InterviewBloggerin Vreni Frost „Instagram macht keinen Spaß mehr“

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Bloggerin Vreni Frost hat gekaufte Abonnenten öffentlichkeitswirksam ­gelöscht und eine Diskussion über Instagram initiiert. Im Interview spricht sie über den Algorithmus, Schleichwerbung und die Zukunft des Foto-Netzwerkes.

Sieht Instagram derzeit eher kritisch: Bloggerin Vreni Frost Foto: Vreni Frost
Sieht Instagram derzeit eher kritisch: Bloggerin Vreni Frost Foto: Vreni Frost

Stuttgart - Vreni Frost hat gekaufte Abonnenten öffentlichkeitswirksam ­gelöscht. Damit hat die Bloggerin eine Diskussion angestoßen. Die Bloggerin sieht Instagram derzeit eher kritisch-

Frau Frost, was nervt an Instagram?
Der Algorithmus. Davon sind alle genervt.
Das hat mit der Ursprungsidee, als alle Beiträge chronologisch angezeigt wurden, nichts mehr zu tun.
Heute ist es fast willkürlich, welches Bild mir angezeigt wird. Ich folge den Leuten aber, weil ich sie sehen will. So macht Instagram keinen Spaß mehr.
Wie funktioniert der Algorithmus von Instagram Ihrer Beobachtung nach?
Wenn du in den ersten 45 Minuten zu wenig Likes auf dein Bild bekommst, nimmt dich der Algorithmus nicht auf, der denkt dann, dass du nicht wichtig genug bist. Likes und Kommentare kannst du aber noch schneller kaufen als Abonnenten. Das ist ein Klick, und wenige Sekunden später hast du 500 Likes. Dann wirst du bei Instagram in den Algorithmus aufgenommen.
Und weiter?
Je kleiner der Account, desto größer ist oft die Reichweite. Je größer man ist, desto weniger wird man angezeigt – dafür muss man dann zahlen.
Viele Instagrammer hatten ihre Werbung bisher nicht gekennzeichnet. Jetzt wurden die ersten abgemahnt. Wie bewerten Sie das?
Für mich war immer klar, dass ich meine Werbung. kennzeichne, zum Beispiel blende ich mittlerweile das Wort Dauerwerbesendung ein. So bin ich immer auf der sicheren Seite, und die Leute finden es witzig!
Sind Sie eigentlich eine Influencerin – also eine einflussreiche Person in den sozialen Netzwerken?
Ich finde das Wort total schlimm.
Weil es nach Krankheit klingt?
Ja, irgendwie ist es ja auch eine Krankheit. Ich will Leute nicht beeinflussen, ich will Leute inspirieren.
Influencer haben keinen guten Ruf.
Viele sehen nicht, was hinter einem solchen Auftritt steckt und denken, Influencer müssen ja gar nicht arbeiten. Dabei ist ein Blogger alles in einer Person, also Bildredakteur, Redakteur, Anzeigenverkäufer – alles.
Ist Instagram besonders arbeitsintensiv?
Die Leute verstehen nicht, wie viel Arbeit man hier investieren muss. Instagram ist nicht Twitter oder Facebook, wo du auch mal etwas Echtheit reinbringen kannst. Instagram ist immer nur Hochglanz. Das ist gerade für junge Menschen gefährlich. Wäre ich heute ein Teenager, hätte ich eine Essstörung und würde meine Eltern anschreien, weil sie mir keine Designerhandtasche kaufen.
Wie wird es mit Instagram weitergehen?
Ich glaube, die Branche wird transparenter, was ich total begrüßenswert fände. Außerdem trennt sich hoffentlich die Spreu vom Weizen, weil der ein oder andere mit seinen berichtigten Statistiken bei keinem Kunden einen Blumentopf gewinnen kann.
Und falls nicht?
Wenn Instagram nicht aufpasst, macht sich das Netzwerk genauso kaputt wie Facebook. Und dann kommt etwas komplett Neues.