InterviewInterview mit dem Scorpions-Vorsitzenden Markus Würtele „Ich mache jetzt erst einmal einen harten Cut“

Sport: Gerhard Pfisterer (ggp)
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Welche Fehler haben Sie in Ihren sieben Jahren als Scorpions-Vorsitzender gemacht?
Manchmal habe ich mich auf die falschen Leute verlassen und zu viel selbst machen wollen. Am Anfang hatte ich Probleme, Sachen abzugeben. Manchmal habe ich die Priorität auf die falschen Bereiche gesetzt. Dieses Jahr war es mir zum Beispiel wichtig das Thema Livestream voranzutreiben, dabei gab es andere Bereiche wie den Fanshop, in die wir Zeit investieren hätten können, ohne eine neue Baustelle aufzumachen.
In welchem Zustand geben Sie die Scorpions aus Ihrer Sicht ab?
Schuldenfrei, mit einem Budget, das so hoch ist wie nie in den Jahren davor, wir reden da von circa 350 000 Euro. Mit einer guten Trainingsmöglichkeit. Und mit steigenden Zuschauerzahlen, die jetzt bei rund 1700 Zuschauern liegen.
Und wie sieht es sportlich aus?
Wir haben eine funktionierende Jugendarbeit, ein funktionierendes Frauenteam, uns fehlt im Endeffekt in der ersten Mannschaft die Tiefe an potenziellen Leistungsspielern. Aber Erwin Schmidt, der seit einem Jahr im Vorstand für die Sportliche Leitung zuständig ist, ist da dran, die nächsten Schritte zu gehen. Der Start war nicht so erfolgreich mit dieser Saison, aber wir haben in diesem Jahr viel gelernt.
Wie kam es zu der sportlichen Stagnation der vergangenen Jahre?
Das würde ich nicht so großschreiben. Wir haben nicht stagniert, wir sind nur nicht so schnell vorangekommen wie andere. Dieses Jahr hatten wir mit der Verpflichtung von neuen Spielern nicht so viel Glück wie 2014, als wir im Viertelfinale der deutschen Meisterschaft waren. Damals hatten wir Megaglücksgriffe bei unseren US-Importspielern. Diese Spieler beeinflussen einen Saisonverlauf einfach stark, sie entscheiden die engen Spiele.
Football ist Ihr Leben. Was ersetzt den Sport künftig?
Ich kann es aktuell noch nicht beantworten. Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen. Als ich meinen engen Vertrauten davon erzählt habe, war das sehr emotional. Das Spiel am Sonntag wird auch sehr emotional. Ich mache jetzt erst einmal einen harten Cut. Ich kann mir aber vorstellen, dass ich nochmal irgendwo als Spieler einsteige, ich bin ja erst 30. Auch eine Aufgabe als Jugendtrainer oder beim Verband ist denkbar. Schiedsrichter bin ich ja sowieso auch noch, ich gehe dem Sport also nicht verloren.

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