InterviewEddie Redmayne im Harry-Potter-Universum „Diesmal steht deutlich mehr auf dem Spiel“

Von Patrick Heidmann 

J. K. Rowlings Erfolgsgeschichte, die erzählt, was vor den „Harry Potter“-Romanen passierte, geht weiter. Der exzentrische Zauberer Newt Scamander, gespielt von Eddie Redmayne, bekommt es diesmal mit „Grindelwalds Verbrechen“ zu tun. Der Schauspieler erzählt, warum er seine Rolle in dem Film, der am 15. November in die Kinos kommt, so sehr liebt.

Newt Scamander (Eddie Redmayne) kann in eine geheime Welt in seinem Koffer steigen Foto: Warner 16 Bilder
Newt Scamander (Eddie Redmayne) kann in eine geheime Welt in seinem Koffer steigen Foto: Warner

Stuttgart - Der Oscar-Gewinner Eddie Redmayne („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) wirkt gelassen. Die für junge Eltern typischen Augenringe der Übermüdung sind allerdings nicht zu übersehen. Erst im Frühjahr kam sein Sohn Luke auf die Welt. Bereits vor zwei Jahren wurden Redmayne und Ehefrau Hannah Eltern von Tochter Iris. Von einer Auszeit konnte in diesem Jahr allerdings keine Rede sein. Der Londoner rührt seit Wochen die Werbetrommel für seinen neuen Film „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“. Außerdem hat mit „The Aeronauts“ auch einen Film abgedreht, der im kommenden Jahr in die Kinos kommen wird.

Herr Redmayne, wenn man eine Fortsetzung wie in Ihrem Fall „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ dreht, fühlt sich das nicht für einen Schauspieler an wie kalter Kaffee?

Hm, ich könnte mir schon vorstellen, dass es Fälle gibt, in denen das zutrifft. Aber meine Erfahrung bei diesem Film war eine andere. Aus verschiedenen Gründen. Zum einen haben die Geschichten von J.K. Rowling einfach diese Magie, diesen Einfallsreichtum und die Verspieltheit, die Kinder lieben, aber eben auch Erwachsene begeistert. Dem erliegt man natürlich auch als Schauspieler. Zum anderen ist dieser Film nicht einfach das Gleiche noch einmal, sondern geht nochmal einen Schritt weiter. Es steht für Newt Scamander und die anderen noch einmal deutlich mehr auf dem Spiel.

Sie haben es also nicht bereut, damals gleich einen Vertrag für mehrere Filme unterschrieben zu haben?

Kein bisschen (lacht). Es macht noch immer sehr viel Spaß, Teil dieser phantasievollen Welt zu sein. Von den Technikern hinter den Spezialeffekten über die Puppenspieler bis hin zu den Kostümdesignern und Ausstattern haben alle in unserem Team so unglaublich viel Phantasie und Einfallsreichtum an den Tag gelegt. Von meinen Schauspielkollegen ganz zu schweigen, denn unser Regisseur David Yates hat wirklich eine fantastische Mannschaft zusammengestellt. Aber auch meiner Rolle selbst bin ich noch lange nicht überdrüssig. Ich liebe Newt!

Warum genau?

Mir gefällt an ihm vor allem, dass er ganz er selbst ist. Ganz unabhängig davon, wie es dazu gekommen ist, ist er mit sich selbst komplett im Reinen. Und er begnügt sich mit dem, was das Leben ihm zu bieten hat. Beziehungsweise ändert sich das natürlich im ersten Film, als er auf eine Frau trifft die in ihm eine Seite sieht, die bislang nur Professor Dumbledore wahrgenommen hatte. Und genau der ist dann ja auch, der nun in „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ und ihn dazu bringt, seine eigene Welt noch ein wenig mehr zu verlassen.

Macht es eigentlich für Sie als Schauspieler einen großen Unterschied, ob Sie in einem solchen Fantasy-Spektakel mitspielen oder in Dramen wie „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ oder „The Danish Girl“?

Nicht was die Arbeit an sich angeht. Aber ich empfinde es auf jeden Fall als sehr willkommene Abwechslung, nach diesen beiden genannten, sehr dramatischen Rollen, in denen ich ja reale Personen verkörpert habe, mal einen vollkommen anderen Kontext für meine Figur zu haben. Es war sehr befreiend, mal von der Tragik der Realität befreit zu sein.

Überhaupt ist doch sicher die Arbeit an so einer riesigen Filmreihe ein großer Unterschied zu Ihrer sonstigen Arbeit. Schon allein, weil Sie bereits jetzt wissen, dass Sie nächsten Sommer den nächsten Teil drehen werden und 2020 für den dann Werbung bei der Comic Con machen werden. So viel Planungssicherheit ist sonst selten, oder?

Da haben Sie Recht. Als Schauspieler gibt man ja normalerweise bis zu einem gewissen Grad die Kontrolle über seinen Terminkalender auf. Wir wissen nie, wann wir die nächste Rolle bekommen, wann gedreht wird oder gar wann ein Film dann auch wirklich in die Kinos kommt. Das führt dazu, dass das Leben ein bisschen nomadisch wird, wie ein Wanderzirkus. Es gibt Leute, die das richtig gut finden und damit prima umgehen können. Meine Frau zum Beispiel, die es immer sehr liebt, wenn wir viel reisen. Aber ich bin jemand, der ein bisschen Struktur und Ordnung im Leben schon sehr gut findet.

Also kommt Ihnen die Arbeit an den „Phantastische Tierwesen“-Filmen zupass?

Genau. Das fängt schon damit an, dass wir in London gedreht haben, bislang. Ich musste also nur von zuhause zur Arbeit fahren, statt am anderen der Welt im Hotel zu sitzen. Und ich finde es auch alles andere als schlimm, jetzt schon zu wissen, was ich beruflich kommenden Sommer machen werde. Allerdings ist bis dahin ja auch noch genug Zeit für das Ungeplante und ein wenig Nomadentum. Denn aktuell habe ich wieder viel Lust auf neue Jobs. Nach dem ersten Teil von „Phantastische Tierwesen“ habe ich mir noch eine lange Auszeit genommen, auch weil da gerade unsere Tochter geboren wurde. Jetzt, nach der Geburt des zweiten Kindes, war die Babypause für mich deutlich kürzer.

Stichwort Kinder: werden Sie Ihren eines Tages empfehlen, in Ihre Fußstapfen als Schauspieler zu treten?

Ich würde auf jeden Fall nie jemandem von der Schauspielerei abraten, auch nicht meinen Kindern. Aber natürlich ist es eine Typ-Frage, ob einem dieser Job liegt. Und man muss mit Leidenschaft dafür brennen, sonst macht es keinen Sinn.

Es ist in diesem Jahr 20 Jahre her, dass Sie das erste Mal vor einer Kamera standen. Erinnern Sie sich noch, welche Ziele und Träume Sie damals hatten?

Oh wow, sind das wirklich schon 20 Jahre? Wie schräg! Aber um Ihre Frage zu beantworten: ich hatte damals in Sachen Film und Fernsehen erst einmal gar keine großen Ambitionen, schon allein weil ich bis dahin nur das Theaterspielen von der Schule kannte. Es hätte mir in Sachen Lebensglück vollkommen ausgereicht, einfach weiter auf der Bühne zu stehen, so wie ich es schon aus Schulzeiten kannte.