Interview mit Heinz Dürr „Die Familie Dürr bleibt Ankeraktionär“

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Heinz Dürr, der am Freitag aus dem Dürr-Aufsichtsrat ausscheidet, hat vor einer Übernahme keine Angst. Eine Sperrminorität für die Familie ist rechtlich abgesichert. Die Töchter treten in seine Fußstapfen.

Heinz Dürr ist stolz auf die Lackierroboterproduktion in Bietigheim-Bissingen Foto: Factum
Heinz Dürr ist stolz auf die Lackierroboterproduktion in Bietigheim-Bissingen Foto: Factum
Stuttgart – Für den Lackieranlagenhersteller Dürr, der mit 2,4 Milliarden Euro Umsatz und 7700 Beschäftigten Weltmarktführer ist, markiert der Freitag einen Einschnitt. Mit der Hauptversammlung scheidet Aufsichtsratschef Heinz Dürr aus. Der Patriarch erklärt, wie er sich die Zukunft des Unternehmen vorstellt.
Herr Dürr, mit dem ehemaligen Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt soll ein Familienfremder Ihr Nachfolger werden. Die Familie hat ihre Beteiligung in den vergangenen Jahren auch von mehr als 40 Prozent auf unter 30 Prozent gesenkt. Ist Dürr noch ein Familienunternehmen?
Dürr ist familienorientiert. Es herrscht eine Unternehmenskultur wie in einem großen Familienunternehmen – natürlich unter Berücksichtigung des Aktiengesetzes. Ich werde immer wieder zu Veranstaltungen eingeladen, wenn es um Familienunternehmer geht; offenbar zählen die mich dazu. Eine Gegenfrage: Würden Sie BMW als ein Familienunternehmen bezeichnen?

Ja, die Familie Quandt hält fast 47 Prozent der Anteile und hat auf jeden Fall die Mehrheit in der Hauptversammlung.
Dann können Sie auch Dürr nehmen. Die Familie hat knapp 30 Prozent, ohne unsere Zustimmung läuft im Unternehmen nichts Größeres., Das ist übrigens auch im Sinne des Vorstands.

Das Unterschreiten der 30-Prozent-Marke war aber schon ein Einschnitt. Falls Sie eines Tages wieder über 30 Prozent kommen wollten, müssten Sie sämtlichen Aktionären ein Übernahmeangebot machen, was wohl ausscheidet.
Genau, das wollen wir nicht. Aber es gibt eine klare Absprache in der Familie, dass wir mindestens 25,1 Prozent – also eine Sperrminorität – halten wollen. Die Familie Dürr bleibt Ankeraktionär. Ob 25,1 Prozent oder 40 Prozent ist im Übrigen kein großer Unterschied, was die rechtliche Position betrifft.

Wie sicher ist, dass es sich die Familie nicht eines Tages anders überlegt und durch Aktienverkäufe unter 25,1 Prozent kommt?
Da gibt es mehr als eine unverbindliche Zusage unter Familienmitgliedern abends beim Essen. Wir haben eine Konstruktion gefunden, die das rechtlich sichert.

Warum hören Sie eigentlich auf?
Ich möchte nicht auf der Bahre in die Hauptversammlung getragen werden. Die Gefahr besteht zwar nicht, weil ich ganz gut beieinander bin, aber trotzdem merke ich, dass ich langsamer werde. Bei den vielen neuen Dingen, die auf das Unternehmen zukommen, ist es besser, wenn da ein Wechsel stattfindet. Ich habe das jetzt immerhin 24 Jahre lang gemacht, inklusive 104 Aufsichtsratssitzungen. Ich sehe mich hier fast so wie Benedikt XVI., der wohl gesagt hat, ich mag nicht mehr.