InterviewInterview mit Box-Ikone Henry Maske „Wir kannten nur die DDR – und keine Alternative“

Vom Sozialismus zum Kapitalismus: Der Boxer Henry Maske ist heute Geschäftsmann. Foto: dpa
Vom Sozialismus zum Kapitalismus: Der Boxer Henry Maske ist heute Geschäftsmann. Foto: dpa

Exklusiv Henry Maske ist als DDR-Amateur Olympiasieger und Weltmeister geworden. Nach der Wende ist der heute 50-Jährige zur gesamtdeutschen Boxikone geworden. Im Interview spricht er über sein Leben im Sozialismus – und seine ganz persönliche Wende.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)
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Stuttgart – - Er war als DDR-Amateur Olympiasieger und Weltmeister – und stieg nach dem Mauerfall schnell zur gesamtdeutschen Boxikone auf. „Ich bin ein Gewinner der Einheit“, sagt Henry Maske, der sich als Boxer im Sozialismus bestmöglich entwickeln konnte. Als Besitzer von zehn McDonald’s-Filialen ist Maske längst im Kapitalismus angekommen.
Herr Maske, es heißt, die DDR sei ein herrliches Fleckchen Erde gewesen für jemanden, der sein Leben dem Sport verschrieben hat. Teilen Sie diese Einschätzung?
Absolut, obwohl das System allein ja keine Garantie für sportliche Erfolge bedeutete. Es waren immer auch die individuellen ­Fähigkeiten der Athleten nötig. Aber die strukturelle Qualität des Umfeldes war schon erstklassig. Nehmen wir zum Beispiel die Schule. In diesem Punkt konnten sich auch meine Eltern entspannen, etwa in der Frage: Was passiert, wenn es der Junge im Boxring nicht schafft? Das war überhaupt kein Problem, denn es wurde sehr darauf geachtet, dass die Leistungssportler stets das Niveau der nicht sportiven Schüler halten. Es gab also keine Zukunftsängste.
Zumindest im Boxen stellte die DDR also das überlegene System?
Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel: Ein Westboxer hat damals fünf-, sechsmal die Woche trainiert und konnte vor den Olympischen Spielen vielleicht noch für drei Wochen ins Trainingslager fahren. Auch mit dem größten Talent hatte er so gegen uns selten eine Chance. Wir kamen mit 13 Jahren in die Sportschule. Das war auch für mich ein Quantensprung, denn dort haben wir täglich zweimal nach guten Konzepten trainiert – und das Jahr für Jahr. Die Chance, in diesem System eine Spitzenleistung zu erzielen, war einfach deutlich höher.
Die Krönung Ihrer Amateurlaufbahn war der Olympiasieg von 1988 in Seoul. Von der Prämie sollen Sie sich dann aber einen Westfernseher gekauft haben. Oder ist diese Story reine Westpropaganda?
Es ist zumindest eine Geschichte, die sich hartnäckig hält, die aber nicht stimmt. Es ist ja heute kein Geheimnis mehr, dass es für einen Olympiasieg in der DDR 25 000 Mark Ost und 1000 Mark in Forumschecks gab. Das war das Ost-Pendant zur D-Mark. Die Westmark hatte man uns nicht gegeben, aber mit den Schecks konnte man 1:1 im Intershop Westware einkaufen. Die Summe war also eine Menge Holz – mehr als einen Fernseher hätte es dafür schon gegeben. Ich brauchte aber keinen.

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