Interview Jede Bewegung wird viele Monate einstudiert

Daniel Fernandez Zambudio (Mitte) und seine Crew haben arbeitsreiche Monate hinter sich. Foto: Ines Rudel
Daniel Fernandez Zambudio (Mitte) und seine Crew haben arbeitsreiche Monate hinter sich. Foto: Ines Rudel

Die Choreobots nehmen an der Weltmeisterschaft im Hip-Hop-Tanzen teil. Der Trainer Daniel Fernandez Zambudio erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, wie die Tänzer aus der Region gegen die internationale Konkurrenz überzeugen möchten.

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Holzheim -

In diesem Jahr hat sich die Gruppe Choreobots bei den Deutschen Meisterschaften des Verbandes Hip Hop International für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft vom 3. bis 11. August im US-amerikanischen Phoenix qualifiziert. Wir haben uns mit dem Trainer der Gruppe, Daniel Fernandez Zambudio (27), über die Vorbereitung auf die WM, das Engagement der Tänzer und die Schwierigkeiten unterhalten, in einer finanziell kaum einträglichen Sportart erfolgreich zu sein.

Sie haben sich nach 2014 und 2017 zum dritten Mal für die WM in den USA qualifiziert. Bisher hat es dort aber nicht für einen Platz auf dem Podest gereicht. Woran hat es in der Vergangenheit gehapert?
Es ist eher selten, dass ein Team aus dem Nichts kommt und gleich auf dem Siegertreppchen steht. Das Podest zu erreichen, dauert meist mehrere Jahre. Eine konstante Steigerung von Jahr zu Jahr ist der richtige Weg. Und es ist der Weg, auf dem wir uns befinden. Im Jahr 2014 flogen wir in der Vorrunde raus, im Jahr 2017 konnten wir schon das Halbfinale erreichen. Dieses Jahr hoffen wir natürlich auf das Finale.
Wie war die Stimmung innerhalb der Gruppe nach dem Aus bei der letzten WM?
Die Stimmung war im direkt Anschluss natürlich etwas gedrückt. Wir hatten mit unserer Megacrew und mit unserer Gruppe Varsity das Halb-Finale um genau einen Platz verfehlt. Der Abschussplatz ist außer dem letzten Platz wohl der undankbarste. Das Zwischenziel ist schon in Sicht gewesen und wurde uns dann doch noch vor der Nase weggeschnappt. Für die Erwachsenen war allerdings keine Zeit für Traurigkeit, für sie ging es ins Halb-Finale und direkt in nächtliche Proben.
Sie müssen sich offenbar Neues überlegen, wie Sie die Jury dieses Jahr trotz internationaler Konkurrenz überzeugen können. Wie sah die Vorbereitung aus?
Es war wie immer ein hartes Stück Arbeit. Unzählige Trainingsstunden mussten absolviert werden, um das nächste Level zu erreichen. Glücklicherweise können wir auf die Unterstützung der Jury zählen.
Was meinen Sie damit?
Die diesjährige Jury bei der Deutschen Meisterschaft hatte sich aus deutschen, britischen, mexikanischen, russischen, portugiesischen und niederländischen Mitgliedern zusammengesetzt. Teilweiße werden diese Leute auch bei der WM bewerten. Nach der Siegerehrung der Deutschen Meisterschaften ist es üblich, dass sich Team-Leader ein Feedback bei der Jury holen. Dort bekommt man nützliche Tipps um seine Performance soweit auszubauen, um später auf internationalem Niveau mithalten zu können. Außerdem steht die Jury online für Ratschläge zur Verfügung. Diese überprüfen auch gerne Trainingsvideos und geben uns nützliche Verbesserungsvorschläge.
Die konzeptionellen Überlegungen mussten bis zur WM in eine Performance münden, die perfekt einstudiert sein muss. Das Training forderte viel Einsatz von allen Tänzern. Wie halten Sie die Moral der Truppe aufrecht?

Ich denke, dass wir als Gruppe ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. Eine positive Trainingsmoral aufrecht zu erhalten, ist etwas, das auch wir über Jahre lernen mussten. Nach vielen Jahren auf Meisterschaften und den Vorbereitungen dafür, lernt man jedoch sehr viel. Ich sage der Gruppe gerne: Vergesst nicht den Weg bis zur Bühne genauso zu genießen, wie den Auftritt selbst.

Die Teilnahme an einer WM müssen die Tänzer aus eigener Tasche bezahlen. Besteht die Gefahr, dass Ihnen irgendwann finanziell die Puste ausgeht?
Die Gefahr besteht immer. Es ist vor jeder Meisterschaft ein Teammeeting erforderlich, um zu prüfen ob und wer die Kosten tragen kann. Tanz wird leider immer noch nur als Randsportart gesehen, dadurch gestaltet sich die Sponsorensuche schwer. Wir sind immer noch auf großzügige Menschen angewiesen und müssen mit bezahlten Auftritten versuchen, möglichst viel anzusparen.
Wirft auch ab und zu jemand das Handtuch?
Natürlich gibt es auch bei uns Teammitglieder die mal ein schweres Jahr haben und ein Jahr aussetzen möchten oder müssen. Aber durch ständige Teambesprechungen und eine familiäre Atmosphäre gibt es bei uns glücklicherweise keine Last-Minute-Absprünge. Für jede Meisterschaft darf jedes Teammitglied nochmals entscheiden, ob es die Zeit für das nächste Projekt aufbringen kann.
Die Choreobots trainieren in Holzheim, die TanzerInnen kommen aber aus dem ganzen Großraum Stuttgart. Wie finden neue TänzerInnen zu Ihnen?
Wir haben uns in der deutschen Szene einen Namen gemacht. Die Choreobots gehören mittlerweile zur Elite und haben dementsprechend einen Status und eine Fanbasis. Auch Socialmedia-Plattformen wie Instagram, Facebook und YouTube helfen uns hierbei. Außerdem veranstalten wir gerne offene Castings oder Trainingstage, an denen sich neue Tänzer vorstellen können.
Wie viel Arbeit steckt in der kurzen Tanzshow, die Sie bei der vergangenen WM Zeit gezeigt haben?
Nun ja, man könnte sagen, man arbeitet acht Monate im Jahr für zwei beziehungsweise vier Minuten auf der WM-Bühne – je nach Kategorie, in der man antritt. Wir haben von Januar bis August, drei bis sechs Mal die Woche Training in unsere Shows investiert. Es ist ein Berg Arbeit, der sich aber jedes Mal auf der Bühne für uns lohnt.
Sie selbst haben das Tanzen zu Ihrem Beruf gemacht. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich habe mit nur drei Jahren die ersten Erfahrungen in Kursen und auf Bühnen gesammelt. Über Breakdance kam ich zum Hip-Hop. Ich nahm Unterricht an zahlreichen Tanzschulen, habe Workshops besucht und mit Showgruppen Bühnenerfahrungen gesammelt. Durch die Teilnahme an zahlreichen Events wurde auch mein Bekanntheitsgrad größer. Dadurch wurden Tanzschulinhaber, Tänzer und Meisterschafts-Organisatoren auf mich aufmerksam. Nun biete ich regelmäßig Kurse in Holzheim und in Schwäbisch Gmünd an. Außerdem trete ich natürlich auch noch sehr gerne zusammen mit den Choreobots bei Events auf. Gerne Reise ich auch durch Deutschland und gebe Workshops an Tanzschulen.

Sie haben nun die erneute Chance auf einen Weltmeistertitel. Wie geht es nach der WM weiter?
Nach der WM werden wieder neue Pläne geschmiedet und neue Ziele gesteckt. Und dann geht der ganze Spaß wieder von vorne los.



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