Interview mit Eduardo Garcia "Ich bin süchtig nach Erfolg!"

Reportage: Frank Buchmeier (buc)
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Bevorzugen Sie Paella oder Maultaschen?


Ich mag beides, aber die Maultaschen symbolisieren sicherlich eher meine Wurzeln. Mein Vater war im Zweiten Weltkrieg Offizier der spanischen Luftwaffe. Er wurde in Russland abgeschossen und kam über Umwege nach Stuttgart ins Lazarett. Dort lernte er meine Mutter kennen, die aus einer schwäbischen Beamtenfamilie stammt. Mein Vater hat sich in dieser engen Welt nicht wohl gefühlt. Als ich vier Jahre alt war, ging er nach Südamerika. Ich habe seit langem keinen Kontakt mehr zu ihm. Ich weiß nicht einmal, ob er noch lebt.

Inwieweit hat Sie das geprägt?


Ich bemerke oft, dass ich so eine Art Übervater für meine Tochter und meinen Sohn sein will. Vielleicht kümmere ich mich manchmal zu sehr um meine Kinder, weil ich das, was ich selbst nicht bekommen habe, jetzt ihnen bieten will.

Wer wird den Betrieb später fortführen?


Mein Sohn hat gerade das Wirtschaftsabitur gemacht, nun hängt er eine Ausbildung dran. Anschließend wird er studieren. Natürlich wünsche ich mir, dass er meine Nachfolge antritt. Es muss aber nicht sein. Wenn er etwas anderes machen will, werde ich ihm keinen Druck machen. Andererseits glaube ich, dass er hier eine interessante Aufgabe hätte. Wir exportieren in mehr als 35 Länder, seit kurzem sogar in die USA - besser kann man seinen Horizont nicht erweitern. Ich bin auch stolz darauf, dass meine 65 Mitarbeiter 15 verschiedenen Nationalitäten angehören.

Wie läuft das multikulturelle Miteinander?


Perfekt. Für mich gibt es keine Ausländer. Menschen ab einem gewissen Intellekt haben eine ähnliche Denkweise - egal, woher sie stammen. Die Leute kommen in meine Firma, arbeiten und fügen sich ins Team ein. Ich habe kaum Personalwechsel.

In unserem Land klappt die Integration nicht so reibungslos. Menschen aus Zuwandererfamilien beziehen doppelt so häufig HartzIV wie Deutsche ohne Migrationshintergrund. Auch die Kriminalitätsquote ist bei Migranten etwa doppelt so hoch.


Es gibt zahlreiche positive Beispiele dafür, dass sich Zuwanderer beruflich und kulturell integrieren können. Das Hauptproblem ist, dass es vielen Migranten an der Schul- und Ausbildung mangelt. Zuwanderer müssen von sich aus die Bereitschaft mitbringen, die deutsche Sprache zu lernen. Aber die Aufgabe des Staates ist es, Chancengleichheit bei der Bildung zu schaffen. Nur so ist eine Integration zu gewährleisten. Das ist auch ein Grund, warum ich den Sport so liebe. Beim Fußball gelten für alle dieselben Regeln. Jeder kann es auf dem Spielfeld zu etwas bringen. Dort achtet niemand auf Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Das durfte ich erfahren, als ich als Jugendlicher beim Multi-Kulti-VfB gespielt habe.

Warum haben Sie trotz Ihrer alten Verbundenheit zum VfB lange Zeit ausschließlich die Stuttgarter Kickers unterstützt?


Ganz einfach: weil ich in Degerloch wohne, und zum richtigen Zeitpunkt von den Kickers als Sponsor umworben wurde.

Als Fan darf man doch nur entweder für die Blauen oder für die Roten sein.


Da muss ich Ihnen entschieden widersprechen: Als Stuttgarter Lokalpatriot sollte man beide Vereine lieben! Zumal sie sich nicht mehr wehtun können, dafür ist der Abstand zwischen vierter Liga und Europa-League zu groß. Der große Bruder VfB und der kleine Bruder Kickers können voneinander profitieren. Denken Sie nur daran, wie viele gute Spieler bereits von Degerloch nach Cannstatt gewechselt sind: Klinsmann, Buchwald, Allgöwer, Bobic. Warum sollte diese Partnerschaft in Zukunft nicht noch erfolgreicher sein? Ich will dabei helfen, eine Brücke zwischen den beiden Clubs zu schlagen.

Sie sponsern nicht nur Mannschaften, sondern seit 17 Jahren auch den Trainer Christoph Daum, der bei öffentlichen Auftritten das Gazi-Logo am Revers trägt. Spätestens seit der Kokain-Affäre ist fraglich, ob der Name Daum für einen positiven Imagetransfer sorgt. Warum halten Sie zu ihm?


Man muss auch hinter einem Menschen stehen, wenn er Probleme hat. Ich kenne und schätze Christoph Daum, seit er den VfB trainiert hat. Es wäre unfair, wenn ich im Erfolgsfall mit ihm werben würde und ihn fallenlassen würde, sobald er negative Schlagzeilen macht. Außerdem mag ich Menschen, die nicht mit dem Strom schwimmen. Der verstorbene Kickers-Präsident Axel Dünnwald-Metzler war auch so ein Typ, an dem man sich reiben konnte. Oder Gerhard Mayer-Vorfelder! Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten werden immer seltener. Das bedauere ich. Die Welt versinkt in einem Einheitsbrei ...

... und Vereinspräsidenten sind so ecken- und kantenlos wie Erwin Staudt.


Ich bin auch mit Erwin Staudt gut befreundet. Er ist intelligent, menschlich und führt den Club so effizient, wie man ein Unternehmen heutzutage führen muss. Sonst wäre ich nicht als Hauptsponsor beim VfB eingestiegen. Der Verein ist wie ich: innovativ, bodenständig und zielstrebig.

Verraten Sie, was Sie als nächsten Coup planen? Wird die Mercedes-Benz-Arena womöglich bald in Gazi-Arena umbenannt?


Erraten! Ich führe Verhandlungen mit dem Daimler-Vorstand und dem Bürgermeister.

Sie scherzen.


Allerdings, ich bin ja Realist. Aber man darf ja auch mal träumen. Wenn ich könnte, würde ich Cristiano Ronaldo zum VfB holen. Der bringt überragende Leistungen, sieht klasse aus und sagt von sich selbst: "Ich bin der Beste!" So ein Selbstbewusstsein ist ganz nach meinem Geschmack.




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