Interview mit Heiner Geißler "Die Bahn hat noch vier Wochen Zeit"

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Wenn die Ergebnisse des Stresstests vorliegen, wird Heiner Geißler wieder die Diskussionen moderieren. Vorab mahnt der Schlichter die Bahn.

Wie einst im Herbst 2010: Heiner Geißler kehrt nach Stuttgart zurück. Foto: dapd 4 Bilder
Wie einst im Herbst 2010: Heiner Geißler kehrt nach Stuttgart zurück. Foto: dapd

Stuttgart - Als er im vergangenen Herbst zum Schlichter im Streit um Stuttgart 21 benannt wurde, wollten ihn viele schon vor dem Start scheitern sehen: Wenige Monate später ist Heiner Geißler nach zähen Verhandlungsrunden zu einer - wenn auch umstrittenen - politischen Kultfigur geworden. Nun wird der 81-Jährige zurückkehren. Am 14.Juli soll öffentlich über die Ergebnisse zum Ausgang des Stresstests diskutiert werden. Im StZ-Interview spricht Geißler über seine Erwartungen vor den Gesprächen.

Herr Geißler, dem Vernehmen nach sollen Sie als Moderator nach Stuttgart zurückkehren, wenn im Juli Gegner und Befürworter des Projekts Stuttgart 21 über den Stresstest streiten werden.

Es ist richtig, dass der Lenkungskreis damit einverstanden war, mich zu bitten, die letzte Sitzung wegen des Stresstests zu moderieren. Dazu bin ich auch bereit, aber ich benötige vorher noch einige Informationen. Zudem müssen Bedingungen erfüllt sein.

Welche Informationen und Bedingungen sind dies?

Ich muss wissen, ob beim Stresstest die Anwendung allgemein anerkannter Standards des Bahnverkehrs im Konsens erfolgt ist. Der Stresstest hätte ja dann wenig Sinn, wenn schon das Verfahren, also das Zustandekommen der Ergebnisse, anschließend angezweifelt würde.

Ihre Schlichtungsgespräche haben im vergangenen Herbst in Stuttgart eine Befriedung gebracht. Inzwischen ist von Seiten des Bahnchefs Grube von Volksverdummung durch die Grünen die Rede. Die Gegner des Aktionsbündnisses kündigen Großdemonstrationen an.

Diese verbalen Aufgeregtheiten hat es von beiden Seiten schon immer gegeben. Das würde ich nicht überbewerten.

Die Ergebnisse des Stresstests sollen nun möglicherweise innnerhalb von einigen Stunden diskutiert werden. Ist diese Zeit für eine inhaltliche Auseinandersetzung nicht viel zu knapp bemessen?

Es wäre schön, wenn mehr Zeit vorhanden wäre. Es geht diesmal nicht mehr um ein grundsätzliches Pro und Kontra zu Stuttgart 21, sondern um eine Bewertung der Ergebnisse des Stresstests. Der Stresstest wird übrigens nicht allein von der Bahn oder der Landesregierung durchgeführt, sondern auch von der Züricher Firma SMA - dem haben alle Seiten damals ausdrücklich zugestimmt.