Interview mit Fahrlehrer aus Fellbach „Manchen jungen Leuten fehlt die Motivation“

Fahrer Raimund Hägele hat gut lachen: Endlich darf er wieder praktischen Fahrunterricht geben. Foto: /Brigitte Hess
Fahrer Raimund Hägele hat gut lachen: Endlich darf er wieder praktischen Fahrunterricht geben. Foto: /Brigitte Hess

Wegen der Coronapandemie waren viele Fahrschulen geschlossen. Jetzt ist der praktische Unterricht wieder erlaubt. Auch der Fellbacher Fahrlehrer Raimund Hägele ist wieder mit seinen Schülern auf den Straßen unterwegs.

Fellbach: Brigitte Hess (hes)

Fellbach - Seit Montag dürfen Fahrschulen wieder praktischen Fahrunterricht anbieten. Eigentlich wäre der seit dem 11. Januar bestehende Lockdown für die Fahrschulen mindestens noch bis 7. März gegangen, aber eine Fahrschule aus dem Bodenseeraum hatte dagegen geklagt und das Unterrichtsverbot wurde gekippt. Wir haben mit dem Fellbacher Fahrlehrer Raimund Hägele über den Drang zum Führerschein und über Corona gesprochen.

Herr Hägele, waren Sie am Montag gleich wieder mit Ihrem Fahrschulauto unterwegs?

Na klar, gleich am Vormittag hatte ich die ersten Fahrstunden.

Sie konnten jetzt fast zwei Monate nicht arbeiten, nur der theoretische Unterricht war online möglich.

Ja, Fahrunterricht konnten nur Berufskraftfahrer nehmen, es gibt einige Fahrschulen, die darauf spezialisiert sind. Ich unterrichte aber nur für die Fahrerlaubnis B und A und war somit sozusagen stillgelegt. Lediglich Online-Unterricht in der Theorie zu geben, hielt ich nicht für sinnvoll, Theorie und Praxis sollten meiner Meinung nach schon parallel laufen. Außerdem kamen im November und Dezember, als wir noch in der Fahrschule direkt die Theorie unterrichten durften, deutlich weniger Schüler in den Unterricht als üblich. Einige Fahrschüler sagten auch ihre Stunden ab, weil sie in Quarantäne mussten.

Der theoretische Unterricht darf aber aktuell nur online angeboten werden?

Ja, und das habe ich jetzt beim Landratsamt beantragt, da müsste eigentlich rasch die Genehmigung kommen.

Und welche Hygieneauflagen haben Sie beim praktischen Unterricht?

Nach jedem Schüler habe ich eine Viertelstunde Pause, da wird das Fahrzeug durchgelüftet, und das Lenkrad sowie Schalt- und andere Hebel werden dann mit Desinfektionsmittel abgewischt. Die Fahrlehrer und Schüler tragen natürlich FFP2-Masken.

Ist Ihnen bekannt, dass sich Menschen beim Fahrunterricht angesteckt haben?

Wie gesagt, manche Fahrschüler mussten in Quarantäne, aber beispielsweise ein Fahrlehrer, der Superspreader war, ist mir nicht bekannt.

Haben Sie finanzielle Hilfen vom Staat erhalten?

Im März 2020 haben wir gute Hilfen bekommen, das war okay. Gerade muss ich mich entscheiden, ob ich für die vergangenen Wochen das Überbrückungsgeld III oder die Neustarthilfe beantrage. Da liegen unterschiedliche Kriterien zugrunde, und die Entscheidung ist etwas kniffelig, weil man ja nicht weiß, ob wir in den nächsten Monaten womöglich noch einmal von einem Lockdown betroffen sein werden. Auf jeden Fall muss ich jetzt wieder richtig loslegen, es muss Geld in die Kasse kommen.

Ist denn der Führerschein überhaupt noch so begehrt bei den jungen Leuten, unsere Generation hat das ja früher so getimt, dass man den „Lappen“ auf jeden Fall am 18. Geburtstag in der Tasche stecken hatte.

Da habe ich den Eindruck, dass das nicht mehr ganz so wichtig ist. Früher war die Jugend da hoch motiviert, diese Motivation fehlt einigen heute ein bisschen, die lassen sich unheimlich viel Zeit, da vergehen zwei Jahre, bis die endlich die Fahrprüfung machen. Mancher merkt vielleicht auch, dass man den Führerschein nicht einfach so mit links absolviert. Neben den 17- und 18-jährigen Fahrschülern gehören aber auch immer Ältere zu meiner Kundschaft – zum Beispiel auch die geflüchteten Menschen, die jetzt bei uns sind.




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