Interview mit der Bibliotheks-Chefin "Das "Pssst!" entspricht nicht meiner Wunschvorstellung"

Leben-Ressort: Erik Raidt (era)

Für Rollstuhlfahrer wird es nicht leicht werden. Die Haltestelle Türlenstraße ist nicht barrierefrei ausgebaut.

 Wir müssen uns behelfen, so gut wir das irgendwie tun können. Dazu zählen drei Behindertenparkplätze vor unserem Haus. Die Situation ist nicht optimal, das stimmt.

Die Lesekultur wandelt sich. In diesem Jahr stehen auf der Frankfurter Buchmesse digitale Angebote im Mittelpunkt - wo verorten Sie die Bibliothek in diesem Spannungsfeld?

Die Menschen brauchen reale Orte, an denen sie sich begegnen und austauschen können - die finden sie in den virtuellen Welten nicht. Die Stadtbibliothek ist ein solcher Ort. Ich sehe es als unsere Aufgabe an, dass wir uns für die Buchkultur starkmachen. Die schnelle Information wird in Zukunft nicht mehr in Büchern zu finden sein. Aber die Vertiefung und die Analyse, die philosophische Reflexion und die Belletristik - all das wird sich künftig immer noch in realen Büchern wiederfinden.

Dennoch: digitale Lesegeräte werden immer beliebter, womöglich hängt an manchen Billy-Bücherregalen bald ein wenig charmanter Zettel: "Sperrmüll".

Die Stadtbibliothek stellt sich der digitalen Welt: Auf unserer Homepage finden unsere Leser einen Zugang zu E-Books, E-Papers und Audiofiles, die sie mit dem Bibliotheksausweis herunterladen können. Doch damit ist es für uns noch nicht getan, wir wollen Anstöße geben und zu Diskussionen anregen. Was bedeuten die digitalen Entwicklungen für unsere Gesellschaft? Wie können wir den Menschen digitale Lesekompetenz vermitteln?

Manche frustrierten Lehrer wären froh, wenn ihre Schüler auch nur ein einziges Mal freiwillig zu einem Buch greifen würden.

Wir laden regelmäßig Schulklassen ein. Unsere Auszubildenden haben Jugendbücher besprochen und das mit einem poppigen Videotrailer aufbereitet. Das ist beispielsweise bei den Hauptschülern gut angekommen, weil das auf Augenhöhe gelaufen ist. Wir kennen keine Berührungsängste und haben auch Book-Castings veranstaltet.

Wenn Sie sich die Geräuschkulisse der neuen Bibliothek vorstellen - wird das ein stiller Ort, an dem nur die Buchseiten rascheln?

Ich freue mich auf ein lebendiges Haus! Das "Pssst!" entspricht jedenfalls nicht meiner Wunschvorstellung. Andererseits soll es neben lebhaften auch ruhige Bereiche geben - das haben unsere Nutzer im Wilhelmspalais am stärksten eingefordert.

Der Umzug der Bibliothek hat Nerven gekostet - welches Buch liegt bei Ihnen eigentlich gerade auf dem Nachttisch?

Wenn ich ganz ehrlich bin: keines. Im Moment bin ich froh, wenn ich halbwegs die Zeitung schaffe, um informiert zu sein. Ich komme momentan zu nichts.




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