Interview mit dem Autor Dietrich Weichold „Es muss authentisch sein“

In „Fallwild“ nicht der Mörder, sondern das Opfer: ein Jäger Foto: dpa
In „Fallwild“ nicht der Mörder, sondern das Opfer: ein Jäger Foto: dpa

Dietrich Weichold hat mit „Fallwild“ seinen sechsten Krimi um Kommissar Kupfer vorgelegt. Der Fall führt die Leser wieder kreuz und quer durch den Kreis Böblingen – und darüber hinaus.

Böblingen – - Dietrich Weichold hat seinen Vorsatz konsequent umgesetzt: Im Ruhestand will er einen Roman schreiben, lautete das Ziel des ehemaligen Lehrers. Mittlerweile sind es schon sechs. Jetzt hat der 71-Jährige seinen neuen Krimi „Fallwild“ vorgestellt. Auf dieses Genre ist er nur durch einen Zufall gekommen.
Herr Weichold, wo sind Sie dieses Mal über die Leiche gestolpert?
Im Schönbuch. „Fallwild“ ist im Jägermilieu angesiedelt. Aber die Gründe für den Mord an dem Jäger liegen außerhalb der Jagd. „Wenn er Angler gewesen wäre, hätten ihn die Täter vielleicht ersäuft“, lasse ich meinen Kommissar Kupfer sagen. Denn eigentlich geht es um Leiharbeit im Baugewerbe. Man hört ja immer wieder, dass da viel Schmu gemacht wird.
Wo kommt Ihr Kommissar überall herum?
Auf der Bundesstraße 28 zwischen Tübingen und Herrenberg gibt es einen Unfall mit Wildschweinen, in Gültstein wird illegaler Wildbrethandel betrieben, in Altdorf und Dettenhausen werden Hochsitze angesägt. Der Showdown findet allerdings auf einer Baustelle bei der Autobahnraststätte Pfinztal in der Nähe von Karlsruhe statt.
Regionalkrimis boomen. Können Sie das Phänomen erklären?
Ich kann es nur damit erklären, dass die Leute in ihrem vertrauten Bereich bleiben wollen. Es ist wie eine Art Heimatroman, aber auf einer anderen Ebene, hat mir ein Arzt gesagt. Wenn wir ein Buch lesen, das in einer Gegend spielt, die wir kennen, lesen wir es mit größerer Lust, weil wir schneller hineinfinden. Der lokale Bezug muss aber authentisch sein und darf nicht aufgesetzt wirken.
Wie bleiben Sie authentisch?
Ich stamme aus Herrenberg, und die letzten drei Jahre als Lehrer habe ich am Goldberg-Gymnasium verbracht. Mein Kommissar Kupfer kennt sich aus, er ist mit der Gegend verbunden. Er steht übrigens auch kurz vor der Pensionierung. Ich kann als inzwischen 71-Jähriger ja keinen jungen Helden mehr aufbauen. Und ich entwickle meinen Szenen aus dem Ort heraus. Der Wildunfall an der B 28 ist zum Beispiel wirklich passiert. Morgens um 4 Uhr ist ein Autofahrer in eine Rotte hineingefahren. Dabei wurden vier Tiere getötet. Als der Jagdpächter um 8.30 Uhr kam, um die Wildschweine abzutransportieren, waren drei davon gestohlen. Obwohl man die Stelle von Weitem gut einsehen kann. Da muss man sich doch fragen: Wie kann das sein?
Warum ist das Genre Krimi so beliebt?
Ehrlich gesagt: ich weiß nicht, warum. Vor 30 Jahren gab es noch kaum deutsche Krimis. Mir ist es unerklärlich, warum sie mittlerweile auch im Fernsehen auf allen Kanälen laufen. Ich bin nur durch einen Zufall darauf gekommen. Ich wollte seit Langem einen Roman schreiben, der in einer Schule spielt. Denn es gibt kaum Romane, die das Schulleben authentisch abbilden. Damit es jemand liest, brauchte ich eine spannende Trägergeschichte. Bei der Suche nach einem Verlag kam trotzdem oft die Antwort: zu viel Schule, zu wenig Krimi! Diese Art zu erzählen, ist interessant, und deshalb habe ich weitergemacht.
Es scheint zu flutschen. Wann kommt der siebte Fall?
Flutschen ist nicht ganz der richtige Ausdruck. Es ist schon ein anstrengendes Geschäft – und ein sehr einsames. Aber wahrscheinlich wird es noch ein Buch geben.




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