Interview mit dem deutschen Chef in Incirlik Am meisten Probleme mit dem Strom

Schon am vorigen Montag haben Sie den Flugbetrieb nach dem Putschwochenende aufgenommen. Ist die Zusammenarbeit mit den Türken noch beeinträchtigt?
Das alles kam für uns, aber auch für unsere multinationalen Partner am Flugplatz, überraschend. Wegen der umfassenden Ermittlungen hier am Standort Incirlik fehlen uns derzeit teilweise die etablierten türkischen Ansprechpartner. Die Situation entspannt sich aber langsam. Bei der Auftragserfüllung gibt es durch die Unterstützung der US-Streitkräfte keine Einschränkungen. Die Aufklärungs- und Luftbetankungsflüge werden professionell von meinen Soldaten durchgeführt.
Wie viele Flüge haben die Aufklärungs-Tornados und der Airbus A310 absolviert?
Bis jetzt wurden insgesamt mehr als 2000 Einsatzflugstunden mit den Tornados und dem A310 MRTT in der Luftbetankung erfolgreich durchgeführt. Unser Beitrag innerhalb der Koalition ist hoch anerkannt und wird stark nachgefragt.
Die Türken haben nach dem Putschversuch für sechs Tage die Stromversorgung der Basis unterbrochen – ein Handicap für Sie?
Unser mobiler Gefechtsstand verfügt über eine unabhängige Stromversorgung und Kommunikationsanbindung. Das sichert uns die eigenständige Führungsfähigkeit. Der Stromausfall hat anfänglich zu Einschränkungen geführt. Unterkunftsgebäude wurden nicht mehr mit Elektrizität versorgt – somit fielen Klimaanlagen, Kühlschränke, Waschmaschinen, die Beleuchtung sowie die Internetverbindung aus. Das Duschen war nur noch mit kaltem Wasser möglich. Im Kontingent musste die Versorgung mit mobilen Stromaggregaten priorisiert werden. Da kommen Fragen des Alltags auf, etwa wie die Reinigung der Bekleidung und der persönlichen Ausrüstung sichergestellt werden kann. Die größte Herausforderung ist zu dieser Jahreszeit die hohe Außentemperatur. Ohne funktionierende Klimaanlagen steigt die Temperatur in den Arbeitsbereichen und Schlafräumen beträchtlich – die oftmals ohnehin schweißtreibende Arbeit wird dadurch nicht einfacher.