Gespannt wartet die Welt auf die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton. Auch der britische Botschafter Simon McDonald freut sich.
Stuttgart - In Zeiten knapper Kassen freuen sich die Briten ganz besonders auf die königliche Hochzeit im April. Warum auch gerade die Deutschen voller Vorfreude sind, welche Schlüsse das britische Volk aus der Tragödie der verstorbenen Prinzessin Diana gezogen hat und warum Prinz William seinen Vater, Prinz Charles, in der Thronfolge nicht einfach überspringen kann, erklärt der britische Botschafter Simon McDonald.
Herr McDonald, sind Sie eingeladen zur "Big Fat British Wedding"?
Leider nicht. Von den 1900 Einladungen gingen etwa 150 an Diplomaten. Allerdings nur an jene, die in Großbritannien leben und arbeiten.
Was wünschen Sie dem Paar - speziell Kate als neuem Mitglied der Königsfamilie?
Kate beziehungsweise Catherine - wie wir nun lernen müssen, sie zu nennen - ist eine junge Frau, die genug Zeit hatte, darüber nachzudenken, auf was sie sich einlässt. Denn das, auf was sie sich einlässt, ist außerordentlich und wird es für den Rest ihres Lebens bleiben. Ich denke, es war gut, dass Prinz William und Catherine sich mit ihrer Entscheidung Zeit gelassen haben. Sie kennen sich beide sehr gut. Das gegenseitige Vertrauen hat man am Tag ihrer Verlobung spüren können. Und das wird absolut essenziell sein für ihren Erfolg im öffentlichen Leben. Was ich beiden persönlich wünsche, ist etwas Zeit. Als junges, verheiratetes Paar und hoffentlich als junge Eltern wäre es schön, wenn ihnen die Öffentlichkeit und die Presse so viel Zeit wie möglich gibt, um ein möglichst normales Leben führen zu können, bevor die öffentlichen Pflichten beginnen - schließlich wird William eines Tages unser König sein.
Haben die Medien, die königliche Familie und auch das Volk ihre jeweiligen Lehren aus dem Schicksal und dem tragischen Tod von Prinzessin Diana gezogen?
Prinzessin Diana war eine außerordentliche und sehr charismatische Persönlichkeit. In der öffentlichen Wahrnehmung war sie ein Phänomen. Ich bin mir allerdings nicht vollkommen sicher, ob alle Leute in Großbritannien tatsächlich die notwendigen Lektionen gelernt haben, die uns das Leben von Diana lehrt. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass vor allem Prinz William die richtigen Schlüsse aus dem gezogen hat, was seine Mutter erlebt hat.
Prinz William ist sehr populär. Je länger sein Vater im Wartestand verharrt, desto lauter werden die Stimmen, dass er zugunsten seines Sohnes auf den Thron verzichten solle. Halten Sie das für möglich?
Das stimmt, es gibt viele Spekulationen über einen solchen Schritt - interessanterweise vor allem im Ausland. Aber man muss immer bedenken, dass die königliche Familie seit Jahrhunderten das Land regiert und in fast allen Bereichen des britischen Lebens etabliert ist. Und die Praxis ist seit Menschengedenken so, dass ein König oder eine Königin sein beziehungsweise ihr ganzes Leben dem Land dient.
"Catherine ist populär"
Das bedeutet, dass der Grundsatz der Thronfolge unverrückbar ist?
Das will ich so nicht sagen. Es gab immer Veränderungen in der königlichen Familie. Es gab zum Beispiel eine Zeit, als nur protestantische Prinzessinnen als zukünftige Königinnen in Betracht kamen. Das ist ein Grund, weshalb so viele britische Königinnen deutschen Ursprungs waren. Die evangelischen adligen Familien in Deutschland waren ein ergiebiges Reservoir für mögliche Kandidatinnen. Aber wie wir alle wissen, hat sich das im Laufe der Jahrzehnte geändert, und die zukünftige Prinzessin ist eine britische Bürgerliche. Trotz solcher Veränderungen sind viele Traditionen aber noch immer sehr stark, auch was den Fall der Nachfolgeregelung angeht.
Die Hochzeit fällt in eine wirtschaftlich und politisch schwierige Zeit. Freuen sich die Menschen auf die Vermählung auch, weil sie etwas Farbe in den tristen Alltag bringt?
Ich glaube, dass tatsächlich viele Menschen in Großbritannien dieses Gefühl teilen. Prinz William ist im Volk sehr hoch angesehen, und ich glaube, Catherine ist ebenfalls sehr populär. Das bedeutet, dass Menschen aus allen Altersschichten und sozialer Herkunft gespannt und mit viel Freude auf diese Hochzeit blicken.
Ein solches Fest kostet viel Geld. Angesichts drastischer Kürzungen ist das eine Gratwanderung. Die Feier soll auf keinen Fall protzig werden. Hat die königliche Familie das Gebot der Stunde erkannt?
Wir leben tatsächlich in rauen Zeiten, und die königliche Familie ist sich dieser Tatsache sehr wohl bewusst. Sie weiß aber auch, dass sich die britische Bevölkerung nach einem gewissen Rahmen sehnt, in dem die Hochzeit ausgetragen werden soll. Aus diesem Grund wird zum Beispiel der Tag der Trauung ein nationaler Feiertag sein.
Und die Briten sind damit einverstanden, dass der Steuerzahler dafür tief in die Tasche greifen muss?
Die Frage der Kosten wird so transparent gehandhabt, wie es im 21. Jahrhundert üblich ist. Das Königshaus wird die meisten Kosten tragen und auch vonseiten der Familie Middleton wird ein Beitrag geleistet. Es gibt aber auch Ausgaben, die nicht unbedingt Teil der Hochzeit sind, die aber unvermeidbar mit dem großen öffentlichen Event zusammenhängen. Die größten Ausgaben werden wohl für die Sicherheitsvorkehrungen anfallen. Hunderttausende werden die Straßen von London säumen, das will gut organisiert sein.
Auch die Deutschen nehmen großen Anteil an der Vorfreude auf die Hochzeit. Wie erklären Sie sich das?
Ja, die Begeisterung ist wirklich erstaunlich. Ich habe eine Ahnung davon bekommen, welche Bedeutung die britische Königsfamilie für die Deutschen hat, als Prinz Harry Ende des vergangenen Jahres in Berlin zu Besuch war. Selbst er, der an enthusiastische Aufmerksamkeit gewöhnt ist, war überrascht, wie begeistert die Deutschen ihn empfangen haben. Die Faszination hat wohl auch damit zu tun, dass es aus der Geschichte heraus viele Verbindungen zwischen den beiden Ländern gibt. So stammen viele Vorfahren unserer königlichen Familie aus Deutschland. 2014 feiern wir den 300. Jahrestag der Verbindung zwischen Großbritannien und Hannover. Vergessen werden darf auch nicht, dass 123 Jahre lang der König von England auch der Herrscher von Hannover war. Erinnerungen dieser Art verblassen nicht.
Die Hochzeit zeigt, wie tief die Monarchie in Großbritannien verwurzelt ist. Können Sie sich Ihr Land ohne die Royals vorstellen?
Nein, das ist unvorstellbar.
Seite 3: Zur Person
Berufliches Simon McDonald ist seit Oktober 2010 britischer Botschafter in Deutschland. Er ist seit 1982 beim britischen Außenministerium beschäftigt. Er arbeitete unter anderem in Riad, Bonn und Washington als Botschaftssekretär, außenpolitischer Berater und Redenschreiber des Außenministers. Zuvor studierte er Orientalistik und Afrikanistik in London.
Privat McDonald, geboren im März 1961, lebt mit seiner Frau Olivia und seinen vier Kindern in Berlin-Grunewald. Wie er in einem Interview einmal erzählte, geht er in seiner Freizeit gerne mit seinem Hund spazieren und verbringt Zeit mit seinen Kindern.