Interview mit der Siegerin von „The Voice of Germany“ "Ich hatte ein sehr großes Mitspracherecht"

Von Michael Werner 
Schafft man das mit 19?
Ich hoffe es! Es gibt Leute, die einem alles Mögliche erzählen und das auch glaubhaft rüberbringen. Aber ich hoffe, dass ich dahinterschauen kann, wem ich Glauben schenken darf und wem nicht. Und mit der Zeit lernt man ja dazu.

Sie sagten neulich in einem Interview, Sie seien keine Galionsfigur für Integration, weil Sie hier geboren und zur Schule gegangen sind. Aber ist es vielleicht eine besondere Chance, wenn die erste „Voice of Germany“ eine dunkelhäutige Deutsche ist?
Natürlich spielt das eine Rolle. Ich sehe mich wirklich nicht als Beispiel für Integration, aber ich habe natürlich schon auch einen starken Bezug zu Ghana, der Heimat meiner Eltern. Letztendlich sind wir als Sänger zu „The Voice of Germany“ gekommen, und da müsste es eigentlich egal sein, wie alt man ist und wie man aussieht. In diesem Fall war es auch so. Ich denke, unsere Gesellschaft ist so weit, dass die Hautfarbe bei einer Castingshow egal ist.

Schockiert es Sie dann, wenn sich ein Fußballspieler über Ihre Hautfarbe mokiert – oder haben Sie mit so etwas gerechnet?
Gerechnet? Das kann man nicht so sagen. In anderen Ländern ist es noch selbstverständlicher als hier, dass jemand, der nicht europäisch aussieht, trotzdem beispielsweise ein Brite ist. Trotzdem: wir sind ein multikulturelles Land hier, und die Einstellung bewegt sich mit der Zeit – ich hoffe es zumindest.

Am Freitag erscheint Ihr erstes Album. Konnten Sie da eigene Songs schreiben oder bei der Produktion ein Wörtchen mitreden?
Es war nicht so viel Zeit, um selbst Songs zu schreiben. Aber ich habe ein sehr großes Mitspracherecht gehabt, welche Lieder ich singe und wie ich sie interpretiere. Inzwischen habe ich aber angefangen, selbst Songs zu schreiben. Mal schauen, vielleicht kommen sie auf dem zweiten Album.

Was wünschen Sie sich vom Leben?
(Lacht) Dass ich viele Erfahrungen mache, auch in der Musik. Dass ich das Business kennenlerne – aber auf jeden Fall auch, dass ich die Möglichkeit habe, so zu bleiben, wie ich bin. Mit meinem Umfeld, denke ich, wird das auch gehen.