Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger warnt US-Präsident Donald Trump vor einer protektionistischen Politik mit höheren Importsteuern und Strafzöllen, die vor allem der eigenen Wirtschaft schaden würden. Auch bei den deutschen Unternehmen spürt er Verunsicherung.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Stuttgart - Amerikanische Manager hätten große Erwartungen an Donald Trump, sagt der Heidelberger Unternehmer Rainer Dulger, dessen größte Auslandsniederlassung in Pittsburgh angesiedelt ist. Er vertraut darauf, dass der US-Präsident besser als bisher beraten wird.

Herr Dulger, aus der deutschen Wirtschaft ist bisher nur wenig Kritik an der gesamten Politik von Donald Trump laut geworden. Hat sie Angst um ihre Geschäfte in den USA?
Donald Trump ist rechtmäßig gewählter Präsident der USA. Das gilt es zu respektieren. Und wir müssen Menschen nach dem beurteilen, was sie tun. Da würde ich bei Trump einfach gerne darauf warten. Bisher erleben wir vor allem Ankündigungen. Ich habe auch großes Vertrauen in die „Checks and Balances“, die Kontrollmechanismen der amerikanischen Demokratie. Trump hat viele Versprechungen zur Verbesserung der Infrastruktur sowie zur Steigerung der Jobs gemacht und wird sich da erst mal beweisen müssen. Viele mittelständische amerikanische Unternehmer mögen ihn und haben große Erwartungen an ihn.
Schaut die deutsche Wirtschaft nicht wie ein Kaninchen auf die Schlange, anstatt eine selbstbewusste Position zu vertreten?
Die Vereinigten Staaten sind mit mehr als 100 Milliarden Euro Umsatz der Exportmarkt Nummer eins für die deutsche Metall- und Elektroindustrie. Aber wir sind Unternehmer und werden nicht vor Angst gelähmt stehen bleiben, sondern uns auf das einstellen, was kommt. Wenn er seine Versprechen in Richtung Protektionismus umsetzen will, werden ihm seine Berater die Zahlen vermitteln, die er offensichtlich so noch nicht kennt.
Welche Zahlen?
Es haben viele deutsche Unternehmen in den USA investiert – mit einer Summe von fast 240 Milliarden Euro an Direktinvestitionen. Es sind 400 000 amerikanische Jobs, die von deutschen Unternehmen in Amerika geschaffen wurden. Mit BMW und Mercedes ist die deutsche Industrie auch einer der größten Exporteure von Autos, die in den USA hergestellt werden. Und es stimmt nicht, dass in den USA alle deutsche Autos fahren und in Europa niemand amerikanische. In Europa sind mit Ford und General Motors große US-Hersteller aktiv, die deutlich mehr Fahrzeuge bei uns verkaufen als wir in den USA.
Wie groß ist das Risiko, dass sich die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen abkühlen?
Da muss man abwarten, was die neue Regierung wirklich durchsetzt. Ich hoffe, der Präsident Trump wird am Ende anders auftreten, als es der Wahlkämpfer Trump getan hat.
Müssten die deutschen Wirtschaftsverbände in den USA nicht eine Großoffensive starten und Trump vermitteln: Wir sind Partner, keine Gegner?
Die Verbände sind nicht die Handelnden, das sind die Unternehmen. Wir beobachten schon heute erhöhten Gesprächsbedarf. Natürlich ist eine gewisse Verunsicherung bei den Unternehmen festzustellen. Ich glaube aber nicht, dass jemand voreilig handeln wird. Die Unternehmen werden in Ruhe analysieren und dann erst reagieren.

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