Interview mit Depeche Mode Demokratie zu dritt ist schwer

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In einer Band mit drei Leuten, wer entscheidet da, und wie kommen die Entscheidungen zustande?
Wir sind eine Demokratie. Demokratie zu dritt ist natürlich schwer, aber wir kommen gut und freundschaftlich über die Runden. Wenn einer eine künstlerische Idee partout nicht mag, dann nehmen die anderen zwei das sehr ernst.

Und wie gehen Sie mit Kritik von außen um?
Wir kriegen fantastische und fürchterliche Kritiken. Aber wenn du ein Feedback bekommst, das konstruktiv ist, dann nimmst du das viel ernster. In den Achtzigern haben alle Journalisten Rockmusik geliebt und elektronische Musik gehasst. Im Grunde genommen war die ersten zehn Jahre lang jedes Interview fürchterlich. Heute, aus welchem Grund auch immer, sind in jedem Interview alle nett zu uns. (lacht)

Genießen Sie den Ruhm noch genauso wie zu Beginn Ihrer Karriere?
Ruhm ist kein gutes Wort für uns. Heutzutage leben wir in einer Zeit der Celebrity-Kultur. Wir sehen uns selber aber nicht als Celebrities, wir sehen uns als Musikstars. Denn wir führen total normale Leben, wenn wir nach Hause gehen. In der Celebritywelt hingegen wollen die Leute berühmt sein, obwohl sie oft nichts leisten. Ruhm als Musikstar ist okay, aber niemals würden wir Celebritystars sein wollen.

Wenn Sie sich die heutige Musiklandschaft betrachten: sehen Sie eine Band, die Depeche Mode nachfolgen könnte?
Die einzige wirklich vergleichbare Band ist U2. Zu ihr haben wir eine enge, starke Verbindung. Sie arbeiten oft mit den gleichen Menschen wie wir zusammen, den gleichen Produzenten oder dem Fotografen Anton Corbijn etwa. Wenn schon, dann stehen sie uns wohl am nächsten.

Keine jungen Bands?
Es gibt viele junge Bands, aber ehrlich gesagt schaue ich mich in der Szene auch nur dann um, wenn ich mal wieder als DJ auflege.

Wie haben Ihnen als Hobby-DJ denn die drei CDs mit Depeche-Mode-Remixen gefallen, die letztes Jahr erschienen sind? Kümmert es Sie, wie die Versionen ausgefallen sind, oder sagen Sie, das ist künstlerische Freiheit des Remixers?
Wir geben den Remixern hundert Prozent künstlerische Freiheit. Weil wir wollen, dass sie etwas Interessantes aus unseren Liedern machen, ohne dass wir dazu unseren Input geben. Manchmal funktioniert das spektakulär gut. Und manchmal klingt es spektakulär schlecht.

Und was hören Sie privat für Musik?
Depeche Mode.

Nur Depeche Mode?
Und nur im Studio. Zu Hause höre ich keine Musik. Du wirst der Musik überdrüssig, wenn du den ganzen Tag im Studio bist. Daheim gucke ich Fernsehen.

Spüren Sie nach all den Jahren als Musiker noch immer Druck, oder sind Sie mittlerweile entspannt und relaxt?
Wir sind nervös vor den Shows, und wir sind nervös, wenn ein neues Album rauskommt. Wenn du keinen Druck verspürst und dir nicht die Nerven flattern, solltest du es sein lassen. Ich denke, das ist für einen Künstler sehr wichtig. Dave zum Beispiel ist vor jedem Konzert so voller Adrenalin, dass er fast schon panisch wird. Aber dieses Adrenalin verhilft ihm auf der Bühne zu einer fantastischen Performance.