Interview Max Giesinger Musik bedeutet ihm alles

Von Sophie Lübbert 

Die erste Freundin?
Der erste Auftritt! Ich bin immer öfter gebucht worden, nach dem Abitur lief es sogar so gut, dass ich davon leben und Berufsmusiker werden konnte.

Dein Traumberuf?
Na ja, ganz früher wollte ich nicht auf die Bühne, sondern ins Labor und Wissenschaftler werden. Aber meine Physiknote hat da nicht so ganz mitgespielt. Und ich war immer zu doof zum Spicken; die anderen hatten DIN-A4-große Zettel mit den Formeln rumliegen, aber ich habe mich nie getraut, war einfach zu ehrlich. Aber im Ernst: klar wollte ich gern hauptberuflich Musik machen. Musik bedeutet mir alles.

Also bist du gleich nach dem Abi direkt durchgestartet.
Ja, mit dem Flieger nach Australien. Ich habe da bei so einem Work-and-Travel-Programm mitgemacht, war erst fünf Monate in Australien unterwegs und dann noch vier Wochen in Neuseeland. Das war eine tolle Erfahrung und hat mich abgehärtet für das Musikbusiness. Denn man musste ja vor Ort arbeiten, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Ich habe das mit Straßenmusik gemacht, mich einfach in Sydney an eine Ecke gestellt und angefangen zu spielen. Und so was ist echt eine Lehre. Kein Schwein interessiert sich dafür, dass du da stehst. Aber du musst dir trotzdem weiter Mühe geben. Bis dann endlich jemand merkt, dass du da spielst und gut bist.

Und zurück in Deutschland?
Bin ich auf lokalen Bühnen aufgetreten und habe gearbeitet. Und mich dann irgendwann bei „Voice of Germany“ beworben. Das war einfach der nächste logische Schritt für mich. Ich hatte genug Erfahrungen gesammelt, und ich wollte weiterkommen mit der Musik, das Ganze auf eine andere Ebene bringen. Die Show war und ist meine große Chance.

Wie lief das Ganze ab? Bist du da selbstbewusst rein, und alle waren begeistert?
Ja. Nein. Es ging. Erst war ich selbstbewusst. Ich habe bei zwei Vorjurys vorgesungen, einer in Freiburg, dann in Berlin. Und schließlich stand ich dann vor Xavier Naidoo, Nena und Co. Da war ich plötzlich total aufgeregt. Ich hatte vorher gesehen, wen sie alles rausgeworfen hatten, da waren richtig gute, talentierte Leute dabei. Als sich dann gleich alle vier Stühle umgedreht haben und ich mir den Coach, mit dem ich arbeiten wollte, auch noch aussuchen konnte – da war ich der glücklichste Mensch auf der Welt.

Wie hat sich dein Leben verändert?
Komplett. Erst einmal wohne ich jetzt in Berlin, weil hier gedreht wird. Mein Tag startet um acht Uhr und geht bis 21 oder 22 Uhr abends. Proben mit Kameras, Proben ohne Kameras, Coaching mit Xavier, Styling, TV-Einspieler produzieren, Interviews geben und für Bilder posieren – das ist ein richtig volles Programm, und ich falle abends immer todmüde ins Hotelbett.

Klingt wirklich anstrengend.
Ja, und das Schlimmste: ich muss mich die ganze Zeit gut benehmen. Sogar wenn ich jetzt einfach nur über die Straße gehe, stehen da manchmal Paparazzi. Also checke ich neuerdings immer, dass mein Hosenstall auch garantiert zu ist und ich nicht in der Nase bohre, damit es keine allzu peinlichen Bilder von mir gibt.

Wie war die Show bisher für dich?
Das Coaching mit Xavier Naidoo ist toll. Er ist mittlerweile ein echter Kumpel von mir geworden. Und manchmal, wenn es dunkel ist, nimmt er sogar die getönte Brille ab. Wir arbeiten intensiv miteinander und er nimmt sich sehr viel Zeit, gibt mir gute Tipps, aber hört mir auch zu, wenn ich was zu sagen habe. Die Liveshows am Freitag dagegen sind wirklich anstrengend. Auf gute Art anstrengend. Es fängt bei mir immer am Donnerstag an, da werde ich unruhig, kann kaum schlafen. Ich habe Panik, dass ich den Text vergesse oder von der Bühne falle oder einfach richtig schlecht bin – das Lampenfieber ist echt schlimm.

Gibt es kein Mittel dagegen?
Ne! Aber kurz bevor ich auf die Bühne gehe, stelle ich mir vor, dass da draußen jetzt nur 100 Leute sind, dass das einer der ganz normalen Auftritte ist, wie ich sie schon jahrelang gemacht habe. Einer, bei dem es auf nichts ankommt. Aber wenn ich erst einmal dastehe, die ersten Takte höre und anfangen kann zu singen, dann ist eh alles gut.

Und danach?
Party mit den anderen Kandidaten. Wir sind ja alle vorher angespannt und aufgeregt, und da müssen wir Dampf ablassen. Zum Glück verstehen wir uns alle sehr gut, ich komme besonders mit Michael Schulze klar, wir sind voll auf einer Wellenlänge. Später schaue ich mir dann die Aufzeichnung der Show an. Ich bin ziemlich perfektionistisch veranlagt, mich ärgert jeder schiefe Ton. Letztes Mal hat mich ein Ausrutscher so geärgert, da habe ich nach ein paar Minuten aufgehört, mir das anzuschauen, das ging einfach nicht. Weil ich ja weiß, dass ich es eigentlich besser kann.

Die Sendung ist in einer Woche vorbei. Hast du schon etwas geplant für die Zeit danach?
Egal, wie es ausgeht, ob ich gewinne oder nicht, ich mache Musik. Ein Album, mit meinen eigenen Songs. Die Show hat mich darin bestärkt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und natürlich will ich den Hype um die Sendung gern mitnehmen. Aber auf jeden Fall mache ich zuallererst einen richtig langen Urlaub.

Zu Hause?
Mal sehen. Ich freu mich auf jeden Fall auf meine Familie und meine Freunde in Karlsruhe. Die haben mich die ganze Zeit unterstützt und mir Mut gemacht, das war eine riesige Hilfe. Alle sind stolz auf mich, das tut ziemlich gut und gibt mir sehr viel Selbstvertrauen. Meine Mutter schneidet sogar extra alle Zeitungsartikel über mich aus – sogar die aus schwäbischen Medien.

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