Interview mit dm-Geschäftsführer Christoph Werner „Wir instrumentalisieren Influencer nicht“

Lippenstift, Mascara, Concealer: Das Geschäft mit der makellosen Oberfläche boomt. Foto: dpa

Wer für deren Reichweite Geld bezahlt, führt seine Kunden hinters Licht, ist Christoph Werner, Geschäftsführer beim Drogeriemarkt dm, überzeugt.

Stuttgart - Die Meinung von Youtuberinnen und Vloggerinnen wird immer wichtiger für Kostmetikhändler wie die Drogeriekette dm.

 

Herr Werner, deutschlandweit gibt es 1950 dm-Filialen, in denen auf insgesamt 32 Kilometern Schminkwand Produkte angeboten werden. Vergrößert sich dieser Bereich ständig?

Ja. Der Umsatz im Bereich der Kosmetik hat sich positiv entwickelt. Was man momentan beobachten kann, ist, dass die Kundinnen zu etwas hochwertigerer Kosmetik greifen.

Sind die Kundinnen, die vorwiegend Schmink-Utensilien kaufen, jünger geworden?

Wir beobachten, dass sich die Kundinnen heute früher mit dem Thema Schminken und Kosmetik beschäftigen als in der Vergangenheit. Das hängt natürlich auch mit der zunehmenden Kaufkraft junger Menschen zusammen. Aber die jungen Kundinnen informieren sich auch ganz anders als früher, beispielsweise über die Sozialen Medien. Dadurch entstehen oftmals recht überraschend Trends. Auch das ist ein eher neues Phänomen.

Inwiefern beeinflussen Tutorial-Stars und Videobloggerinnen das Geschäft?

Vlogger und Youtuber sind zu Meinungsbildnern, den so genannten Influencern, geworden. Sie regen an, womit man sich beschäftigen könnte, was angesagt ist und was nicht. Menschen, die ihnen Aufmerksamkeit schenken, bilden Communitys, also Gemeinschaften, in denen diese Trends gestaltet und ausgelebt werden. Früher geschah die Meinungsbildung viel zentralisierter, ein paar Magazine oder Werbespots gaben die Trends vor. Heute hat sich die Meinungsbildung durch die sozialen Medien demokratisiert und man kann gar nicht mehr so genau voraussagen, was in der Community passieren wird. Diese Dynamik ist für die Sortimentsgestaltung von Einzelhändlern eine Herausforderung.

Wie gehen Sie diese Herausforderung an?

Wir versuchen den Markt genau zu beobachten. Das erfordert ein ganz anderes Reagieren in der Sortimentspolitik als in der Vergangenheit. Es gibt zum Beispiel die so genannten „Hauls“. Dabei stellen Influencer ihre gerade eingekauften Produkte in einem Video vor oder sie filmen ihren Einkauf. Einige Influencer haben das auch mit Einkäufen bei dm gemacht. Daraufhin haben wir ihnen teilweise ermöglicht, dass diese Filme vor oder nach Ladenschluss gedreht wurden. Trotz dieses Entgegenkommens wollen wir Influencer aber nicht instrumentalisieren oder ihnen Geld für ihre Reichweite bezahlen. Damit würden wir ihre Glaubwürdigkeit untergraben und letztendlich unsere Kundinnen und Kunden hinters Licht führen.

Gibt es Kooperationen mit Influencern?

Ja, zum Beispiel hat die Youtuberin Bianca Claßen vom Kanal „BibisBeautyPlace“ ihre Produkte zunächst exklusiv bei uns eingeführt. Stefanie Giesinger, die ehemalige Gewinnerin der Casting-Sendung „Germany‘s next Topmodel“, hat gemeinsam mit uns eine Kooperationsmarke entwickelt. Im Bereich der dekorativen Kosmetik haben wir eine Kooperation mit der Influencerin Dagi Bee.

Warum ist Jugendlichen ihr Aussehen so wichtig?

Viele junge Menschen besitzen heute ein Smartphone und sind über die Sozialen Netzwerke mit vielen Menschen vernetzt. Das Bedürfnis, sich innerhalb seines Netzwerkes darzustellen, hat zu dem Phänomen der Selfies geführt. Das hat wiederum Auswirkungen auf das Kaufverhalten, nicht zuletzt auch auf den Kauf von dekorativer Kosmetik.

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