InterviewInterview „Meine erste Beatles-LP hat fünf Mark gekostet“

Von Dirk Herrmann 

Der Jazz-Dozent und sein Faible für die Fab Four: Ull Möck am Piano und sein Partner Peter Lehel am Saxofon gestalten am Samstag den Wettkampf „Beatles versus Rolling Stones“ im Schmidener Orfeo. Verspochen wird ein Abend mit vielerlei Improvisationen.

Ull Möck und sein Partner Peter Lehel gestalten den Wettkampf „Beatles versus Rolling Stones“. Foto: Walter Gehring
Ull Möck und sein Partner Peter Lehel gestalten den Wettkampf „Beatles versus Rolling Stones“. Foto: Walter Gehring

Fellbach - Wenn man auftrumpfen will, könnte man es das „Duell der Giganten“ nennen. Tatsächlich erwartet die Fellbacher Musikfreunde bei „Beatles versus Rolling Stones“ an diesem Samstagabend im Großen Haus in Schmiden ein sympathischer Abend mit hervorragenden Solisten und weltbekannten Melodien. Pianist Ull Möck (57) erläutert, worauf sich die Zuhörer freuen können.

Herr Möck, wer ein solches Musikduell gestalten will, muss sicher enormes historisches Grundwissen mitbringen. Also: Wann haben Sie Ihre erste Beatles-Platte gekauft? Oder war’s eine von den Stones?

Nein, meine erste eigene Langspielplatte war tatsächlich von den Beatles, nämlich „Help“ in der Hörzu-Ausgabe. Die habe ich mit elf Jahren einem Schulfreund abgekauft. Fünf Mark wollte er dafür – das war damals viel Geld. Die Platte habe ich natürlich heute noch.

Die Leidenschaft für die Fab Four hat über die Jugendzeit hinaus gehalten?

Das ist tatsächlich so. Ich bin quasi seit der ersten Stunde fasziniert und bis heute leidenschaftlicher Beatles-Fan. Vor allem wegen ihren hervorragenden Stücken, die sind einfach zeitlos und laufen ja zurecht immer noch im Radio.

Hingabe, Leidenschaft: Wollen Sie damit sagen, dass Sie alles von den Beatles haben?

Ich glaube, da fehlt nicht viel, natürlich alles auf Vinyl. Allerdings habe ich mir auch später noch Veröffentlichungen gekauft, etwa die große Beatles-Box vor einigen Jahren, tolle Bildbände, nachträglich veröffentliche Aufnahmen wie von „Free as a Bird“ von John Lennon. Wenn Sie fragen, ob ich alle Beatles-Lieder kenne: Ja, ich kenne sie alle.

Welche sind Ihre Top-Drei?

Es ist kaum möglich, spontan eine Reihenfolge aufzustellen. Bei den Balladen vielleicht „I love her“, im Rock-Bereich „Get Back“, natürlich „Come together“ – da gibt’s natürlich unendlich viele Songs.

Jetzt reden wir die ganze Zeit von den Beatles, dabei heißt Ihr Abend doch „Beatles versus Stones“. Doch bei Ihnen scheint dieser angekündigte musikalische Diskurs nicht einer auf Augenhöhe zu sein?

Klar sind das zwei Giganten der Popgeschichte. So was Geniales wird es wahrscheinlich nie mehr geben. Aber ich gebe zu, dass bei mir die Beatles schon an der Spitze stehen. Klar spielen die Stones in der Weltliga und das seit bald 60 Jahren. Das ist ja unglaublich, wenn man sich an Songs erinnert wie „Satisfaction“ oder „Jumping Jack Flash“. Eine ihrer besten Alben ist für mich „Black and Blue“ von 1976, die hab ich mir auch selbst gekauft. Aber meines Erachtens sind Mick Jagger, Keith Richards und die anderen nicht so vielseitig, sie bleiben ihrem Stil treu, mit ihrem souligen R & B, ihrer Blues-Orientiertheit, das Kantige, Raue, Erdige, Unperfekte. Natürlich gibt’s auch andere Stile, etwa „Miss You“ oder den Disco-Beat von „Hot Stuff“.

Aber an die Beatles kommen diese Glanzleistungen nicht heran?

Rein analytisch und vom musikalischen Gehalt her muss man sagen, dass in den Kompositionen von Lennon/McCartney mehr drin steckt, dann später noch die indischen Sachen. Wahrscheinlich haben die damals selbst gar nicht gewusst, wie gut das ist, die wurden wohl selbst auch richtig überrumpelt von ihrer Schaffenskraft. Aber ich räume ja ein, was man zuerst lieber lernt, da kommt später nichts mehr ran – und das waren bei mir eben als erstes die Beatles.

„Beatles vs. Stones“, das klingt wie die Ankündigung zu einem schlagkräftigen Boxkampf. Doch Sie am Piano und Saxofonist Peter Lehel, das lässt ja nicht gerade eine Rockband mit harten Riffs erwarten, elektrische Gitarren gibt’s ja erst recht nicht.

Wir kommen ja auch vom Jazz her, da wird viel improvisiert und verändert, das ist ein offenes Konzept. Die Melodien als Grundlage sind natürlich da, aber ansonsten benutzen wir die Stücke als Material, die sollen gar nicht unbedingt wie die Originale klingen. Wir proben gerade intensiv in diesen Tagen. Bei den Stones haben wir jene ausgesucht, die für uns ein bissel was hergeben, von ihnen spielen wir in Schmiden vier oder fünf Songs. Der Rest sind Beatles-Nummern – die haben also schon ein Übergewicht. Da gibt’s ein bisschen Swing mit „Eleonor Rigby“, dann schnelle Nummern der frühen Phase wie „Can’t buy me Love“, „Honey Pie“ richtig jazzig, oder „When I’m Sixty-Four“. Vielleicht auch „Let it be“, „Michele“ oder „Norwegian Wood“. Aber alle Titel aus dem Repertoire können wir an so einem Abend natürlich nicht bringen.




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