Interview mit Ex-VfB-Spieler Merkel „Die Auswüchse sind schlimm“

Alexander Merkel Foto: Baumann
Alexander Merkel Foto: Baumann

Alexander Merkel ist in der Jugend des VfB Stuttgart groß geworden, ehe er nach Italien ging. Als Italienexperte äußert er sich vor dem Europa-League-Duell zwischen dem VfB und Rom zu den Zuständen bei Lazio.

Sport: Thomas Haid (T.H.)

Stuttgart - Alexander Merkel (21) ist in der Jugend des VfB Stuttgart groß geworden, ehe er 2008 nach Italien ging, wo er bei Udinese spielt. Als Italienexperte äußert er sich vor dem Europa-League-Duell zwischen dem VfB und Lazio Rom zu den Zuständen bei Lazio, das jetzt Berufung gegen die beiden Geisterspiele eingelegt hat.


Herr Merkel, was erwartet den VfB gegen Lazio Rom?
Eine spielstarke Mannschaft, die nicht mit langen Bällen operiert, sondern versucht, mit schnellen Kurzpässen zum Erfolg zu kommen. Dafür steht der Club. Die zentrale Figur ist der brasilianische Regisseur Hernanes. Zum Glück für den VfB fehlt wenigstens der verletzte Miroslav Klose. Das könnte ein Vorteil sein.

Welchen Ruf hat Lazio in Italien?
Das ist ein großer Verein, bei dem schon viele Weltstars gespielt haben. Seit zwei Jahren läuft es richtig rund.

Problematisch ist jedoch die Fanszene, die in Teilen als rassistisch und faschistisch gilt. Haben Sie das auch schon mal am eigenen Leib mitbekommen?
Bei meinen Spielen gegen Lazio ist nie etwas vorgefallen. Und ich glaube auch, dass die allermeisten Anhänger zwar heißblütig sind, aber auch friedlich. Die Fankurve in Rom ist für ihre gute Stimmung bekannt. Diese Leute unterstützen ihren Club wie es besser nicht sein könnte. Umso schlimmer finde ich, dass es solche Auswüchse gibt.

Worauf führen Sie das zurück?
Im Umfeld des Vereins wollen einige Personen offenbar einfach nicht begreifen, dass Gewalt oder Rassismus zu verabscheuen sind – sowohl im Fußball als auch in allen anderen Bereichen der Gesellschaft. Diese Leute ignorieren das. Sie scheinen unbelehrbar zu sein.

Als Konsequenz daraus muss Lazio zwei Spiele in der Europa League unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten – das erste gegen den VfB. Finden Sie diese Strafe des europäischen Verbands Uefa gerecht?
Irgendwann musste so etwas passieren. Ich würde es auch besser finden, wenn so etwas durch Gespräche gelöst werden könnte. Aber es wurde lange geredet. Geholfen hat es wenig. Deshalb wurde jetzt gehandelt.

Tut Lazio Rom selbst genug, um das Fanproblem zu lösen?
Von außen ist das schwer zu sagen. Klar ist jedoch, dass das ganz schlecht für den Ruf des Vereins ist. Aber nicht nur in Rom fragt man sich: was soll man dagegen unternehmen – außer Stadionverbote verhängen? Und das funktioniert auch nur, wenn man die Übeltäter kennt. Das sind vereinzelte Idioten, die nichts kapiert haben und immer wieder für Randale sorgen.

Wie ist das Echo in Italien auf die beiden Geisterspiele ausgefallen?
Es ist ja nicht das erste Mal, dass in diesem Land ein Spiel vor leeren Rängen stattfindet. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Leute das nicht für so tragisch halten wie das wohl in Deutschland der Fall wäre.



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