Interview mit Holger Geschwindner "Die Amis machen ein Mordsgedöns daraus"

Von Johannes Scharnbeck 

Holger Geschwindner (65) hat Dirk Nowitzki zu einem der besten Basketballspieler der Welt gemacht. Im Interview spricht er über die Arbeit mit dem Star.  

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Stuttgart - Holger Geschwindner (65) hat Dirk Nowitzki zu einem der besten Basketballspieler geformt. Und er hat mit ihm noch Ziele - auch bei der EM.

Herr Geschwindner, Ihr Schützling Dirk Nowitzki hätte sich eigentlich gern ein paar Wochen Urlaub mehr gewünscht. Sie auch?

Natürlich waren die NBA-Saison und das Finale keine Sekunde langweilig. Auch das Feiern danach war ja genauso anstrengend. Aber eigentlich brauchen wir keine Pause. Wir sind da anders gestrickt. Der Normalverbraucher müsste wahrscheinlich die Füße lange hochlegen. Wir haben dafür jetzt ein ganz anderes Problem.

Welches?

Wenn man den Gipfel in seiner Sportart erreicht hat, muss man die Mentalität ändern. Denn jetzt wollen wir unseren Platz natürlich verteidigen. Das ist eine ganz andere Sache, und dieser Prozess dauert. Deswegen ist es jetzt hektisch, weil es gleich weitergeht. Zumal alle Leute erwarten, dass er ohne Training wie ein Basketball-Gott rumhüpft.

Müssen Sie Nowitzki nun mehr motivieren?

Nein, Dirk hat eine perfekte professionelle Einstellung. Er weiß, dass er manchmal Arbeiten machen muss, die ihm auf den Zeiger gehen. Und natürlich trainiert man nicht jeden Tag mit Lust und Liebe.

Also war der Einstieg jetzt schon schwer?

Na klar. Die Musiker kennen es am besten. Schon wenn man zwei Tage nicht an seinem Instrument war, dann wird es langsam eng. Beim Sportler ist es genauso. Der Basketballer muss eben seinen Körper - also sein Instrument - ordentlich pflegen. Da mussten wir erst mal langsam anfangen.

Wie nehmen Sie den Rummel um ihn wahr?

Für uns ist das im Grunde dasselbe. Nur die Anzahl der Anfragen ist gestiegen. Plötzlich tauchen Verwandte von vor 30 Jahren wieder auf, und man hat auf einmal ganz viele Freunde. Aber wir haben in den vergangenen 13 Jahren sehr gut gelernt zu unterscheiden. Allerdings ist es schon erstaunlich, dass ein Deutscher aus einem Fußballland mit ein bisschen Basketball so einen Hype auslösen kann.

Nun prasselt eine Ehrung nach der anderen auf ihn herein.

Viele sehen die Chance, sich mit Ruhm zu schmücken. Aber da sind auch tolle Sachen dabei. Am Sonntag wird er vom Bundespräsidenten mit dem Silbernen Lorbeerblatt geehrt. Für uns ändert das jedoch nichts. Wir kochen nach wie vor nur mit Wasser.

Ihre Beziehung zueinander ist also auch noch immer dieselbe?

Als er 16 Jahre alt war, sind wir ineinander gerannt. Ob das nun Glück oder Pech war, wissen wir beide nicht so genau. Wir haben alle Hochs und Tiefs miteinander ausgeschwitzt und sind nach wie vor zusammen, obwohl es viele Versuche gegeben hat, uns auseinanderzudividieren. Wir haben beide viel voneinander gelernt. Je weiter er auf seiner sportlichen Leiter nach oben geklettert ist, umso mehr kamen auch auf mich andere Fragen zu. Wir haben uns gegenseitig hochgeschaukelt.

Wie denn?

Als wir angefangen haben, wusste ich ja gar nicht, ob ich die Fähigkeit besitze, Sport zu vermitteln. Ich habe auch ein paar Basketball-Bücher in die Hand genommen, aber da stehen nicht so viele Schlauheiten drin. Und wie man zur Weltspitze kommt, steht in deutschen Büchern schon gar nicht.

Trotzdem hat er es geschafft.

Weil wir uns selbst etwas überlegt und das theoretisch ausgearbeitet haben - mit Mathematik und Physik im Hintergrund. Was ist der optimale Schuss? Was sind die optimalen Strategien? Das hat sich als erfolgreich herausgestellt. Wenn man mit Mathematik argumentiert, gibt es kein Gegenargument. Es ist das Werkzeug, das im wissenschaftlichen Zeitalter probat ist. 

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