spitze von Amazon. Im Interview sagt er: unser Umgang mit Daten ist naiv.

Andreas Weigend sieht die Sicherheit der Daten in Gefahr. Foto: 3dkombinat/AdobeStock
Andreas Weigend sieht die Sicherheit der Daten in Gefahr. Foto: 3dkombinat/AdobeStock

San Francisco - Beim Autofahren, beim Telefonieren – und beim Surfen sowieso: Ständig und beinahe überall hinterlassen Menschen Daten, für die sich Konzerne und Staaten – und manchmal auch Kriminelle – interessieren. Google, Facebook & Co. machen mit diesen Daten, was sie wollen. Andreas Weigend entwickelte als Chefwissenschaftler bei Amazon die Datenstrategie des Unternehmens mit. Heute sagt er: Es braucht Gesetze, die der Datennutzung klare Grenzen setzen.

Herr Weigend, bei uns ist es abends, bei Ihnen an der amerikanischen Westküste früher Morgen. Wie schmeckt Ihnen der Kaffee?
Nicht besonders. Ich hatte auf Youtube einen Kanal, auf dem waren Hunderte von Vorträgen gespeichert, die ich in den vergangenen Jahren gehalten habe. Von einem Tag auf den anderen ist plötzlich alles aus Youtube verschwunden.
Was haben Sie dagegen getan?
Ich habe mich sofort an Youtube gewendet. Dort hat man nur gesagt: Ach nein, das tut uns schrecklich leid, dass so etwas passiert, aber Ihre Daten können wir leider nicht mehr finden.
Das ist unerfreulich.
Und es geht noch weiter. Jetzt wurden – ganz offensichtlich von Kriminellen – meine Kredit- und Bankkarten benutzt und unbrauchbar gemacht. Gleichzeitig erlebe ich ein E-Mail-Bombardement. Tausende von Mails kommen binnen Minuten, um die Transaktionsbestätigungen der Kriminellen zu verschleiern. Während unseres Telefonats sind schon wieder 38 neue Mails in mein Postfach eingelaufen.
Sie waren einer der führenden Datenexperten bei Amazon. Momentan scheint es um die Sicherheit Ihrer Daten schlecht zu stehen.
Wir lehnen uns bei der Datensicherheit alle an ein labiles Gerüst, das zum Einsturz ­gebracht werden kann. Im konkreten Fall komme ich nicht mehr an Bargeld heran und muss mir von Freunden etwas leihen.

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"Gratis"-Angebote: Aus diesem Grund nutze ich keine "kostenlosen" Dienstleistungen im Internet oder Apps. Die Menschen müssen endlich mal verstehen, dass auch im web nichts kostenlos ist. Wie sollen denn die Programmierer oder Spieleentwickler in Silicon Valley oder sonst wo auf der Welt bezahlt werden? Zum Schutz der Verbraucher muss es hier dringend ein Gesetz geben, dass den Begriff "Kostenlos" durch "Kostenfrei durch Nutzung von Daten" ersetzt.

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