Interview mit den Betreibern der Sport-Insel in Vaihingen „Wir machen das, was gewünscht wird“

Dauerbrenner Sport-Insel: Astrid und Ludwig Etschmann im Gespräch mit Kai Müller (rechts)   von der Filder-Zeitung. Foto: Alexandra Kratz
Dauerbrenner Sport-Insel: Astrid und Ludwig Etschmann im Gespräch mit Kai Müller (rechts) von der Filder-Zeitung. Foto: Alexandra Kratz

Immer noch stehen die Betreiber der vor zehn Monaten abgebrannten Sport-Insel, Astrid und Ludwig Etschmann, vor einer ungewissen Zukunft. Noch hat der Gemeinderat keine Entscheidung getroffen.

Lokales: Kai Müller (km)
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Vaihingen - Das Sport- und Fitnesszentrum Sport-Insel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur in Vaihingen einen Namen gemacht. Doch dessen Brand am 12. Oktober 2013 bedeutete einen jähen Einschnitt im Leben der Betreiberfamilie. Und es kam noch schlimmer. Der gültige Bebauungsplan schiebt dem Wiederaufbau einen Riegel vor. Es gibt zwar positive Signale aus dem Gemeinderat, aber noch ist nichts entschieden.
Wie geht es Ihnen?
Ludwig Etschmann: Gut, wir sind vor Kurzem zum zweiten Mal Großeltern geworden. Von der finanziellen Seite stellen wir uns darauf ein, dass der Wiederaufbau länger dauern wird. Wir hoffen, dass wir mit der Stadt zusammen einen guten Weg finden, die Sport-Insel wieder aufzubauen. Da freuen wir uns als Familie schon sehr darauf.
Denken Sie noch häufiger an den 12. Oktober 2013 zurück?
Ludwig Etschmann: Ich denke da nicht mehr daran.
Astrid Etschmann: Nicht mehr? Ich schon, immer wenn ich Bilder von Bränden sehe, kommt es mir wieder in den Kopf. Das kann man nicht so einfach verdrängen, wir hatten die Sport-Insel schließlich vor 26, 27 Jahren aufgebaut. Aber es hat natürlich nachgelassen. Wie sagt man so schön: Die Zeit heilt alle Wunden.
Zehn Monate sind seit dem Brand vergangen. Über den Wiederaufbau ist viel gesprochen worden, doch passiert ist nichts. Sind Sie enttäuscht?
Ludwig Etschmann: Natürlich. Als die Sport-Insel abgebrannt ist, habe ich gedacht, bis in zwei, drei Monaten werden wir den Plan durchhaben und danach geht es wieder vorwärts. Und dann hat sich das nach und nach immer zäher gestaltet. Ich habe mich sehr umstellen müssen. Ich bin jemand, der normalerweise zügiger agiert, aber in diesem Fall müssen wir uns in Demut üben und warten.
Astrid Etschmann: Wir hatten noch an Weihnachten den Spruch „Wir wünschen euch ein schönes Weihnachtsfest und sehen uns wieder im Herbst“ auf unsere Homepage gestellt. Wir waren fest davon überzeugt, dass wir in einem Jahr wieder aufbauen können. Da wussten wir noch gar nicht, dass wir keinen Bestandsschutz haben. Erst am 2. Februar haben wir das Schreiben vom Baurechtsamt bekommen, in dem steht, dass ein Wiederaufbau nicht möglich ist. Ohne die Hilfe von Stadtrat Jürgen Sauer wären wir auch jetzt noch nicht so weit. Er hat uns immer wieder Mut gemacht. Das gilt auch für die Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann.
Ludwig Etschmann: Ohne die Unterstützung wären wir gegen eine Wand gelaufen. Wir sind eigentlich relativ unpolitisch. Wir wussten gar nicht, welche Wege wir gehen müssen. Jeder denkt doch, wenn sein Häusle abbrennt, er es wieder aufbauen darf. Deswegen hat man ja auch eine Feuerversicherung. Man trifft doch sämtliche Vorkehrungen, dass man in einem solchen Fall nicht mit leeren Taschen dasteht.
Nun gibt es einen neuen Antrag. Es scheint demnach eine Mehrheit im Gemeinderat für den Wiederaufbau der Sport-Insel zu geben. Gibt Ihnen das neue Hoffnung?
Astrid Etschmann: Auf jeden Fall. Mein Sohn hat sofort eine E-Mail geschrieben. Das hört sich ja richtig positiv an, hat er geschrieben.
Ludwig Etschmann: Wenn der vorhabenbezogene Bebauungsplan kommt, dann werden wir alles machen, was wir müssen. Wir sind zu jeder Schandtat bereit, nur damit wir unsere Existenz wieder haben.
Astrid Etschmann: Uns wurde ja vorgeworfen, zumindest kam es uns so vor, dass wir uns vergrößern wollen. Das ist aber nicht der Fall. Wir haben am 21. November Pläne eingereicht, weil das vom Baurechtsamt so gewünscht wurde. Aber das war nur ein ganz schnell gemachter Vorschlag.
Sie haben viele Gespräche mit Stadträten geführt. Können Sie sich da etwas vorwerfen lassen?
Ludwig Etschmann: Aus unser Sicht nichts. Wir haben immer gesagt, wir machen das, was gewünscht wird. Bei den vielen Gesprächen gab es auch nie einen Ansatzpunkt, dass jemand gesagt hätte, das geht nicht. Jeder wollte uns helfen. Alles war wunderbar, danach hat sich das wieder anders dargestellt.
Fühlen Sie sich mit Ihren Sorgen und Nöten ernst genommen?
Ludwig Etschmann: Eigentlich schon. Jeder hat sein Bedauern ausgedrückt. Bei vielen war es aber eher Smalltalk. Wir hatten ja keine Ahnung, wie Kommunalpolitik funktioniert.
Erst wurde Ihnen ein Grundstück am Möhringer Freibad ans Herz gelegt, dann legten die Möhringer Bezirksbeiräte ihr Veto ein. Und die Variante Aufbau am alten Standort, die eigentlich schon aus dem Spiel war, war wieder das Maß der Dinge. Wähnt man sich da manchmal nicht im falschen Film?
Ludwig Etschmann: Ja, natürlich. Der Vorschlag kam ja auch vom Sportamt. Da haben wir uns schon darauf gefreut. Dann kam nach zwei Wochen die Aussage, es geht doch nicht, weil der Regionalverband dort einen Grünzug darüber gelegt hat. Da ist man schon sehr verwundert und hat den Eindruck, dass die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut.
Eine Befürchtung ist, dass ein „aufgeblähter Bau“ entstehen wird. Was sagen Sie dazu?
Ludwig Etschmann: Ein Architekturstudent, ein Freund unseres Sohnes, hat uns einen ersten Entwurf gezeichnet. Wir haben aber immer gesagt, wenn wir so aufbauen dürfen, wie es war, wäre das auch schon gut. Der Bau eines Kellers würde sich aber anbieten, wenn das möglich ist.
Astrid Etschmann: Heute baut man eher eine Art Sporthalle. Die Tennishalle mit Eisenträgern braucht es nicht mehr.
Ludwig Etschmann. Wenn das kommt, werden wir die Verwaltung fragen, was dürfen wir, was können wir und danach richten wir uns.
Astrid Etschmann: Aber es hängt ja nicht nur vom Stadtplanungsamt, sondern auch von den Versicherungen ab. Die schreiben einem genau vor, wie der Wiederaufbau aussehen soll. Und klar ist: man darf nicht größer bauen. Da hat man genaue Vorgaben.
In der letzten Sitzung des Umwelt- und Technikausschusses vor den Sommerferien hat die Verwaltung noch ungeklärte Fragen etwa zur Zufahrt oder auch zu den Planungskosten formuliert, die Entscheidung wurde erneut vertagt. Wie sehen Sie das?
Ludwig Etschmann: Wir haben bis dato noch gar nichts davon gehört. Da gab es keine Gespräche, weder mit uns noch mit dem Eigentümer der Halle.
Astrid Etschmann: In einer Runde hat man mal angesprochen, dass es sein könnte, dass die Erbbauzinsen erhöht werden. Da hat der Eigentümer gesagt, darüber werde er mit dem Liegenschaftsamt sprechen und da werde man schon klarkommen.
Das sind für Sie aber alles keine Ausschlussgründe?
Ludwig Etschmann: Nein. Schon vor Jahren haben wir zum Beispiel beantragt, dass die Zufahrt zur Sport-Insel auf unsere Kosten ausgebaut wird. Geplant waren ein Standstreifen und ein Gehweg. Das wurde komplett abgelehnt. Die neue Straße wäre auch nur sinnvoll, wenn dort jemand parken dürfte.
Astrid Etschmann: Wir hatten ja mal 20 Parkplätze direkt an der Halle, die wollte aber die Stadt weghaben. Wir haben die Fläche dann begrünt. Das war Anfang der 90er-Jahre.
Aber Sie sind optimistisch, dass man eine Lösung findet.
Ludwig Etschmann: Ja, natürlich. Ich sehe da kein Problem.
Astrid Etschmann. Wir hoffen halt, dass es möglichst schnell geht.
Ludwig Etschmann: In dem Moment, in dem man vernünftig miteinander spricht, ist das kein Problem. Wenn man einem keine Knüppel zwischen die Beine wirft, geht das.
Was heißt der Wegfall der Einnahmequelle Sport-Insel für Sie ganz persönlich?
Im Moment haben wir noch die Feuerbetriebsunterbrechung, die zahlt noch bis Oktober. Dann müssen wir auf Rücklagen zurückgreifen.
Was ist denn aus den Mitgliedern des Fitnesszentrums und dem Squash-Verein Sport-Insel Stuttgart geworden? Bestehen da noch Kontakte?
Astrid Etschmann: Sobald wir einen Artikel auf die Homepage stellen oder auf Facebook posten, haben wir bestimmt jedes Mal 60 bis 70 Feedbacks nach dem Motto „Wir drücken die Daumen“. Der Kontakt ist immer noch da.
Ludwig Etschmann Auch von den Squashspielern kennen wir viele schon ganz, ganz lang. Die trifft es hart. Das ist so, wie wenn der Fußballplatz nicht mehr da ist.
Astrid Etschmann: Viele haben uns Mut gemacht und gesagt: „Wenn ihr wieder da seid, kommen wir wieder und wir mosern auch nicht mehr. Wir wissen, was wir verloren haben.“
Was für einen Wunsch hätten Sie für das weitere Verfahren?
Ludwig Etschmann: Wichtig wäre zu wissen: was müssen wir bringen, damit der Wiederaufbau möglich ist? Dann planen wir zügig voran, damit der Entwurf auch zügig bearbeitet werden kann.
Astrid Etschmann: Das muss auch bald geschehen, denn schließlich sollen die Fragen bis zur nächsten Sitzung des Umwelt- und Technikausschusses im September beantwortet sein.
Nehmen wir an, Sie dürften sich in fünf Jahren eine Schlagzeile in der Filder-Zeitung zur Sport-Insel wünschen. Wie würde die dann aussehen?
Ludwig Etschmann: Sport-Insel wieder Deutscher Meister im Squash
Astrid Etschmann: Das Unglück vom Oktober 2013 ist vergessen. Alles ist so, wie vor dem Brand am 12. Oktober 2013.




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