Interview mit Brigitte Dahlbender "Wir können das Quorum erreichen"

Von Fragen von Thomas Braun und Jörg Nauke 

Brigitte Dahlbender organisiert die Kampagne für den Stuttgart-21-Ausstieg. Sie glaubt, dass die Bahn sich nicht gegen eine Mehrheit durchsetzen kann.

Brigitte Dahlbender setzt auf einen modernisierten Kopfbahnhof. Foto: dpa 6 Bilder
Brigitte Dahlbender setzt auf einen modernisierten Kopfbahnhof. Foto: dpa

Stuttgart - Sie ist Sprecherin des landesweiten Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 und organsiert die Kampagne "Ja zum Ausstieg". Brigitte Dahlbender ist überzeugt, dass ein modernisierter Kopfbahnhof die bessere Alternative darstellt. Bei der Volksabstimmung setzt sie auf einen klaren Sieg der Projektgegner.

Frau Dahlbender, der Wahlkampf vor der Volksabstimmung hat begonnen, die ersten Plakate hängen und sind auch schon wieder abgerissen worden. Täuscht der Eindruck oder kleben die Befürworter des Projekts viel stärker als Sie?

Der Eindruck konnte vielleicht ganz am Anfang der Kampagne entstehen. Wir arbeiten überwiegend mit ehrenamtlich organisierten Leuten und haben von daher eine etwas längere Vorlaufzeit gebraucht. Aber inzwischen haben wir stark aufgeholt. Es haben sich landesweit mehr als 70 Bündnisse für ein Ja zum Ausstieg gegründet. Hinzu kommt: eine Volksabstimmung verläuft anders als eine Wahl. Da baut man die Kampagne nicht über einen sehr langen Zeitraum auf. Entscheidend sind vor allem die letzten 14 Tage vor dem Urnengang. Unsere Materialien werden auch über das Internet sehr gut nachgefragt und wir spüren, dass auch bei unseren Veranstaltungen quer durchs Land großes Interesse herrscht. Aber in der Tat ist es so, dass wir jetzt erst begonnen haben zu plakatieren. Bei all dem muss man sich vor Augen führen, dass wir über ein relativ bescheidenes Budget verfügen...

..wie viel Geld haben sie für die Aktionen?

Etwa 300.000 Euro plus X. Das ist vergleichsweise niedrig für einen landesweiten Abstimmungskampf und sehr viel weniger als das Geld, mit dem die Befürworter von Stuttgart 21 wirtschaften können, die natürlich kräftig von der an späteren Aufträgen interessierten Industrie unterstützt werden. Allein der Regionalverband Stuttgart sponsert die Kampagne der Befürworter mit einer Million Euro. Da sind wir deutlich bescheidener aufgestellt. Insofern schmerzt uns auch jedes zerstörte Plakat sehr, denn dort stecken unsere spärlichen Mittel drin. Wir haben durch den Vandalismus einen Schaden von inzwischen mehr als 10.000 Euro. In diesem Zusammenhang möchte ich an die Bürger appellieren, die auf den Plakaten zum Ausdruck gebrachte politische Meinung zu respektieren. Damit meine ich übrigens alle Plakate, auch die der Befürworter. Es muss doch möglich sein, sich in einem solchen Abstimmungskampf fair zu verhalten und zu akzeptieren, dass das Gegenüber eine andere Meinung vertritt.

Wie finanziert sich die Kampagne des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21?

Die 300.000 Euro basieren auf festen Zusagen von Unterstützern. Dazu zählen unter anderem auch die Grünen im Land und der Naturschutzbund Deutschland. Natürlich haben wir zusätzlich Spendenaufrufe gestartet, und wir bitten darum, über unsere Internetseite für Plakate und andere Materialien zu spenden.

Die Projektbefürworter konzentrieren sich bei ihrer Kampagne auf zwei wesentliche Botschaften: Kein weiterer Ärger - und die von ihnen auf 1,5 Milliarden bezifferten Ausstiegskosten. Eine Auseinandersetzung über strittige Themen soll gar nicht mehr geführt werden. Wie gehen Sie damit um?

Natürlich führen wir trotzdem die Sachdebatte bei den vielen Veranstaltungen, Vorträgen und Podiumsdiskussionen im ganzen Land. Wir konzentrieren uns auf die Frage der Modernisierung des Verkehrs im ganzen Land, die durch Stuttgart 21 blockiert würde. Wir thematisieren auch die aus dem Ruder laufenden Projektkosten und werden in den nächsten Wochen sicherlich auch die Ausstiegskosten nochmals in den Mittelpunkt rücken. Dagegen rechnen wir die Ausgaben für eine Modernisierung des Kopfbahnhofs, für die wir uns einsetzen. Die Projektbefürworter fahren eine sehr emotionalisierte Kampagne, die wir in der Form nicht mitmachen.