Interview mit Anne-Sophie Mutter Es geht auch ohne Sonnenbrille

Anne-Sophie Mutter ist seit Jahrzehnten eine Größe in der Geigenwelt.  Foto: dapd 3 Bilder
Anne-Sophie Mutter ist seit Jahrzehnten eine Größe in der Geigenwelt. Foto: dapd

Die Weltklasse-Geigerin Anne-Sophie Mutter hat ihre eigenen Ansichten über Stars, Neue Musik und ihre Konkurrenten.

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Stuttgart - Seit Anne-Sophie Mutter mit dreizehn Jahren von Herbert von Karajan entdeckt wurde, beherrscht sie die Geigenszene. Inzwischen engagiert sich die 48-Jährige, die in München lebt, auch für den musikalischen Nachwuchs und gibt Uraufführungen in Auftrag.

Frau Mutter, eine Geigerin hat Sie neulich als Monolithen in der Branche bezeichnet.

Das klingt so, als sei ich eine Antiquität.

So hat sie es nicht gemeint, eher wie jemand Einsamen auf einem Olymp.

Einsam fühle ich mich gar nicht. Jedenfalls habe ich ja mehrere Generationen von Geigern erlebt. Bedenken Sie, ich habe Oistrach gehört, Milstein, Szeryng, Menuhin, Stern. Auf der anderen Seite kümmere ich mich vehement um den Nachwuchs. Ich habe gewiss meine Finger am Puls der Zeit.

In der Tat spielen Sie viel Neue Musik. Spüren Sie eine Mission, dem Publikum solche Stücke aufzuschließen?

Wir kennen doch längst nicht alles, was wir seit Jahrhunderten hören. Das ist ein Irrglaube. Vielmehr sind wir Interpreten auch Schlüsselverwalter für Beethoven, Mozart oder Brahms. Bei ihnen sind wir keine Wiederholer, wir sind Wieder-Erleber. Deshalb braucht es immer den differenziert denkenden Musiker, der ein Werk, auch wenn es altbekannt ist, neu auferstehen lässt.

Wenn Sie Schubert spielen, haben die Geigenfreaks im Saal fraglos drei, vier andere Aufnahmen im Kopf. Spielt man als Geiger immer gegen eine virtuelle Konkurrenz an?

Ich nicht. Mich interessiert nur meine Beziehung zum Komponisten und wo ich stehe in diesem Entwicklungsprozess. Nichts anderes darf zählen. Ich will nicht meine künstlerische Unbefangenheit und Unschuld dadurch verlieren, dass ich anfange, nach rechts und links zu gucken. Das Werk ist das zentrale Fragezeichen, für das ich Antworten finden muss.




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