Die Bundeswehr zieht bis Ende 2014 aus Afghanistan ab. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) will den zivilen Aufbau auch danach unterstützen – denn: eine militärische Lösung werde es für das Land am Hindukusch nicht geben, sagt er im StZ-Interview.
18.07.2012 - 08:56 Uhr
Herr Minister, die Bundeswehr will ihre Soldaten bis Ende 2014 aus Nordafghanistan abziehen. Wird es den lokalen Sicherheitskräften gelingen, die deutschen Entwicklungshelfer zu schützen?
Es gibt keine absolute Sicherheit. Wir sehen aber, dass unsere Projekte auch dort laufen, wo sich die Bundeswehr bereits zurückgezogen hat und afghanische Sicherheitskräfte die Verantwortung übernommen haben. Daneben treffen wir eigene Vorkehrungen zum Schutz unserer Mitarbeiter, etwa durch ein eigenes Risikomanagement.
Wie sieht das aus?
Wir arbeiten mit Zustimmung und Unterstützung der Bevölkerung. Dadurch haben wir ein Netzwerk zum Informationsaustausch, das unsere Mitarbeiter trägt und schützt. Zudem haben wir in den Gebäuden der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit private Sicherheitsdienste. Das halte ich weiter für notwendig. Trotzdem gibt es auch im Norden Afghanistans weiterhin sogenannte No-go-Areas oder solche, in denen sich unsere Mitarbeiter nur in gepanzerten Fahrzeugen bewegen können.
Heißt das, es macht für die deutschen Helfer keinen Unterschied, ob die Bundeswehr da ist oder nicht?
Doch, das spielt natürlich eine Rolle. Denn sie haben dann keinen sicheren Ort mehr, an den sie sich zurückziehen können, wenn es kritisch wird. Wenn es im Moment zu Problemen kommt, können sich die Entwicklungshelfer vorübergehend in den Bundeswehrcamps aufhalten. Das wird so in Zukunft nicht mehr möglich sein. Wir sind in intensivem Austausch mit den afghanischen Behörden, wie man für einen ernsten Krisenfall sichere Rückzugsräume schafft. Die muss es weiter geben.