Interview mit dem Entertainer Roland Baisch „Unsere Generation ist irgendwo gescheitert“

Roland Baisch feiert seinen 70. Geburtstag im Theaterhaus Foto: Veranstalter/Anni Jurcec

Roland Baisch wird 70. Am seinem Geburtstag, dem 27. Oktober, lädt der Entertainer deshalb musikalische Weggefährten zur großen Geburtstagsrevue ins Theaterhaus. Unter dem Titel „Alter Falter“ gibt es unter anderem Jazz, Country und Comedy.

Im Jahr 1978 hat die Bühnenkarriere von Roland Baisch mit dem Scherbentheater begonnen, später war er dann Teil der Shy Guys, und noch später brillierte er mit Jazz und Country. Im Interview anlässlich seines Geburtstag am 27. Oktober verrät der Stuttgarter Entertainer, weshalb er außer Musik immer noch Comedy macht – und weshalb er sein Jubiläumsprogramm „Alter Falter“ genannt hat.

 

Herr Baisch, Falter fliegen dauernd gegen Lampen und gelten als nervig. Sind Sie das?

Wahrscheinlich ist es so, dass ich das Licht suche. Deshalb bin ich ein Falter.

Diese Tiere werden in der Regel nicht besonders alt. Weshalb haben Sie Ihre Geburtstagsrevue dennoch „Alter Falter“ genannt?

Weil er trotz aller Widrigkeiten überlebt hat.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Einfach durchhalten und weitermachen und nicht nach hinten gucken.

Ihr Geburtstagsprogramm zeigt Sie in verschiedenen Rollen – vom Countrysänger über den Jazz-Crooner bis zum Comedian. Welche dieser Rollen hat Sie am meisten erfüllt?

Ich habe ja mit Musik angefangen, und Comedy hat sich irgendwie entwickelt. Das war damals ja kein Geschäft, sondern wir haben damit irgendwie Neuland betreten und waren relativ frei. Ein Grund, weshalb ich heute noch Comedy mache, besteht darin, dass Leute schöner sind, wenn sie lachen. Aber die Affinität zur Musik war immer da.

Wie fing das an?

Meine ersten musikalischen Erfahrungen waren mit Jazz verbunden, durch meinen Onkel, dessen Band ich schon mit vier zugehört habe. Country kam später durch meine Liebe zu Bob Dylan und Johnny Cash und so. Ich bin prinzipiell ein neugieriger Mensch. Wenn ich was nicht kann, dann möchte ich probieren, ob ich’s hinkriege. In der Swingband zum Beispiel spiele ich mit den besten Musikern in Deutschland. Da habe ich mich einfach mal aus dem Fenster gehängt und gesagt: „Ich kann das“, ohne überhaupt den Beweis angetreten zu haben. Aber das wollte ich machen. Denn prinzipiell gibt es für mich nichts Schöneres, als mit einer unglaublich guten Band auf der Bühne zu stehen.

Empfinden Sie den Umstand, dass Sie in vielen verschiedenen Genres aktiv sind, als eine Bereicherung oder einen Klotz am Bein?

Es ist beides. Im Sport gibt es spielorientierte und gewinnorientierte Sportler. Und ich bin halt im Entertainment-Bereich spielorientiert. Mich interessiert das Spielen und das Auf-der-Bühne-Sein und das Ausloten. Seit 1978 lebe ich von diesem Beruf und habe nie einen anderen Job gehabt.

Damit sind Sie eine Legende in der Region Stuttgart geworden, aber kein bundesweit bekannter Popstar. Sind Sie zufrieden?

Ich hatte nie das Bedürfnis, den großen Erfolg zu haben. Ich war nie besonders ehrgeizig. Wenn ich – als ich fünf Jahre lang beim Fernsehen war – die Chance gehabt habe, mit berühmten oder mit wichtigen Leuten wegzugehen, dann bin ich immer mit den netten weggegangen.

Zum Interview ist Roland Baisch mit seiner Frau Linda Murphy-Baisch ins Pressehaus Stuttgart gekommen. Foto: Werner

Über die Genres hinweg hatte Ihre Kunst meistens etwas mit Rebellion zu tun . . .

. . . unser Spaß war Anarchie, aber Disziplin war dabei sehr wichtig, weil wir haben 250-mal im Jahr gespielt, und das über 20 Jahre hinweg. Es war ein Job, aber es war gleichzeitig die Verwirklichung einer Idee. Es war alles möglich, und von all dem, was möglich war, musste man sich das herausgreifen, was einen interessiert hat.

Mittlerweile gelingt es international einigen Musikern über 80, immer noch rebellisch und innovativ rüberzukommen. Wie funktioniert das mit 70 in Stuttgart?

Ich versuche einfach ein Programm zu machen, das sich am Leben orientiert. Wenn ich einen Johnny-Cash-Song singe, sagen viele junge Leute: „Mein Gott, ist das cool!“ Und wenn ich Comedy mache, versuche ich, auch Witze über mich und das Älterwerden zu machen. Am besten ist es, wenn die Musiker dabei besser sind als ich selbst. Dann muss ich mich strecken, und das hält mich am Laufen.

Wohin eigentlich?

Die Chance, in diese Welt geboren zu werden, ist relativ gering. Wenn wir schon mal da sind, sollten wir das Beste daraus machen. Die Welt spinnt derzeit. Ich habe zumindest versucht, Liebe und Respekt vor der Welt meinen Kindern weiterzugeben.

Wie kommen Sie damit klar, dass die Welt nicht besser geworden ist, obwohl Sie seit 45 Jahren auf der Bühne stehen?

Manchmal komme ich nicht damit klar. Unsere Generation ist irgendwo gescheitert. Auf der anderen Seite kann ich nichts anderes tun, als dem Wahnsinn das entgegenzusetzen, was ich kann. Mehr kann ich nicht machen.

Der Entertainer und seine Geburtstagsshow

Geburtstag
Roland Baisch wurde am 27. Oktober 1954 in Ehningen (Donau) im Alb-Donau-Kreis geboren. Er war Gagschreiber bei Harald Schmidt, machte fünf Jahre lang die „Comedy Factory“ bei Pro Sieben und trat nach Anfängen als Teil des Scherbentheaters mit Swing- und Countrybands auf. Er ist mit der ehemaligen Artistin Linda Murphy-Baisch verheiratet, wohnt in Korntal und hat zwei Kinder, die Artistin Vanessa Lee und den Musiker Sam Baisch.

Programm
Zur Geburtstagsrevue am 27. Oktober im Theaterhaus kommen Roland Baischs Comedy-Kollegen Michael Gaedt und Otto Kuhnle, das Count Baischy Swingtett, die Countryboys und die Ensembles seiner Kinder, Barbaren Barbies und Los Rikas. Außerdem dabei: Dieter Thomas Kuhn und diverse Überraschungsgäste.

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