InterviewInterview mit Hans-Peter Ehrlich „Mehr Pfarrstellen brauchen wir nicht“

Lokales: Mathias Bury (ury)
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Läuft die Konzentration nicht darauf hinaus, aus vier Dekanaten eines zu machen?
Ich hielte das für falsch. Sie können nicht einen Dekan mit der ganzen Arbeit in dem Kirchenkreis beauftragen. Das ist nicht zu schaffen. Womöglich könnten aus vier Dekanaten aber dereinst drei werden.

In den vergangenen Jahren sind etliche Pfarrstellen abgebaut worden. Hat das der Seelsorge geschadet?
Ja, natürlich ist jede Pfarrstelle weniger ein schmerzlicher Einschnitt. Aber die Deputate orientieren sich an den Gemeindemitgliederzahlen. Inzwischen haben wir ein geordnetes System. Mehr Pfarrstellen brauchen wir nicht. Allerdings sehen die Gemeinden nicht, dass weniger Pfarrer auch weniger Gottesdienste heißen müsste. Andernfalls könnte die Qualität leiden. Ich habe leider erlebt, dass sich die Gemeinden nur ungern von traditionellen Formen trennen.

Wie weit ist die Liste der kirchlichen Immobilien, die vor einigen Jahren für verzichtbar erklärt wurden, abgearbeitet.
Im Dekanatsbezirk Mitte haben wir noch keine Kirche verkauft oder entnutzt. Eine Ausnahme ist die Christophkirche, die in ein Projekt der Evangelischen Heimstiftung integriert wird. Und in Feuerbach ist schon eine Kirche verkauft worden, allerdings mit einer Nachnutzung durch das Behindertenzentrum. Zu Verkäufen von Gemeinde- und Pfarrhäusern ist es schon mehrfach gekommen, in Gaisburg, in Heslach, an der Rosenbergkirche, in der Johanniskirchengemeinde, auf dem Haigst und an der Lukaskirche. In Gablenberg sind wir dabei. Gleichzeitig wurden aber die Kirchen aufgewertet und erneuert. Eine offene Baustelle ist die Kirche in Berg, für die wir eine neue Nutzung suchen.

Muslimische Verbände sind noch nicht gekommen, die für sich ein Gotteshaus suchen?
Nein, bisher nicht. Das wäre spannend. Da müsste man gründlich nachdenken.

Sie könnten sich das vorstellen?
Im Prinzip ja. Das ist für mich kein Tabu. Die Religionsgemeinschaften hier in Stuttgart haben ein Recht darauf, dass sie Orte nutzen können, an denen sie zusammenkommen und beten. Nur kann man nicht sagen, wir haben eine Kirche übrig, wollt ihr die nicht? Da wäre eine längere Annäherung nötig.




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