Interview mit Eduardo Garcia "Ich bin süchtig nach Erfolg!"

Selbstbewusst: Eduardo Garcia möchte von Wangen aus den europäischen Markt erobern. Foto: Heiss
Selbstbewusst: Eduardo Garcia möchte von Wangen aus den europäischen Markt erobern. Foto: Heiss

Eduardo Garcia hat mit türkischem Käse ein Vermögen gemacht. Nun soll der VfB dafür sorgen, dass die Marke Gazi berühmt wird.

Reportage: Frank Buchmeier (buc)
Stuttgart - Seine Sekretärin spricht ihn mit "Herr Doktor" an. Der Stuttgarter Unternehmer Eduardo Garcia bittet in sein Büro. Die obersten Knöpfen seines blassrosa Hemds sind lässig geöffnet. Garcia spricht sehr schnell. Er hat wenig Zeit.

Guten Tag, Herr Garcia. Sind Sie im Stress?


Ja. Seit bekannt ist, dass Gazi der neue Hauptsponsor des VfB Stuttgart ist, kann ich mich vor Medienanfragen kaum retten. Vielen muss ich einen Korb geben, schließlich ist es meine Hauptaufgabe, ein Unternehmen zu führen, mit dem ich den europäischen Markt erobern will. Da kann ich nicht jeden Tag nebenher Interviews geben.

Schön, dass Sie sich für uns Zeit nehmen.


Das mache ich sehr gerne. Zu der Stuttgarter Zeitung habe ich nämlich eine besondere Beziehung: Vor 42 Jahren, kurz vor dem Abitur, habe ich als Hilfskraft in eurer Druckerei mein erstes eigenes Geld verdient. Wenn man so will, hat mein Berufsleben bei der Stuttgarter Zeitung begonnen. Als ich mit 20 Jahren den Führerschein hatte, bin ich dann aber lieber nachts Taxi gefahren und dabei vielen unterschiedlichen Menschen begegnet. Das war eine Schule fürs Leben.

Sie sind kürzlich 60 Jahre alt geworden und längst ein gemachter Mann. Warum geben Sie sich nicht mit dem Erreichten zufrieden?


Weil das Leben eine Herausforderung ist. Natürlich könnte ich mich zur Ruhe setzen, in den Süden ziehen und mir eine Jacht und einen Helikopter kaufen. Aber das würde mich nicht zufrieden machen. Ich will geistig gefordert sein, etwas bewegen.

Ihr Unternehmen macht 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Sechs Millionen überweisen Sie dem VfB, damit der Schriftzug Gazi auf den Trikots der Profi-Fußballer steht. Einsatz und Risiko erscheinen enorm hoch.


Über die genaue Summe haben wir mit dem VfB Stillschweigen vereinbart, wir belassen es also auch jetzt dabei. Für mich ist das VfB-Sponsoring aber überhaupt nicht riskant, weil das Geld von meinem Unternehmen bereits erwirtschaftet ist. Ich halte hundert Prozent der Aktien und investiere die Gewinne ins Unternehmen. Durch unser Engagement beim VfB steigern wir den Bekanntheitsgrad der Marke Gazi enorm. Langfristig wird sich das auszahlen, da bin ich mir ganz sicher.

Um das Geld reinzuholen, müssen Sie viel Weichkäse und Joghurt verkaufen.


Das werden wir auch. 97 Prozent unserer Mitbürger mit türkischem Migrationshintergrund wissen, was Gazi ist. Man kann unsere Produkte auch in deutschen Supermärkten kaufen, aber noch nicht in dem Umfang, den ich mir wünsche. Wenn die Marke Gazi in den Köpfen der Menschen ist, werden die Einzelhandelskonzerne noch offener sein, unsere Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen. Unser Ziel ist es, weit über die türkische Bevölkerung in Westeuropa hinaus, Millionen von Menschen zu erreichen.

Sie haben vermutlich Marktforschung betrieben, bevor Sie diesen Schritt gewagt haben.


Ich habe Volks- und Betriebswirtschaft studiert mit einem Schwerpunkt auf Marketing. Aber in der Praxis verlasse ich mich vor allem auf mein Näschen. Bisher bin ich damit gut gefahren. Ich wäre kein guter Angestellter, weil ich wichtige Entscheidungen gerne selbst treffe.




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