Interview mit dem Rapper Maeckes „Alles very special hier in Ludwigsburg“

Maeckes wird auf seiner Tilt-Tour von der Band Die Katastrophen begleitet. Foto: Basti Mowka
Maeckes wird auf seiner Tilt-Tour von der Band Die Katastrophen begleitet. Foto: Basti Mowka

Er stammt aus Kornwestheim und gibt am Freitag ein Konzert in Ludwigsburg, quasi ein Heimspiel für den Rapper Maeckes. Im Interview spricht er über seinen Bezug zur Heimat, Stinkefinger auf Instagram und über die Vorzüge des Loser-Seins.

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Ludwigsburg - Wer ist dieser Maeckes eigentlich? Frecher Freestyle-Rapper, Hälfte des Duos Maeckes und Plan B, ein Teil der Hip-Hop-Boyband Die Orsons, Musikvideo-Regisseur, aber auch ein Künstler, der nur mit seiner Stimme und Gitarre Konzertsäle füllt – die Bandbreite seines kreativen Schaffens ist groß. Aktuell ist der Wahl-Berliner, der in Kornwestheim aufgewachsen ist, auf seiner Tilt-Tour. Das ist der Titel seines aktuellen Albums und eine Art Zugangscode zum besseren Verständnis des Künstlers. Beim Interview mit unserer Zeitung landet der umgängliche 36-Jährige schnell beim Du.

Maeckes, du bist in Kornwestheim aufgewachsen, mittlerweile wohnst du in Berlin. Hast du noch einen Bezug zu Kornwestheim?

Auf jeden Fall, meine Mutter wohnt da. Und viele Jugendfreunde von mir leben dort oder in der Gegend. Ab und zu bin ich dort also unterwegs.

Hast du eher positive oder eher negative Erinnerungen an die Stadt? Besonders groß ist sie ja nicht.

Man stößt dort auf jeden Fall an Grenzen. Man will die Welt haben und bekommt eine Kleinstadt. Andererseits hat man dort das Beste aus zwei Welten: Stuttgart ist direkt vor der Haustüre, ich habe aber auch aus Kornwestheim wunderschöne Erinnerungen, beispielsweise, wie ich mit meinen Freunden beim Autokino illegalerweise vom Feld aus über den Zaun mitgekuckt habe. Den Ton haben wir uns aus einem Radio gezogen. Sowas geht nur in der Kleinstadt.

Gibt es dann bald auch einen Track, der eine Hymne an Kornwestheim ist?

Tatsächlich habe ich mal an einer Art akustischem Film über Kornwestheim gearbeitet, musste das dann aber wegen anderer Projekte wieder verwerfen. Aber ja, ich beschäftige mich damit. Mit den Orsons habe ich im Lied „Grün“ das Großwerden in einer Kleinstadt thematisiert. Wir haben da ja alle ähnliche Hintergründe.

Hast du auch einen Bezug zu Ludwigsburg?

Meine allererste WG, nachdem ich zu Hause ausgezogen war, lag in Ludwigsburg – in der Nähe des Römerhügels. In Ludwigsburg habe ich auch meine ganze Jugend lang Basketball gespielt.

Empfindest du dein Konzert in Ludwigsburg dann als Heimspiel?

Wenn ich Konzerte in der Region Stuttgart spiele, dann finden die zu 99 Prozent in Stuttgart statt. In Ludwigsburg ist es tatsächlich eine Art Heimspiel, denn im Scala habe ich noch mit meinen ersten Bands schon erste Konzerte in Combos gespielt, da gab es Maeckes und die Orsons so noch gar nicht. Und beim Cro Unplugged Konzert habe ich mit den Orsons dort einen Song performt.

Was dürfen die Besucher denn erwarten? Ruhige Gitarrennummern, beatlastigen Rap oder beides?

Ich komme ja mit meiner Band Die Katastrophen. Da geht’s schon auch mal rund, aber wir spielen auch ruhige Nummern. Und vielleicht kommen ja drei Freunde einer mir bestens bekannten Gruppe, (räusper, räusper) vorbei und liefern für ein oder zwei Songs ihren einzigen Auftritt in diesem Jahr. Also alles very special hier in Ludwigsburg.

Welche Nummern gefallen denn dir persönlich mehr? Solo mit Gitarre oder Rap mit Support?

Das ist ein Wechselspiel. Nach meiner Gitarrentour mit ruhigen Nummern und entsprechendem Publikum hatte ich wieder Lust, über die Bühne zu hüpfen. Und so geht es bestimmt auch dem Publikum.

In vielen deiner Songs klingt an, dass Du als Maeckes nur eine Rolle spielst. So singst du, dass du nur eine Maske trägst oder dein eigener Synchronsprecher bist. Wie ist denn das Verhältnis von Maeckes zu Markus Winter?

Die beiden sind mittlerweile recht gute Freunde (lacht). Wir haben viele Gemeinsamkeiten, aber am Ende sollte man nicht den Fehler machen, die beiden gleichzusetzen.

In einem Song bezeichnest du dich als Unsicherheitsexperten. Bist du ein selbstsicherer Mensch?

Ja. Auch selbstsichere Menschen können Unsicherheiten haben, sie sogar selbst auslösen und sich dann damit befassen. Auch so wird man Ende wieder sicherer.

Deine Musikvideos werden hochgelobt, sie haben eine, wenn man das so sagen kann, youtubige Machart. Auf der anderen Seite hast du einen Instagram-Account, der – etwas vereinfacht gesagt – nur aus Bildern besteht, worin du verschiedenen Dingen den Stinkefinger zeigst. Wie stehst du denn zu den Sozialen Medien?

Ich finde es amüsant, dass es sie gibt. Aber ich lasse mich nicht allzu sehr darauf ein und gebe da auch nicht viel von mir preis. Ich will auf Instagram und Co keine Standleitung zu meinem Alltag legen, das fände ich ungesund.

Wie positioniert man sich als Künstler in Zeiten des zunehmenden Extremismus?

Man muss es ganz klar sagen: Nazis und Rechtspopulisten sind kacke. Das tue ich, und das wissen auch meine Fans. Gerade in Zeiten großer Unsicherheit muss man klar und deutlich Stellung beziehen. Aber es sollte nicht so weit gehen, dass man als Musiker zum Politiker wird. Konkrete Ansagen gegen Verfehlungen wie den Rechtspopulismus halte ich für sehr wichtig, aber mit dem moralischen Zeigefinger auf den richtigen Weg zu weisen, finde ich problematisch.

In „Getting jiggy with it“ rappst du, dass der Mensch das Beste und gleichzeitig das Schlechteste auf der Welt ist. Dein Beitrag zur Gutmenschendebatte?

Ich finde den Begriff Gutmensch schwierig. Darüber hinaus ist es bedenklich, wenn es negativ konnotierte Wörter gibt für Menschen, die sich mit dem jetzigen Zustand nicht zufrieden geben. Wer hilft, ist ein Weltverbesserer. Wer sich gesund ernährt, ein Ökonazi. Ich glaube aber weiterhin an das Gute im Menschen. Sonst könnte man ja gleich aufgeben.

Auf deinem Album „Tilt“ geht es viel um Identität und Inszenierung. Und am Ende gibt es mit „Loser“ eine Hymne ans Verlieren. Aber was bedeutet das für dich: ein Loser zu sein?

In der Welt von heute ist es ein Tabu, ein Loser zu sein. Jeder will ein Gewinner sein, so wird man erzogen und so funktioniert die Welt. Das merkt man in jeder Kleinstadt, aber vor allem auch in den sozialen Medien. Dort wird die Loser-Seite total ausgeblendet, und jeder will sich nur von seiner besten Seite zeigen. Mit „Loser“ wollte ich das Verlierer-Sein wieder auf ein Podest stellen. Es darf und muss okay sein, wenn es andere Leute gibt, die in etwas besser sind als du. Und nächstes Mal bist du dann einfach wieder besser (lacht).

Du bist recht vielseitig unterwegs: Du hast jetzt Gitarrenkonzerte gegeben, als Videoregisseur gearbeitet, du bist Gründungsmitglied von Viva con Agua in Österreich und hast mit Judith Holofernes zusammengearbeitet. Was kommt als nächstes?

In letzter Zeit war ich sehr aktiv, habe viel Musik gemacht und an verschiedenen Projekten gearbeitet. Noch kann ich nichts verraten außer das: Demnächst kommt was.

Person
Maeckes wurde als Markus Winter im Jahr 1982 als Sohn österreichischer Eltern geboren. Er wuchs in Kornwestheim auf. Als Jugendlicher übte er sich im Freestyle-Rap. Im Jahr 2004 moderierte er zusammen mit dem Rapper Plan B, mit dem er auch gemeinsam Musik machte, die Hip Hop Open in Stuttgart. Im selben Jahr erhielt er einen Vertrag beim Stuttgarter Hip-Hop-Label Chimperator Productions. Im Jahr 2007 veröffentlichte er mit Plan B das Album „Als waeren wir Freunde“. Hierauf gibt es erstmals ein gemeinsames Lied mit den Rappern Tua und Kaas. Die Vier bildeten danach die Gruppe Die Orsons.

Termin
Maeckes tritt zusammen mit seiner Band Die Katastrophen an diesem Freitag im Scala in Ludwigsburg auf. Das Konzert findet im Rahmen seiner Tilt-Tour statt, dem Namen seines zuletzt veröffentlichten Albums. Einlass ist von 19 Uhr an, das Konzert beginnt um 20 Uhr. Karten im Vorverkauf kosten 20 Euro, an der Abendkasse 25 Euro.




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