Stuttgart soll in Zukunft stärker von den Stipendiaten profitieren, meint Elke aus dem Moore,die neue Direktorin der Akademie Schloss Solitude.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Dem Institut für Auslandsbeziehungen hat sie bereits Adieu gesagt und ihr neues Büro bezogen. An diesem Donnerstag wird Elke aus dem Moore offiziell als neue Direktorin der Akademie Schloss Solitude eingeführt. Sie hat einiges vor mit der Künstlerresidenz.

Frau aus dem Moore, Sie waren zehn Jahren am Institut für Auslandsbeziehungen tätig. War es an der Zeit zu gehen?
Es war eine aufregende und sehr bereichernde Zeit. Um eine Institution gut zu verstehen und ein Programm maßgeblich zu gestalten, sind zehn Jahre ein guter Zeitraum. Für mich stand Veränderung an. Ich gehe mit einem guten Gefühl und bin bereit für den nächsten Schritt in meinem Leben.
Der neue Vertrag ist auf fünf Jahre befristet. Macht Ihnen das keine Sorge?
Nein, für die Weiterentwicklung von Institutionen ist es verständlich, Intendanzen und künstlerische Direktionen zeitlich zu begrenzen und immer wieder neu zu schauen, ob es passt. Um langfristige Entwicklungen voranzubringen, gibt es immer die Option der Verlängerung.
Die Solitude wurde fast dreißig Jahre lang von Jean-Baptiste Joly geleitet. Ist es Zeit für eine kräftige Frischzellenkur?
Die Akademie Schloss Solitude ist ein Leuchtturm in Baden-Württemberg und weit darüber hinaus – und Jean-Baptiste Joly hat sie seit der Gründung dahin geführt und weiterentwickelt. Jetzt ist es an der Zeit, die Akademie für die nächsten dreißig Jahre parat zu machen.
Wie soll das gehen?
Mein Hauptanliegen ist die Öffnung und Erweiterung. Es ist eine absolute Priorität, dass die Künstlerinnen, Künstler, Wissenschaftler in Ruhe arbeiten können, darüber hinaus sehe ich ein großes Potenzial darin, mit diesem Wissen, der künstlerischen Produktion und Forschung stärker in die Gesellschaft zu gehen. Viele in Stuttgart nehmen die Solitude wie einen Elfenbeinturm wahr, es existiert eine gefühlte geografische Hürde, dabei fährt ein Bus in zwanzig Minuten dorthin.
Ist die Lage Vorteil oder Nachteil?
Sie ist definitiv von Vorteil, wenn man die Künstlerresidenz als Ort der Ruhe und Konzentration sieht. Einen Nachteil hat die Lage für schnelle Zugänge, für spontane Besuche. Deshalb ist es gut, dass die Solitude einen zweiten Standort in der Römerstraße hat.
Immer mehr Stipendiaten stückeln ihren Aufenthalt in Stuttgart, weil sie es zeitlich nicht anders schaffen. Wäre es nicht besser, ihnen das Geld in die Hand zu drücken?
Einerseits haben Sie recht, die Arbeits- und Produktionsbedingungen für Künstler haben sich verändert, auch durch die Digitalisierung. Aber im Zentrum steht der Akademie-Gedanke, zusammenzukommen unter dem Dach der Akademie und sich auszutauschen. Jeder zweite Stipendiat sagt, dass der Aufenthalt auf der Solitude sein ganzes Leben verändert hat.
Bisher haben einzelne Juroren die Stipendiaten ausgewählt. Bleibt das so?
Es wird stärker kollaborative Entscheidungsprozesse geben, ich halte sehr viel davon, Gruppenprozesse zu aktivieren. Ich denke, Juryentscheidungen sollten in einem Diskussionsprozess entstehen.
Ihr Vorgänger hat die Stipendiaten abgeschirmt von der Stadt. Sollte man sie nicht stärker vor Ort einbinden?
Da ist eine gute Mischung wichtig. Die sogenannten Kooperationsstipendien ermöglichen Stipendiaten, aktiv am Programm von Stuttgarter Institutionen teilzunehmen. Das ist eine große Bereicherung für die Stadt und soll weiter ausgebaut werden. Ich möchte auch inhaltlich-thematische Ausschreibungen zu relevanten Themen realisieren – zum Beispiel zur Kunst des Öffentlichen. Hier könnte künstlerische Forschung in die Gesellschaft wirken.
Hat Stuttgart bisher durch die Solitude einen kreativen Input bekommen?
Oh ja, das kann man sehr gut ablesen, zum Beispiel vor Kurzem bei der Eröffnung eines neuen Masterstudiengangs an der Kunstakademie, wo auch eine Solitude-Stipendiatin mitgewirkt hat. Es kommt auch manchmal vor, dass sich Künstlerinnen und Künstler hier ansiedeln.
Bisher waren Sie viel in der Welt unterwegs. Werden Sie das Reisen nicht vermissen?
In der internationalen Kulturarbeit sind Reisen nicht wegzudenken. Allerdings bin ich auch sehr froh, dass das Reisen weniger wird und die Welt sozusagen zu uns, zu mir kommt.

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