Interview mit dem Dekan des Ulmer Münsters „Bei uns ist ein Brand extrem unwahrscheinlich“

Der Brandschutz hat im Ulmer Münster einen hohen Stellenwert. Foto: dpa
Der Brandschutz hat im Ulmer Münster einen hohen Stellenwert. Foto: dpa

Dekan Ernst-Wilhelm Gohl sieht das Ulmer Münster gut geschützt vor einem Feuer – denn die Erbauer setzten im Dach Stahl statt Holz ein.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)
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Stuttgart - Ernst-Wilhelm Gohl ist seit 2006 Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Ulm und damit Chef von 45 Pfarrern in der Region. Das Ulmer Münster bezeichnet Gohl als „Bürgerkirche“, weil es ein wichtiger Teil der Identität Ulms ist, unabhängig vom evangelischen Glauben.

Ulm – - Herr Gohl, das Ulmer Münster besitzt den höchsten Kirchturm der Welt mit 161 Metern und gilt als größte evangelische Kirche Deutschlands. Könnte ein Brand wie in der Notre-Dame auch im Münster ausbrechen?

Ein Feuer ist theoretisch immer möglich, aber in dem Umfang wie in Paris ist es eher unwahrscheinlich. Denn wir haben nicht diese große Masse an Holz. In der Notre-Dame bestand ja der gesamte Dachstuhl aus Holz, und dieses viele Jahrhunderte alte Holz war zudem sehr trocken. Es brannte wie Zunder.

Hängt die andere Konstruktion des Ulmer Münsters damit zusammen, dass der Bau der Kirche 1543 eingestellt worden war und das Münster erst im 19. und 20. Jahrhundert vollendet wurde?

Genau. Damals wurden alle mittelalterlichen Holzdachstühle gegen Konstruktionen aus Stahl ausgetauscht. Auch der Glockenstuhl ist deshalb bei uns nicht aus Holz. Stahl ist viel stabiler, und Stahl brennt natürlich auch nicht. In Notre-Dame musste dagegen sehr viel Holz im Dach verbaut werden. Das wurde Paris jetzt zum Verhängnis. Der Kölner Dom übrigens ist ähnlich gebaut wie unser Münster.

Viele mittelalterliche Kirchen bestehen ja vorwiegend aus Stein. Kann im Ulmer Münster außer dem Dachstuhl überhaupt etwas brennen?

Eigentlich nicht. Aus diesem Grund ist es extrem unwahrscheinlich, dass bei uns ein Brand ähnliche Dimensionen wie in Paris annehmen würde. Unten ist vor allem massiver Stein verbaut, da kann wenig brennen. Insofern würde ein Feuer auch in Ulm immer vom Dachstuhl ausgehen.

Wie sieht denn das Sicherheitskonzept für das Ulmer Münster aus?

Wir haben erst vor zwei Jahren eine komplett neue Sicherheitsanlage eingebaut. Dabei wurden auch die Elektroleitungen erneuert und fast alle Brandlasten weggeräumt. Jetzt sind wir auf dem neuesten brandschutztechnischen Stand. Wenn es überhaupt zu einem Brand käme, so würden wir frühzeitig informiert und könnten schnell reagieren.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Wir haben Brandschutzabschnitte definiert, die durch Brandschutztüren voneinander abgetrennt sind. Diese Türen schließen im Notfall automatisch. Daneben haben wir überall im Münster viele Sensoren angebracht, die laufend Rückmeldung geben und bei einem Zwischenfall sofort Alarm auslösen. Dieser Alarm läuft direkt bei der Feuerwehr auf.

Wenn nun beim Ulmer Münster der Dachstuhl brennen sollte: Hat die Ulmer Feuerwehr denn spezielle Drehleitern, um in so großer Höhe den Brand bekämpfen zu können?

Die Feuerwehr hat genau festgelegte und markierte Zufahrtswege und kommt so zu den richtigen Stellen, von denen aus sie über Drehleitern den Dachstuhl erreichen kann. Spezielles Gerät ist dafür nicht nötig. Wir haben solche Fälle auch schon geübt; es gibt einen sehr guten Kontakt zur Feuerwehr.

Wie sieht es mit dem Turm aus?

So hoch käme die Feuerwehr in der Tat nicht. Aber der Turm ist komplett aus Stein, er kann eigentlich nicht brennen. Nur wenn der Stein sich so stark erhitzt, dass er zu bröseln beginnt, könnte der Turm zusammenstürzen.

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