Schriftstellerin Toni Morrison „Trump ist ein rassistischer Vollidiot“

Von Sacha Verna 

Die Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison ist tot. Sie starb im Alter von 88 Jahren. Wenn die US-Schriftstellerin ihre Stimme erhob, ging es immer um Grundsätzliches: um Rassismus in den USA und warum weiße Polizisten noch immer ungestraft junge schwarze Männer erschießen dürfen. Lesen Sie hier ein Interview, das wir vor einem Jahr mit Toni Morrison führten.

Stimme der Schwarzen: die US-amerikanische Autorin Toni Morrison Foto: AP
Stimme der Schwarzen: die US-amerikanische Autorin Toni Morrison Foto: AP

New York - Sie zählte zu den bedeutendsten Vertretern der afroamerikanischen Literatur: Toni Morrison war mit dem Willen ausgestattet, die Amtszeit von Donald Trump zu überleben. Das gelang ihr nicht. Jetzt ist sie im Alter von 88 Jahren gestorben. Den Präsidenten der USA hielt die schwarze Schriftstellerin für eine „historische Entgleisung“ – und die amerikanische Gesellschaft noch immer für durch und durch rassistisch. Das folgende Interview erschien ursprünglich im Mai 2018.

Frau Morrison, haben Sie den Film „Black Panther“ gesehen?
Ist das der mit dem Superhelden? Nein, aber ich habe gehört, er soll sehr gut sein.
Es ist der erfolgreichste Film aller Zeiten mit einem Solo-Superhelden. Und weil es sich dabei auch um das Werk eines schwarzen Regisseurs mit fast ausschließlich schwarzen Hauptdarstellern handelt, wird der Film als Meilenstein für das Selbstverständnis von Afroamerikanern gefeiert.
Unfug. Es ist ein Cartoon! Mit der Realität hat dieses Phänomen nichts zu tun. Erinnern Sie sich daran, dass wir noch vor nicht allzu langer Zeit einen schwarzen Präsidenten hatten?
Vage.
Sein Name war Barack Obama. Und wer ist auf ihn gefolgt? Ein rassistischer Vollidiot mit orangen Haaren. Das ist die Realität. Ich schalte den Ton aus, sobald ich seine Stimme höre. Aber es gibt kein Entkommen. Natürlich haben Trumps Rassismus und der seines mausgrauen, tiefreligiösen Vize Mike Pence in diesem Land eine lange Geschichte. Die Vereinigten Staaten wurden von Weißen für Weiße gegründet. Amerikaner zu sein heißt, weiß zu sein. Schwarze hatten diese Möglichkeit nie.
Darüber schreiben Sie in ihrem aktuellen Buch ,,Die Herkunft der anderen“: Um von einem ,,anderen“ zu einem Amerikaner zu werden, müsse man weiß werden. Basieren die USA auf einer rassistischen Idee?
Absolut. Warum sonst rotteten die Europäer als Erstes die Menschen aus, die dieses Land vor ihrer Ankunft seit Hunderten von Jahren bewohnt hatten? Das Weißsein war von Anfang an der verbindende Faktor zwischen den Einwanderern. Man konnte die eigene Sprache und bis zu einem gewissen Grad auch die Gebräuche behalten, aber nur wer weiß war und als weiß anerkannt wurde, wurde zu einem Amerikaner.
Noch in den zwanziger Jahren galten Italiener als Nicht-Weiße.
Ich bin mit vielen von ihnen aufgewachsen. Im Norden Ohios, woher ich stamme, ließen sich Tausende von Immigranten nieder, um in den Stahlwerken zu arbeiten. Weil mein Mädchenname mit „W“ begann, Wofford, setzte man mich in der Schule der alphabetischen Reihe nach neben einen Jungen namens Nunzio Zano. Der kam direkt vom Boot. Mir trug man auf, ihm beim Englischlernen zu helfen. Ich glaube nicht, dass etwas damit vergleichbares heute noch vorkommen könnte.



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