InterviewInterview mit Box-Ikone Henry Maske Maskes Vorbild: sein Vater

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)
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Löste das bei Ihnen ein Umdenken aus?
Ich sage das ungern, weil es viele falsch verstehen: Aber ich lebte zu dieser Zeit in einer elitären DDR-Welt, musste nicht täglich zur normalen Arbeit gehen – und hatte nicht mit den Alltagsproblemen der Leute zu kämpfen. Wenn Sie also nicht identisch mit dem Großteil der Gesellschaft leben, ist es nicht leicht, auf der Höhe der Zeit zu sein. Daher hat mich der Entschluss meines Papas beeindruckt, denn er war sehr mutig. Mir war klar: wenn er diesen Schritt geht, ist es schlecht um das Land bestellt.
Wie wirkte die DDR auf Sie?
Wir kannten nur dieses Land – und keine Alternative dazu. Ich hatte das Glück, mit meinem Sport eine Aufgabe zu haben, die mich komplett erfüllt hat. Meine Eltern waren keine Intellektuellen – wir haben uns lange nicht mit dem System derart kritisch auseinandergesetzt. Natürlich habe ich im Laufe der Zeit gemerkt, dass viele Dinge nicht so liefen, wie man sich das wünscht. Daraus habe ich aber nicht die Motivation gezogen, das Land zu verlassen.
Gibt es etwas, dass Sie an der DDR 25 Jahre danach vermissen?
Ich bin bei diesem Thema sehr vorsichtig. Wenn ich Ihnen sage, dass ich in meiner Jugend fünf, sechs Stunden ungestört über Wiesen und Wälder laufen konnte und meine Eltern keine Angst um mich hatten – lag das dann an der DDR oder daran, dass es mehr als 40 Jahre her ist? Meine Kindheit jedenfalls war wunderschön. Wir hatten nicht viel, aber andere hatten auch nicht mehr. Wenn ich an die DDR denke, dann denke ich an eine zumindest gefühlt zusammenstehende Gesellschaft. Und damit meine ich nicht die ganzen 17 Millionen, sondern mein persönliches Umfeld.
1989 sind Sie in Moskau dann als erster Deutscher Weltmeister im Halbschwergewicht geworden. Wie haben Sie danach den Mauerfall am 9. November erlebt?
Mein Trainer Manfred Wolke und ich haben an diesem Tag in Potsdam-Babelsberg, seiner alten Heimat, vor etwa 300 Leuten von meinem WM-Sieg erzählt. Etwa zur Hälfte des Abends wurde es unruhig – es stürzte eine Köchin in den Raum und sagte: „Die Mauer ist auf!“ Unser Thema Boxen war von da an natürlich kein Thema mehr.
War Ihr erster Gedanke nicht: Jetzt pack ich den Manfred Wolke ins Auto – und wir fahren mal rüber nach Westberlin?
Nein, mein Trainer und seine Frau, meine damalige Freundin und spätere Frau und ich sind abends zurück nach Frankfurt/Oder gefahren. Erst einige Tage später, am Sonntag, sind wir dann über Berlin-Friedrichstraße rüber.

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