Interview mit Anita Kupsch Lachen hält jünger als Botox

Von Uwe Bogen 

Teure Faltencremes müssen nicht sein. Die Schauspielerin Anita Kupsch ist davon überzeugt, dass günstige Feuchtigkeitscremes ausreichen. Besser als Botox, sagt sie, sei Lachen. Wir sprachen mit der 76-Jährigen über ihre Traumrolle in „Harold und Maude“, das Altwerden und ihre Krebserkrankung

Anita Kupsch als Maude mit Johannes Hallervorden  als Harold in  der Komödie im Marquardt Foto: Sabine Haymann
Anita Kupsch als Maude mit Johannes Hallervorden als Harold in der Komödie im Marquardt Foto: Sabine Haymann

Stuttgart - Als „Lachnudel“ ist Anita Kupsch, bekannt als Arzthelferin Gabi Köhler in der ARD-Serie „Praxis Bülowbogen“, von Journalisten bezeichnet worden. Gern und überzeugend spielte sie in unzähligen Filmen die patente Frau mit Berliner Schnauze, die sich in jeder Lage zu helfen weiß. 2011 platzte eine Schocknachricht in ein von Glück und Humor geprägtes Leben. Während der Theater-Tournee mit „Perle Anna“ wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Es folgten mehrere Operationen, acht Wochen Bestrahlung und eine Chemotherapie. Regelmäßig muss die 76-Jährige seitdem zum MRT in die Röhre. „Jedesmal bin ich sehr nervös“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber man dürfe sich nicht von seiner Angst auffressen lassen, rät die beliebte Volksschauspielerin, die noch bis zum 13. November in „Harald und Maude“ in der Komödie im Marquardt zu sehen ist, allen Betroffenen.

Am wohlsten fühlt sich Anita Kupsch, wenn sie gar nicht an ihre Krankheit denkt. „Keiner von uns weiß, ob sich in unseren Körpern etwas Schadhaftes befindet“, sagt sie. Man müsse sein Leben leben, ohne sich allzuviel Gedanken darüber zu machen, ­woran man noch erkranken könnte.

Schwarze Komödie nach dem Film von 1971

Über ihre Erfahrungen mit Ärzten, über Fehldiagnosen in der Mammografie, über die Einsamkeit des Patienten in der Klinik könnte sie ein Buch schreiben. Doch nun spielt die Berlinerin in Stuttgart die lebensfrohe und impulsive 79-jährige Maude in die sich der lebensmüde 20-jährige Harold verliebt, gespielt von Johannes Hallervorden, dem 18-jährigen Sohn des Komikers Didi Hallervorden. Das Stück befasst sich mit Depressionen junger Menschen, denen die Lust auf das Leben abhanden gekommen ist.

Anita Kupsch verkörpert hierbei den Gegenpart – die positive Sicht auf das Alter. Schauspielbühnen-Intendant Manfred Langner hat die schwarze Komödie nach dem gleichnamigen Film von 1971 neu inszeniert. Auch in Berlin wird das Stück in Kürze in der Stuttgarter Produktion aufgeführt.

Kann sich Anita Kupsch privat vorstellen, sich in einen wesentlich jüngeren Mann zu verlieben? Ihre Antwort ist eindeutig: „Ach was – aus dem Alter bin ich längst raus.“ Seit Jahrzehnten ist sie mit dem Innenausstatter Klaus-Detlef Krahn verheiratet, der sie nach Stuttgart begleitet hat. Ihr Mann hat gleich mehrere Rollen in „Harold und Maude“ übernommen. Dem Regisseur Langer gefällt sein Einsatz gut. Die Inszenierung werde authentischer mit einem, der nicht eine Rolle spielt, sondern sich selbst.

Im Mai spielt sie in „Golden Girls“

Das Paar lebt nun für zwei Monate in einer Künstlerwohnung auf der Gänsheide und genießt dort die Aussicht auf die Stadt. Aber auch unten im Kessel fühlen sich beide wohl, wo das Leben brummt, wie Anita Kupsch festgestellt hat: „Auf der Königstraße ist inzwischen viel mehr los als auf dem Ku’damm in Berlin.“ Stuttgart habe sich zu einer ­attraktiven Shopping-Stadt entwickelt. Was ihr nicht gefällt, sind die vielen Baustellen und die Luft im Talkessel. Dass Stuttgart „Feinstaubmetropole“ sei, habe bereits ihr Kopf mit Schmerzen gemeldet.

Ans Aufhören als Schauspielerin will sie nicht denken. „Die Füßen hoch legen“ – nein, das ist nicht ihr Ding. Die eifrige Ausübung ihres geliebten Berufes hilft ihr gegen das Altfühlen. Wann ihr nächster Urlaub kommt, kann die 76-Jährige, die bei Schauspiel-Legenden wie O. E. Hasse und Theo Lingen in die Lehre ging, gar nicht sagen. Denn sie zieht von Engagement zu Engagement. Ihr Terminkalender ist bis 2018 voll.

Im Mai kommenden Jahres etwa feiert sie Premiere in Köln im Theater am Dom in „Golden Girls“, in dem Bühnenstück nach der gleichnamigen US-Serie. Klar, dass sie die Witwen-Autorität Sophia spielt, die dem Altersheim Schattige Pinien entflieht, um Tochter Dorothy und ihren Mitbewohnerinnen fortan die Leviten zu lesen.

Auch im wahren Leben hört sie von ihrer Tochter mitunter, sich viel zu bunt und zu flippig anzuziehen, erzählt die Berlinerin. Doch muss sich eine ältere Frau immer so ­geben, wie junge Menschen dies von einer ­älteren Frau erwarten? In „Harald und Maude“ ist’s die exzentrische Alte, die jünger im Kopf ist als ein 20-Jähriger, der Friedhöfe besucht und seinen Cadillac zum Leichenwagen umbaut , weil der Tod ihn anzieht.

Die Alten von heute, die jung sind und ewig schön bleiben wollen – nein, so sieht sich Anita Kupsch nicht. Niemals, sagt sie, würde sich unter das Messer eines Schönheitschirurgen legen. Auch Botoxspritzen lehnt sie ab – damit könne sie ihren Beruf nicht mehr ausüben. „Eine Schauspielerin braucht Mimik, die darf man sich nicht wegspritzen lassen.“ Als gelernte Kosmetikerin weiß sie, dass eine Frau gar nicht viel Geld ausgeben müsse, um etwas für ihre Haut zu tun. Teure Faltencremes seien eine unnötige Ausgabe. Eine einfache Feuchtigkeitscreme tue es auch. Und das beste Mittel gegen das Altwerden ist Lachen.

Karten für „Harald und Maude“ in der ­ Komödie im Marquardt gibt es unter der Telefonnummer 07 11 / 227 70 22.
Sonderthemen