InterviewInterview mit Christian Hermes Was Franziskus von Fritz Kuhn unterscheidet

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Der katholische Stadtdekan Christian Hermes saß in einer Veranstaltung im Stuttgarter Rathaus, als das „Habemus Papam“ von Rom aus um die Welt ging. Was konnte der echte Franziskus, was OB Fritz Kuhn nicht kann? Das hat Hermes dem StZ-Lokalchef Holger Gayer erzählt.

Stuttgart - Der katholische Stadtdekan Christian Hermes saß in einer Veranstaltung im Stuttgarter Rathaus, als das „Habemus Papam“ von Rom aus um die Welt ging. Was kann der neue Papst, was OB Fritz Kuhn nicht kann? Das hat Hermes dem StZ-Lokalchef Holger Gayer erzählt.

 

Herr Hermes, als in Rom der neue Papst gekürt wurde, saßen Sie im Stuttgarter Rathaus und haben der Präses der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland zugehört. Waren Sie zur falschen Zeit am falschen Ort?

An dem Vortrag von Katrin Göring-Eckardt habe ich nichts auszusetzen. Aber ich gestehe, dass mich die Personalie, um die es in Rom ging, ein paar Grad meiner Aufmerksamkeit gekostet hat.

Was erwarten Sie vom neuen Papst?

Ich glaube, dass sein Name auch sein Programm ist. Zum ersten Mal hat ein Papst den Namen des heiligen Franz von Assisi gewählt. Franziskus hatte wesentliche reformatorische Ansätze. Er hat das Verhältnis von Reichtum und Armut auf eine für seine Zeit wegweisende Art durchbuchstabiert. Außerdem ist er der Ökoheilige schlechthin, den wir in der katholischen Kirche haben.

Dann dürfte seine Wahl ja gerade in Stuttgart auf große Zustimmung stoßen.

Ja, er konnte sogar etwas, das Fritz Kuhn nicht kann.

Nämlich?

Mit Tieren sprechen.

Und was bedeutet Papst Franziskus I. für die Menschen in der Welt?

Seine Wahl ist ein klares Statement für Südamerika, wo die katholische Kirche starke Akzente im Blick auf die soziale Gerechtigkeit setzt. 488 Millionen Katholiken leben dort, das ist fast die Hälfte aller Katholiken auf der Welt. Insofern repräsentiert er einen wesentlichen Teil unserer Kirche.

Und wo bleibt Europa, Deutschland inklusive?

Vor der Wahl wurden ja viele Favoriten genannt. Die Italiener dachten, dass es unbedingt wieder einer der ihren werden müsste. Und auch wir Deutschen werden uns daran gewöhnen müssen, dass wir nicht mehr so sehr im Fokus stehen werden wie das mit Benedikt der Fall war. Wir sind nicht mehr der Mittelpunkt der katholischen Welt, sondern rücken in der Hitliste eher ein wenig nach hinten. Ich finde das nicht schlimm.




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