InterviewInterview mit Doping-Experte Striegel Das Problem mit den Schmerzmitteln

Chef vom Dienst: Tobias Schall (tos)
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Die Frage ist: Wie viel und wie oft?
Der Arzt muss damit verantwortungsvoll umgehen und darf die Tabletten nicht auf den Tisch werfen, damit sich jeder bedient, wie er halt gerade so Lust hat. Es muss eine medizinische Indikation geben und die Gabe Sinn haben. Man muss sich aber leider auch vor Augen halten, dass Mittel wie Aspirin oder Ibuprofen in niedrigen Dosierungen frei zugänglich sind. Nehmen Sie die fünffache Dosis, haben Sie den gleichen Effekt wie mit einem starken Schmerzmittel.
Zurück zum klassischen Doping: für die Freiburger Ärzte blieb ihre Verwicklung in den Skandal praktisch folgenlos.
Moralisch kann ich die Empörung darüber verstehen. Aber der Arzt war ja nicht der Anfang des Übels. Athleten sind, zumindest laut der Aussagen, auf sie zugekommen. Die Ärzte sind dann erst aktiver Teil des Systems geworden. Das macht es schwer, sie zu verurteilen. Anders sieht es aus, wenn gegen den Willen oder ohne Wissen gedopt wird, zum Beispiel bei Minderjährigen. Die Freiburger Ärzte haben Beihilfe zur möglichen Selbstschädigung geleistet – das ist kaum justiziabel.
Aber Doping ist im Sport verboten. Wie kann es sein, dass derartiges Fehlverhalten keinerlei Folgen für die Approbation hat?
Wie gesagt, moralisch teile ich das. Aber denken Sie noch mal an den Fall des Gynäkologen, der Tausende Patientinnen heimlich gefilmt hat: Er hat ein vierjähriges Berufsverbot bekommen. Ich persönlich hätte den Mann lebenslang aus dem Verkehr gezogen, aber wenn wir das als Maßstab nehmen und mit Doping vergleichen, sehen Sie schon, wie aussichtslos die Forderung nach einem langen Berufsverbot für die Freiburger Dopingärzte ist.
Macht es Sie als Berufskollege nicht wütend, wenn Sie an die Telekom-Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid denken?
Das macht mich wütend, ja klar. Zumal diese Ärzte sich ja öffentlich klar gegen Doping ausgesprochen haben und ich die beiden auch für seriös gehalten habe.
Lothar Heinrich soll dem Radfahrer Jörg Jaksche einmal sogar Epo am Rande eines Antidopingkongresses übergeben haben.
Wenn sie sich wenigstens nicht als Verfechter des Antidopingkampfs dargestellt hätten – darüber kann ich tatsächlich nur den Kopf schütteln. Da sind auch bei mir Grundwerte eingestürzt.
Hat Sie denn schon mal ein Athlet direkt oder indirekt nach Doping gefragt?
Nein, noch nie. Wahrscheinlich liegt dies an meiner klaren und bekannten Haltung zu dem Thema. Ich kenne allerdings diverse Kollegen, die von Patienten angesprochen wurden. Aber sie erfahren es ja nur von denen, die standhaft geblieben sind.

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