InterviewInterview mit dem Kabarettisten Peter Grohmann Kommt der Protest ins Museum?

Ganz selten nicht aktiv: Peter Grohmann am Bauzaun in Stuttgart Foto: Anstifter
Ganz selten nicht aktiv: Peter Grohmann am Bauzaun in Stuttgart Foto: Anstifter

Jetzt wird der Protest-Bauzaun vom Stuttgarter Bahnhof im Haus der Geschichte ausgestellt. Peter Grohmann erklärt, warum der Widerstand aktuell bleibt.

Kultur: Roland Müller (rm)
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Stuttgart - Im Haus der Geschichte wird am Freitag die Ausstellung „Dagegen leben? Der Bauzaun und Stuttgart 21“ eröffnet. Peter Grohmann, seit den späten fünfziger Jahren in Stuttgart politisch aktiv, glaubt aber nicht, dass diese Musealisierung auch zu einer Entschärfung des Bürgerprotests führt. „Mit der kreativen Energie, die der Widerstand gegen das Bauprojekt freigesetzt hat, lässt sich noch vieles bewegen“, sagt der 74-jährige Aktivist und Kabarettist.


Herr Grohmann, werden Sie sich den Bauzaun im Haus der Geschichte anschauen?
Klar. Muss doch wissen: Wo ist mein Zettel? Wo steckt er? Oder hat den jemand weggemacht? Aha, der war dem Museumsdirektor wohl zu scharf! Dieser Saukerle! Dabei hab ich meinen Zettel doch extra fest angebäbbt! – Mit solchen und anderen sub­stanziellen Fragen eilen ich und die anderen Stuttgarter Bürger in die Ausstellung.

 . . . und freuen sich darüber, dass der Protest gegen Stuttgart 21 museumsreif und also überholt ist. Oder sehe ich das falsch?
Das Museum ist ein öffentlicher Ort. Und der Protest gegen das Bahnhofsprojekt findet auch immer an öffentlichen Orten statt – insofern habe ich gegen die Museumsreife nichts einzuwenden, umso weniger, als wir vom Bauzaun im Haus der Geschichte künftig im Demonstrationszug direkt zum Bauzaun im Park marschieren können, der dort im Januar aufgestellt wird.

Glauben Sie wirklich, dass der Protest anhält, auch jetzt noch, nach der Volksabstimmung mit ihrem klaren Votum für S 21?
Nach so einer verlorenen Schlacht – und die Volksabstimmung war eine Schlacht, eine Materialschlacht mit sehr ungleichen Kräften – macht sich natürlich Resignation breit. Trotzdem werden wir Projektgegner weiter unseren Protest in die Stadt tragen.

Damit gelten Sie aber als schlechter Verlierer.
Mit der Volksabstimmung wird das Projekt doch nicht besser! Und das Recht auf Versammlungsfreiheit haben wir damit auch nicht verwirkt, selbst wenn uns der grüne Ministerpräsident von weiteren Demonstrationen abrät: Die Regierung bittet das Volk um Ruhe! Das muss man sich mal vorstellen, ein echter Hammer! Als Kretschmann das sagte, hätte man ihm doch am liebsten zurufen mögen: Verheb’s, Winfried, o, verheb’s doch!



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