Interview mit Depeche Mode Ohne inneren Druck geht es nicht

Von  

Der Musiker Andy Fletcher von Depeche Mode erzählt, was vom neuen Album und der bevorstehenden Tournee der stilprägenden Popband zu erwarten ist. Nach Stuttgart kommt Depeche Mode am 3. Juni 2013.

Martin Gore, Dave Gahan und Andy Fletcher (von links) Foto: MLK 16 Bilder
Martin Gore, Dave Gahan und Andy Fletcher (von links) Foto: MLK

Paris - Vor ein paar Tagen: im großen Saal des Gaîté Lyrique, eines eleganten Kulturzentrums im Herzen der französischen Hauptstadt, haben der Sänger Dave Gahan, der Gitarrist Martin Gore und der Keyboarder Andy Fletcher vor außerordentlich lautstarker Kulisse der via Internet zugeschalteten Weltöffentlichkeit soeben ein neues Album ihrer Band Depeche Mode angekündigt sowie die Pläne für ihre bevorstehende Tournee verkündet, die sie auch nach Stuttgart führen wird.

Ein halbes Stündchen später, vier Stockwerke höher, in den Verwaltungstrakten des Museums, nun plötzlich in menschenleer paradiesischer Ruhe, kommt Andy Fletcher zum vereinbarten Interview anspaziert. Schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarze Sonnenbrille – den groß gewachsenen, drahtigen und vital wirkenden Mann, der seit drei Dekaden bei Depeche Mode die beiden Exzentriker vor sich zu bändigen hat und der nun mit einem samtenen Bariton, aber einem verblüffend strengen britischen Arbeiterklassenakzent spricht, umweht die lässige Coolness eines Künstlers, der längst alles erreicht hat und niemandem mehr etwas beweisen muss. Womit wir auch schon beim Thema wären.

Mister Fletcher, glauben Ihre Kinder, dass Sie cool sind?
Ja, ich glaube schon. Hoffentlich doch!

Ich frage, weil insbesondere Sie bei Depeche-Mode-Konzerten mit Ihrer Sonnenbrille auf der Bühne immer so cool wirken. Wird das mit den Jahren schwerer oder leichter?
Natürlich wird es schwieriger, je älter du wirst. Das Gute ist, dass wir alle noch eine Menge Haare haben. Das lässt dich jünger wirken.

Depeche Mode gibt es nun seit 31 Jahren, die Rolling Stones feiern dieses Jahr ihr fünfzigjähriges Bestehen. Streben Sie auch ein solches Jubiläum an?
In dem Alter werden wir bestimmt nicht mehr tun, was wir jetzt tun. Ich möchte ganz gewiss nicht mit siebzig auf einer Bühne stehen. Ich will mich dann um meine Enkel kümmern und etwas ganz Normales machen. Aber beim Rock ’n’ Roll weiß man das ja nie. Diese Musik ist stark suchterzeugend.

Wann erscheint Ihr neues Album?
Im nächsten Jahr, etwa im April.

Können Sie uns etwas über die Songs erzählen? Wie werden sie klingen im Vergleich mit den vorherigen Alben?
Es ist ein anderes Album als unser letztes. Es ist recht bluesig. Oder um es mit zwei Worten zu beschreiben: elektronischer Blues. Beim letzten Album hatten wir ein paar richtig gute Tracks, aber kein richtiges Thema. Dieses Album hat nun ein Thema. Und starke Songs.

Wer hatte die Idee zu dieser Ausrichtung?
Es war ein Thema in Martins Demos. Und es hat uns allen gut gefallen.

Dave Gahan und Martin Gore haben beide Songs für das Album geschrieben. Gibt es ­etwas, was Ihr spezieller Job ist?
Ich schreibe keine Songs . . .

Das ist bekannt.
. . . ja, und zwar aus einem guten Grund. Wenn Sie einen von meinen Songs hören würden, wüssten Sie, warum. Songwriting ist eine Kunst. Und es gibt im Übrigen sehr viele große Musiker, die keine Songs schreiben können.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen den Texten, die Martin Gore schreibt, und denen, die Dave Gahan schreibt?
Es sind zwei verschiedene Stile. Der Unterschied ist, dass Martin Texte schreibt, seit er elf Jahre alt ist – und Dave erst seit sieben oder acht Jahren schreibt. Martin ist also ein sehr erfahrener Songwriter, Dave wird aber immer besser. Er schreibt anders als Martin, es ist also ganz schön knifflig, es auf dem Album so hinzubekommen, dass Daves und Martins Songs in der gleichen Weise funktionieren.