Interview mit dem deutschen Chef in Incirlik „Uns fehlen etablierte türkische Ansprechpartner“

Die Unruhen in der Türkei behindern auch die Bundeswehr auf der Basis in Incirlik. Der Führer des deutschen Kontingents, Oberst Holger Radmann, sieht den Auftrag der Piloten aber nicht gefährdet. Mehr als 2000 Flugstunden waren sie seit Januar gegen den Islamischen Staat eingesetzt.

Holger Radmann führt die 270  deutschen Soldaten in Incirlik seit Anfang Mai. Foto: Bundeswehr/Jirka Ohk
Holger Radmann führt die 270 deutschen Soldaten in Incirlik seit Anfang Mai. Foto: Bundeswehr/Jirka Ohk
Stuttgart – - Der Putschversuch und der Ausnahmezustand in der Türkei haben die Bundeswehr-Soldaten in Incirlik erneut in den Fokus gerückt. Davor hatte Ankara Bundestagsabgeordneten einen Besuch auf der Basis untersagt.
Herr Oberst Radmann, wie haben Sie die Nacht des Putschversuches erlebt?
Für unvorhergesehene Veränderungen der Lage wird im Vorfeld ein Maßnahmenkatalog erstellt. Grundsätzlich wird als erste Maßnahme der aktuelle Aufenthaltsort des Personals in Erfahrung gebracht, und das Führungspersonal trifft sich zur Abstimmung des weiteren Vorgehens. Die Sicherheit des Kontingentes steht an erster Stelle.
Spüren Sie etwas von der Unruhe im Land?
Wir fühlen uns auf der Air Base sicher. Die Bewachung erfolgt durch die US-Streitkräfte und türkische Sicherheitskräfte. In diesem Zusammenhang ist es nur konsequent, dass die Schutzmaßnahmen auf dem Flugplatz erhöht werden. Bereits vor der Nacht auf den 16. Juli war das Verlassen der Air Base bis auf wenige Ausnahmen nicht erlaubt. Für uns hat sich deswegen die Lage nicht grundlegend geändert.
Ist die Atmosphäre anders als vorher?
In einer solch dynamischen Lage ändert sich vieles, was zuvor noch verlässlich war. Im mobilen Gefechtsstand rückte das Personal des Kontingentes zusammen, und zusätzliche Computerarbeitsplätze wurden kurzfristig eingerichtet.