Interview mit den Beginnern Warum die Schwaben gute Businessmenschen sind

Von Anja Wasserbäch 
Das neue Album heißt „Advanced Chemistry“. Die gleichnamige Band aus Heidelberg war die erste, die auf Deutsch rappte. Wie wichtig war Advanced Chemistry für die jungen Kerle Jan und Dennis?
Denyo Wir waren ja die Absolute Beginners, rappten auf Englisch. Jan hatte darauf keine Lust, kam mit einer Kassette von Torch an, der darauf die Zeile rappte: „Die Pudelmütze ist meine Krone.“ Das werde ich nie vergessen. Auf einmal hörte sich Deutsch cool an. Das war die Initialzündung. Dann kam „Fremd im eigenen Land“, ein Song, der nicht viel im Radio, aber auf jedem Schulhof lief.
Und ein Song, der heute leider immer noch relevant ist.
Denyo Ja, leider. Advanced Chemistry waren unsere Helden, die uns gezeigt haben, dass das auf Deutsch funktionieren kann. Ohne Advanced Chemistry gäbe es uns nicht.
Die Beginner waren auch immer eng mit Hamburg, mit Eimsbüttel verknüpft. Heute rappt Gzuz: „Jeder sagt Digger heutzutage, Wir packen Hamburg wieder auf die Karte.“ Wie war Ihr Verhältnis zur Stuttgarter Kolchose?
Jan Delay Advanced Chemistry, Cora und Kollegen waren ja alle eine Generation älter. Aber die Leute aus Stuttgart waren so alt wie wir, haben aber Dinge gestemmt, von denen wir nicht zu träumen wagten. Die hatten den ersten krassen Hip-Hop-Club, die haben ein eigenes Label gegründet, die hatten Bands wie Freundeskreis oder Massive Töne. Die Stuttgarter haben Hamburg vorgemacht, wie es gehen kann. Wir waren mit denen befreundet, haben aber schon immer ein bisschen neidisch geschaut. „Kopfnicker“ von den Massiven Tönen erschien schon 1996. Da waren wir noch weit weg von allem.
Denyo Die Schwaben sind aber auch ein tüchtiges Volk, da lernt man von den Eltern, wie man Business macht. Das können die Jungs, das können Schowi und Strachi. Wir Hamburger Schmuddelkinder mussten da erst mal reinwachsen. Wir waren Spätzünder, was die Labelarbeit anging.
Jan Delay Und wir haben es voll in den Sand gesetzt, weil wir eben keine Schwaben sind. Ich bin nun mal Künstler und mache kein Business.