Interview „Gestaltung war für mich ein Lebenselixier“

Reiner Ruf genießt die letzten Tage in seinen Amtsräumen. Foto: Hass/Rudel
Reiner Ruf genießt die letzten Tage in seinen Amtsräumen. Foto: Hass/Rudel

Genau 37 Jahre und sieben Monate hat Reiner Ruf die Geschicke von Rechberghausen gelenkt und den Ort geprägt. In einer Woche gibt der 63-Jährige endgültig die Schlüssel für das Rathaus ab und verabschiedet sich in den Ruhestand.

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Rechberghausen. - Genau 37 Jahre und sieben Monate hat Reiner Ruf die Geschicke von Rechberghausen gelenkt und den Ort geprägt. In einer Woche gibt der 63-Jährige endgültig die Schlüssel für das Rathaus ab und verabschiedet sich in den Ruhestand. Dann übernimmt seine Nachfolgerin Claudia Dörner. Ratschläge will ihr Ruf nicht mit auf den Weg geben. Für eine kleine Rückschau auf seine Ära sieht er aber nach der bereits erfolgten offiziellen Abschiedsfeier die Zeit gekommen.
Herr Ruf, ich darf Ihnen ja erst einmal gratulieren. Sie sind bei ihrem feierlichen Abschied zum Ehrenbürger von Rechberghausen ernannt worden.
Danke, ja, da war ich doch sehr überwältigt, eine freudige Überraschung. Hoffentlich bin ich nicht zu jung dafür.
Das sind sie aber gewohnt. 1977 waren sie mit gerade mal 25 Jahren auch der jüngste Bürgermeister weit und breit.
Ich lag ja nach dem ersten Wahlgang nur auf dem zweiten Platz. Das war aber auch meine Chance, dass die Bürger jemand wollten, der von außerhalb kam. Im zweiten Wahlgang klappte es dann, es waren von fünf noch drei Bewerber im Rennen.
Und es ging gleich nach ihrem Amtsantritt rund, die Realschule kam, sozusagen der Ritterschlag für den Neuling im Amt.
Das war auch so ein Glücksfall. Die Schule war eigentlich schon ad acta gelegt. Kurz vor meinem offiziellen Amtsantritt, hatten die damaligen Verantwortlichen miteinander in einer Besprechung im Landratsamt festgestellt, dass die Realschule nicht erreichbar ist. Kurz darauf besuchte aber der CDU-Ministerpräsident Hans Filbinger den Landkreis und nahm den Wunsch nach der Realschule auf. Dann bekamen wir Unterstützung unter anderem vom damaligen CDU-Landtagsabgeordneten Fritz Frey. Bald darauf konnten wir mit dem Aufbau der Schurwald-Realschule beginnen.
Im Nachhinein könnte man sagen, dass war der Startschuss für eine immer währende Ortsentwicklung und Bautätigkeit.
Die Schule war besonders wichtig für die weitere Entwicklung. Den Ortskern lebendig zu halten, war aber genauso eine Schwerpunktaufgabe. Das ist eigentlich über die Jahrzehnte ein Dauerbrenner. Ich denke, es gibt kaum eine Gemeinde in vergleichbarer Größenordnung, die pro Kopf mehr investiert hat als Rechberghausen. Und ich bin schon froh darüber, dass wir alle Lücken im historischen Städtchen immer wieder schließen konnten. Da haben die Gemeinderäte immer mitgezogen. Und jetzt muss ich auch leider als sogenannter Baubürgermeister aufhören.
Wie ist das gemeint?
Wir haben ja jetzt im Unterdorf die Baustelle des neuen Drogeriemarkts. Das war eigentlich früher geplant. Dann bot sich noch die Möglichkeit, auf der B 297, der Ortsdurchfahrt, den desolaten Belag zu erneuern und einige Gehwege zu verbreitern, um auch das Radfahren in diesem Teilbereich zu ermöglichen und vieles mehr. Weil wir die Fördergelder jetzt bekamen, mussten wir auch einsteigen.
Stichwort Fördergelder: Sie gelten als Kenner aller Fördertöpfe und haben ein Händchen dafür, dem Ort Zuschüsse zu sichern.
(lächelt) Für solche Dinge müssen alle Bürgermeister ein Händchen haben, der eine mehr – wenn ich die komplette Infrastruktur in einem Ort schon habe, vielleicht weniger. Da gibt es auch keine Geheimnisse drum. Man muss sich einfach sehr viel einsetzen und die Projekte und Anträge sorgfältig bearbeiten, Kontakte aufbauen und halten. Das haben wir meistens im Miteinander in der Verwaltung geschafft. Und ich muss sagen, Gestaltung war für mich von Anfang an das Lebenselixier.
Wie darf man das verstehen?
Es hat mich immer interessiert. Wir haben viele gelungene Bauprojekte im Ort, ob Rathaussanierung, Kulturmühle, Landschaftspark, Schlossmarkt oder Feuerwehrmagazin. Man lernt auch mit jedem Architektenwettbewerb dazu. Auch die kommunalpolitische Dynamik hat sich ständig gesteigert, weil auch die Gemeinderäte mit diesen Instrumenten immer selbstverständlicher umgegangen sind.




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