Interview mit Armin Petras „Fantasie ist unsere Währung“

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Am Sonntag feiern die Stuttgarter Staatstheater ihre ­Saisoneröffnung. Mit dabei: der Intendant Armin Petras, der in seinem ersten Amtsjahr das Schauspiel wieder nach oben geführt hat. Im StZ-Interview spricht er über seine Ziele und den neuen Spielplan.

Der Intendant der Stuttgarter Staatstheater Armin Petras. Foto: Horst Rudel
Der Intendant der Stuttgarter Staatstheater Armin Petras. Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Am Sonntag machen die drei Sparten des Staatstheaters gemeinsame Sache. Von 14 Uhr an stimmen sie in Opern- und Schauspielhaus auf die Saison ein. Schon am Tag davor, am Samstag um 19.30 Uhr, legt die Truppe um Armin Petras aber ein Vorspiel auf die Bretter. Warum das ausgerechnet ein Johnny-Cash-Liederabend ist, erklärt der Intendant des Schauspiels im StZ-Gespräch – ebenso wie den Umstand, dass er in der neuen Saison auch an vier anderen Theatern arbeiten wird.

Herr Petras, in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ hat das Stuttgarter Schauspiel gut abgeschnitten . . .   
 . . . ich würde sagen: sehr gut! Wir sind zusammen mit dem Gorki-Theater in Berlin und den Münchner Kammerspielen das meistgenannte Theater überhaupt, wenn man alle Kategorien durchgeht, vom Bühnenbild bis zu den Nachwuchsregisseuren.
Worüber haben Sie sich besonders gefreut?
Über alles. Aber wenn Sie es genauer wissen wollen, versuche ich, meine Freude zu sortieren. Peter Kurth als Schauspieler des Jahres: klar, weshalb würde ich sonst seit mehr als zwanzig Jahren mit ihm zusammenarbeiten? Er ist einer der vier, fünf besten Darsteller in seiner Altersklasse Mitte fünfzig. Und Katharina Knap, die zur besten Nachwuchsschauspielerin gewählt wurde, ist im Grunde mehr als eine Schauspielerin: Sie ist – das sage ich sehr selten – eine Künstlerin, ihrem ganzen Wesen nach, sehr eigen, sehr empfindsam, sehr originell und bei uns im Haus gut aufgehoben.
Beide, Kurth und Knap, spielen in Tschechows „Onkel Wanja“ mit, der bei der Premiere ausgebuht wurde.
Da war im Publikum ein enormer Widerstand zu spüren, ähnlich wie beim „Fest“ von Thomas Vinterberg. Nach beiden Premieren bin ich auf die Bühne gekommen und habe mich aus Solidarität mit Regie und Ensemble den Buhs entgegengebeugt. Mittlerweile gibt es ein geflügeltes Wort bei uns im Haus: Immer wenn ich rauskomme, wird es eine sehr erfolgreiche Produktion. Insofern hoffe ich, dass ich auch in dieser Sasion öfters aus den Kulissen treten muss.
Erfolgreich sind die beiden Produktionen aber nur bei Kritikern . . .
Nein, nicht nur. Auch das Publikum zieht mittlerweile mit, die teils heftige Ablehnung war unmittelbar nach den beiden Premieren verschwunden. Bemerkenswert ist aber auch noch etwas anderes: Unter den drei besten Nachwuchsregisseuren von „Theater heute“ sind zwei aus Stuttgart, eben jene, die es bei der Premiere so schwer hatten: Robert Borgmann und Christopher Rüping. Diese Platzierung freut mich ganz besonders, denn sie zeigt, dass wir nicht alles falsch machen (lacht). Wir investieren in junge Leute, die heute schon die Theaterlandschaft mit prägen. An der Börse würde man sagen: Wir verdienen unser Geld mit der Fantasie auf die Zukunft.