ExklusivInterview mit Hamed Shahi Moghanni „Riesling statt Dosenbier“

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Bei der Premiere des New Fall Festivals in Stuttgart findet im Oktober im Neuen Schloss erstmals ein Pop-Konzert statt. Im Weißen Saal spielen die Techno-Frickler Brandt Brauer Frick und der Pianist James Rhodes. In der Liederhalle treten außerdem Boy, Dillon mit Chor, Agnes Obel und Wilco auf.

Hamed Shahi Moghanni  bringt das New Fall Festival im Oktober nach Stuttgart. Foto: Susanne Diesner 6 Bilder
Hamed Shahi Moghanni bringt das New Fall Festival im Oktober nach Stuttgart. Foto: Susanne Diesner

Stuttgart - Ein Pop-Konzert im ehrwürdigen Weißen Saal des Neuen Schlosses – das hat es noch nie gegeben. Der Düsseldorfer Veranstalter Hamed Shahi Moghanni bringt bei der Premiere seines New Fall Festivals (NFF) im Oktober dort das Techno-Projekt Brandt Brauer Frick auf die Bühne, außerdem wird die Liederhalle bespielt. Moghanni spricht im Interview über Ausgehverhalten und Alkohol.

Herr Moghanni, verraten Sie uns, wer bei der ersten Auflage des New Fall Festivals im Oktober in Stuttgart auf der Bühne stehen wird?
Ja. Bisher bestätigt sind Boy, Brandt Brauer Frick, Dillon mit Chor, Agnes Obel, James Rhodes und Wilco. Weitere Künstler werden wir bald verkünden können.
In Düsseldorf findet das New Fall Festival seit fünf Jahren statt, Stuttgart ist dagegen Neuland für Sie. Wie sind Sie von Ihren Veranstalterkollegen empfangen worden? Mit maximal halb offenen Armen, oder?
Ach, wissen Sie, in Nordrhein-Westfalen ist die Veranstalterszene auch nicht kollegialer. Konzert-Macher sind eben ein eigenes Völkchen, wir natürlich inklusive. In Stuttgart hätten wir gerne mit lokalen Veranstaltern kooperiert. Wir haben den ein oder anderen gefragt, aber keinen Partner gefunden, weil alle beschäftigt waren und keine Zeit für neue Projekte hatten. Unser Ziel ist, dass das NFF gleichermaßen eine Bereicherung für Besucher, Veranstalter und Locations sein soll.
Nach diesen Worten wird der Willkommensgruß aber nicht gerade wärmer ausfallen. Wo findet das New Fall Festival denn genau statt?
Wir bespielen alle drei Säle der Liederhalle, also Mozart-, Hegel- und Beethovensaal. Außerdem sind wir die ersten, die Pop ins Neue Schloss bringen. Im Weißen Saal gab es bisher nur Hochkultur. Wir wollen den Raum nun ganz anders zeigen.
Wie haben Sie denn das Neue Schloss als Pop-Spielort bekommen?
Ohne das Finanzministerium als Vermieter der Fläche wäre das nicht möglich gewesen. Wir freuen uns, dass wir es in den Gesprächen und Treffen geschafft haben, unsere Leidenschaft herüberzubringen.
Marienplatzfest, Stuttgart Festival, das Wizemann als neue Spielstätte: ist da überhaupt noch Platz für ein neues Festival?
Das New Fall ist ja kein Festival im klassischen Sinne, sondern eher eine Konzertreihe, die eine ganz neue Zielgruppe bedient, die sonst leer ausgeht: Menschen, die im Leben stehen, denen man es nicht mehr zumuten kann, dass sie bis 24 Uhr auf ihre Lieblingsband warten. Ihr Schwaben seid ja morgens auch gerne um 8 Uhr wieder fit am Schreibtisch. Ein Dosenbier kann manchmal schön sein, wir wollen mit dem New Fall aber eher die Generation Riesling musikalisch ansprechen.
Wird das New Fall eine Eintagsfliege bleiben?
Auf keinen Fall. Das soll ein Pop-Ereignis werden, auf das man sich jedes Jahr aufs Neue freut. Wir wollen langsam und ständig wachsen, um dann in zwei oder drei Jahren sehr große Namen verpflichten zu können, die sonst nur in Berlin oder Hamburg spielen, damit Stuttgart eine feste Pop-Plattform wird.
Mit der Liederhalle als Hauptspielstätte wird das aber kaum gelingen.
Dabei wird es auch nicht bleiben, im kommenden Jahr sollen Staatstheater, Oper und Staatsgalerie dazukommen.
Was macht Sie so optimistisch?
In Düsseldorf haben wir auch mal kleiner angefangen, 2011, im ersten Jahr, hatten wir zwei Venues mit einer Gesamtkapazität von 4500, 3000 Tickets wurden verkauft. 2015 war es eine Kapazität von 15 000. Das Festival ist also in jedem Jahr gewachsen. In Stuttgart starten wir nun mit einer Kapazität von 8000 Plätzen. Mal sehen, wie es die Leute annehmen.
Ob Sie mit Boy als Headliner so viele Zuschauer ziehen werden? Die haben erst im vergangenen Herbst im Wizemann gespielt.
Wir finden: Ein Orchestersaal ist nicht mit einem Club zu vergleichen, wo die Besucher das Konzert stehend verfolgen. Beides hat seinen Reiz, aber bei uns sitzen die Gäste, und der Konzertrahmen ist automatisch intimer. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die woanders nicht zu bekommen ist.
Das genaue Line-Up und weitere Infos zum Festival unter http://new-fall-festival.de.
 
 
 
 
 



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