Herr Hopp, wie viele Online-Konferenzen führen Sie täglich?
Oh je. Zwischen drei und zehn am Tag, würde ich sagen. Ich nutze dabei alle möglichen Tools, aber ganz ehrlich: Wirklichen Spaß daran habe ich nicht.
Aber zumindest die Arbeit rund um Adler Mannheim sollte Spaß machen.
Wir sind glücklich und stolz auf die Jungs, die trotz der schwierigen Umstände super Leistungen abrufen. Wir wissen aber auch, dass die wichtigste Zeit der Saison noch vor uns liegt.
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Die Adler waren Meister 2019 und sind Titelverteidiger, weil es 2020 keinen Meister gab.
Der Saisonabbruch war richtig, wir haben sofort reagiert, nachdem die Hauptrunde beendet war. Damit konnten wir als Gemeinschaft innerhalb der DEL gut leben. In der Kürze der Zeit war keine andere Entscheidung opportun, als die Saison abzubrechen.
Die Saison ist erst Mitte Dezember gestartet worden, der Modus ist abgespeckt.
Ich bin ein Fan von langen Play-off-Serien. Ich verstehe aber, dass eine Best-of-7-Serie nicht möglich war – aber eine Best-of-5 hätte mir doch besser gefallen als die nun durchgeführte Best-of-3. Jetzt müssen wir sehen, dass wir die Saison gut zu Ende bekommen. Die Teststrategie funktioniert, wir hatten erst zwei Spiele, die verlegt werden mussten, und noch keine Spielabsage zu beklagen.
Einnahmequellen fallen komplett weg
Es war richtig, in die Saison zu starten, oder?
Absolut. Es war wirtschaftlich notwendig, weil die Etats der Clubs zur Hälfte oder sogar mehr aus Einnahmen bestehen, die rund um die Spieltage erzielt werden – aus dem Verkauf von Tickets, von Essen und Trinken, von Merchandisingartikeln oder anderen Erlösen. Das sind Einnahmequellen, die komplett wegfallen. Als klar war, dass wir mittel- bis langfristig nicht vor Zuschauern spielen, stellte sich die Frage: Wie kriegen wir das hin? Das gab Gespräche, die brauchten Zeit.
Um wie viel sind beispielsweise die Merchandising-Einnahmen zurückgegangen?
Die Motivation, ein Trikot zu kaufen, ist für den Fan natürlich nicht mehr so groß, wenn er es nicht im Stadion tragen kann. Wir verzeichnen einen Einbruch von weit mehr als 50 Prozent im Vergleich zur Vergangenheit.
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Die Clubs sind von staatlichen Hilfen abhängig, darüber hinaus mussten die Profis auf einen Teil des Gehalts verzichten.
Das war eine herausfordernde Zeit. Wir haben versucht, mit möglichst großer Transparenz unseren Spielern zu begegnen, und ihnen aufgezeigt, dass auch wir mit spitzem Bleistift kalkulieren müssen – und dass wir das ohne Zusammenhalt nicht hinbekommen. Aber ich verstehe, dass das eine schwierige Situation für Profis ist. Sportler haben nur eine begrenzte Zeit, in der sie Geld verdienen, und die Gehaltssituation ist bei uns eine andere als in der Fußball-Bundesliga.
Die staatliche Hilfe vom Bund haben die Adler mit 800 000 Euro ausgeschöpft. Benötigen die Clubs eine erneute Staatshilfe?
Es sieht so aus, dass es für den Profisport weitere Programme geben wird, aber derzeit ist es noch nicht möglich, Anträge zu stellen.
Aber die Adler werden nicht in finanzielle Turbulenzen geraten, sollte sich ein neues Hilfspaket noch hinziehen?
Wir haben diese Saison so geplant, dass wir ohne Zuschauer über die Runden kommen. Wie unsere Karten in der nächsten Saison aussehen, ob wir mit Fans planen können, weiß ich heute nicht. Das Wichtigste ist, dass wir gut durch diese Saison kommen. Die gesamte Situation ist auch psychologisch nicht einfach, weil man sich vornehmlich mit negativen Themen beschäftigen muss. Umso mehr freut mich, dass die Jungs auf dem Eis gute Ergebnisse einfahren.
Coronaklauseln in den Verträgen?
Es ist fast unmöglich, die wirtschaftliche Situation vorherzusagen, dennoch müssen Verträge für die nächste Saison geschlossen werden.
Diese Unsicherheit besteht. Da kommt auch wieder die Frage auf, ob wir mit Zuschauern rechnen können, wovon sich die Höhe des Etas ableitet. Das ist schwierig, aber wir müssen handlungsfähig bleiben und die nächste Saison planen – das tun wir aus einer wirtschaftlichen Defensive heraus. Wir dürfen die Gefahren nicht aus dem Auge verlieren, selbst wenn Corona hinter uns liegt, wird nicht sofort Normalität einkehren.
Machen Sie eigentlich zwei Verträge? Einen für Coronabedingungen und einen ohne?
Man kann sicher eine Coronaklausel aufnehmen, aber auch andere individuelle Vereinbarungen stricken. Es liegt in der Verantwortung eines jeden Clubs zu sagen: Ich habe diese Einnahme, ich traue mir diese Einnahmen zu, und entsprechend müssen die Verträge gestaltet werden. Ich hoffe, dass wir im Herbst wieder Zuschauer begrüßen dürfen, denn eigentlich machen wir das alles ja nur wegen der Fans. Wenn man am Spieltag als so ziemlich als Einziger im Stadion ist, ist der Spaß begrenzt.
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Wäre es sinnvoll, noch einmal eine Saison unter diesen Vorgaben zu starten?
Spieler und Angestellte der Adler und der SAP-Arena sind Arbeitnehmer – wir tragen Verantwortung für diese Menschen. Wenn ich sagen würde: Wir lassen das, das bringt alles nichts, wäre das fahrlässig. Ich hoffe inständig auf eine Rückkehr zur Normalität bis Herbst, wenn nicht, müssen wir eine Form finden, damit umzugehen. (Pause) Vor ein paar Tagen war der Zeitpunkt, an dem wir ein Jahr lang kein Publikum mehr in der SAP-Arena hatten. Das ist schon hart, wenn man eine Halle betreibt, in die 15 000 Menschen reinpassen, in der wir etwa 110 Veranstaltungen im Jahr haben – und man blickt auf ein Jahr zurück, in dem kein einziger Zuschauer hier war. Das ist nicht nur wirtschaftlich eine Katastrophe, das ist auch emotional für alle Mitarbeiter schwer.
Staatliche Hilfen für sie Sicherung der Arbeitsplätze
Man hängt am Tropf der Politik, die die Zügel eher anzieht, als dass sie sie locker lässt. Wie gehen Sie damit um?
Man muss das von zwei Seiten betrachten. Ich muss ehrlicherweise sagen, die Hilfen für die Branche, die uns in Aussicht gestellt wurden und zum Teil schon ausbezahlt wurden, die helfen uns sehr, die Arbeitsplätze zu erhalten. Deshalb wehre ich mich gegen so ein allgemeines Politiker-Bashing, das ist nicht fair, weil die Situation ist nicht einfach. Natürlich hätte ich mir auch gewünscht, dass manche Entscheidungen differenzierter diskutiert, schneller getroffen worden oder anders ausgefallen wären. Aber ich wollte mit keinem Politiker tauschen. Ja, wir sind abhängig von der Politik, aber das nimmt uns auch ein Stück weit die Verantwortung – denn wir wollen keinesfalls ein Superspreader-Event veranstaltet haben.
Glauben Sie, dass der Sport wieder dahin zurückkehrt, wo er vor der Pandemie war?
Schwierig. Ich glaube schon, dass Menschen wieder zu Veranstaltungen gehen werden. Ob es Veränderungen im Konsumverhalten geben wird, kann gut sein, aber wie die aussehen könnten, das weiß ich nicht. Was ich aber weiß: Wir müssen uns vermehrt auf Hygienemaßnahmen einstellen.
Wird die DEL auch wirtschaftlich wieder auf den Stand von vor Corona kommen?
Das wird sicher seine Zeit dauern. Es dürfte vor allem daran liegen, wie sich die Wirtschaft entwickelt – ob die Sponsorengelder wieder in dem Maße fließen und ob die Menschen wieder Tickets kaufen. Bis dahin ist ein vorsichtiges Wirtschaften angesagt.