Armin Petras legt seine ersten Pläne vor. Wenn er 2013 das Stuttgarter Haus übernimmt, könnten Hölderlin und Hauff auf dem Programm stehen.

Kultur: Roland Müller (rm)

Stuttgart - Jetzt ist es amtlich: Armin Petras, derzeit noch Chef des Gorki-Theaters in Berlin, tritt im Herbst 2013 die Nachfolge von Hasko Weber am Stuttgarter Schauspiel an. Er wolle das Theater regional verwurzeln, sagt der 47-jährige Regisseur, Autor und Intendant im StZ-Gespräch unmittelbar nach seiner Wahl.

Herr Petras, Glückwunsch zum neuen Job! Aber um den Vertrag in Stuttgart zu unterschreiben, mussten Sie jetzt Ihr Kleist-Festival in Berlin verlassen. Wie läuft’s dort?
Entsetzlich gut! Seit mehr als einer Woche täglich fünf Veranstaltungen – und so gut wie alles ist ausverkauft. Wenn der Kleist-Marathon am nächsten Montag endet, werden wir auf rund zehntausend Besucher kommen, weshalb wir uns im Theater langsam Gedanken machen, ob wir jetzt nur noch Festivals veranstalten sollen . . .

. . . womöglich auch in Stuttgart, nach Ihrem Amtsantritt 2013?
Ein Festival ist immer eine Sache der Logistik und des Herzens. Dass die Logistik in Stuttgart stimmen wird, davon bin ich fest überzeugt. Und mein Herz schlägt in der Tat auch für Autoren, die – ähnlich wie Kleist mit Berlin – eng mit Stuttgart und dem Schwabenland verbunden sind. Ich denke beispielsweise an Wilhelm Hauff und vor allem natürlich an Friedrich Hölderlin.

Beide Dichter haben aber keine Dramen geschrieben  . . .
Das macht meinem Dramaturgenteam und mir nichts aus, wie Sie wissen. Wir haben schon viele Prosatexte erfolgreich für die Bühne bearbeitet. Im Übrigen irren Sie sich im Falle Hölderlins. Ein Drama, ein einziges, hat er nämlich doch geschrieben, den „Empedokles“: ein spannendes Werk, das es in drei Versionen gibt. Und dieser vielschichtige „Empedokles“ wäre es wert, untersucht zu werden.

Kann das Stuttgarter Publikum also mit einem Hölderlin-Festival rechnen?
Dazu kann ich Ihnen noch nichts, aber auch gar nichts sagen. Das sind bisher nur unausgegorene Gedankenspiele. Sagen kann ich Ihnen aber, dass es neben Prosabearbeitungen selbstverständlich auch originäre Dramen auf der Bühne geben wird. Und Schiller werden wir dabei nicht vergessen.

Gibt es auch zeitgenössische Autoren, mit denen Sie verstärkt arbeiten wollen?
Ja, es gibt in der Region einige Autoren, die mich sehr interessieren. Zu ihnen gehört einer, den ich sehr schätze und als Hausautor ans Gorki geholt habe: Philipp Löhle, der derzeit am Mannheimer Nationaltheater arbeitet und aus Baden-Baden kommt.

Welche Regisseure bringen Sie mit?
Im Gorki arbeite ich mit drei Hausregisseuren zusammen. Und zwei davon haben tatsächlich schwäbische Wurzeln: Jan Bosse kommt aus Stuttgart, Antú Romero Nunes aus Tübingen. Und wenn die beiden Kollegen mit ans Schauspielhaus kommen wollen, würde ich mich freuen.

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