InterviewInterview mit HP-Chef Der HP-Chef warnt vor dem Wirrwarr elektronischer Geräte

Von age 

Volker Smid, der Deutschlandchef des Computerherstellers Hewlett-Packard, sieht die IT-Branche weiterhin im radikalen Umbruch. Es sei noch nicht entschieden, welche Geräte die Konsumenten auf Dauer im Alltag verwenden wollten.

Stabilität gebe es  in der ganzen IT-Branche nicht, sagt der HP-Deutschlandchef Volker Smid. Foto: HP
Stabilität gebe es in der ganzen IT-Branche nicht, sagt der HP-Deutschlandchef Volker Smid. Foto: HP
Stuttgart Mehrere Chefwechsel und ein hartes Sparprogramm: der Computerkonzern Hewlett-Packard war in den vergangenen Jahren in unruhigem Fahrwasser. Stabilität gebe es in der ganzen IT-Branche nicht, sagt der HP-Deutschlandchef Volker Smid. Die Konsolidierung der Gerätevielfalt bei den Konsumenten stehe beispielsweise erst am Anfang.
Herr Smid, HP ist mit mehr als 120 Milliarden Dollar Umsatz ein Gigant. Wie kann ein solcher Koloss in der schnelllebigen IT-Welt noch Schritt halten?
Das schließt sich nicht aus. Wir haben Innovation beispielsweise durch die Akquisition von Start-ups eingekauft. Wir haben dann deren Technologie mit unserer weltweiten Reichweite verbunden – das hat sie mit enormer Geschwindigkeit verbreitet. Bei unserer neuesten Servergeneration ist die Idee hingegen in unseren Laboren entstanden. Wir haben uns gefragt: Warum kann man nicht die energieeffizienten Prozessoren, die in Mobiltelefonen stecken, dazu nutzen, um Server zu betreiben? Wir haben da wie ein Start-up gehandelt. Auch hier können wir sehr schnell von der Idee zur Fertigung und zur Vermarktung übergehen – in 168 Ländern gleichzeitig.

Sie beschreiben die IT-Welt als Dauerbaustelle. Was ist mit der Dauerbaustelle HP? In den vergangenen Jahren haben sich wechselnde Unternehmenschefs die Klinke in die Hand gegeben.
Man muss auf die Geschichte der letzten 15 Jahre blicken. Ein Unternehmen, das 1999 noch eher aussah wie Siemens, wurde zu einer Firma, die im Kern und im Anspruch etwa mit IBM vergleichbar ist. Dass auf diesem Weg Reibungen entstanden sind, ist völlig normal. Natürlich würde ich mir weniger Wechsel an der Spitze wünschen. Aber ich habe während meiner fünf Jahre bei HP, in denen ich drei Firmenchefs erlebt habe, eine große Kontinuität erfahren – gerade in Deutschland. Bei der Ausprägung unserer Produkte, Software und Services hat es nie Zweifel gegeben.

Aber war nicht die 2011 rasch zurückge­nommene Entscheidung des ebenso rasch zurückgetretenen Ex-SAP-Manns Léo Apotheker, das PC-Geschäft abzustoßen, ein Bruch?
Es war vielleicht ein Fehler, bei unserer Präsenz im Markt laut über Optionen nachzudenken. Zu untersuchen, in welchen Bereichen man tätig bleiben will, ist aber Bestandteil von Unternehmensführung. Wir haben dann ja auch sehr schnell Klarheit geschaffen.

Welche Geräte werde ich mir denn als Konsument noch anschaffen?
Das Thema ist in Bewegung. Es gibt weiterhin den Desktop mit dem Rechner unterm Tisch; es gibt die Laptops, die Tablets, die Smartphones. Im Moment sind wir in einer Phase, in der die Konsumenten allmählich feststellen, dass sie zu viele verschiedene Geräte haben. Führen Sie sich den Geschäftsreisenden vor Augen, der am Flughafen die Tasche aufmacht: Er holt seinen Laptop heraus, dann sein Tablet und legt dann noch zwei Smartphones in die Box an der Sicherheitskontrolle. Das ist jemand, der im Flugzeug mit seinem Tablet einen Film anschaut oder spielt, aber nicht arbeitet. Das tut er, wenn er seinen Laptop ­aufmacht. Die Aktivität auf dem Smartphone ist eine Mischung von Arbeit, Spiel und Spaß. Ich favorisiere ein ultradünnes Notebook, bei dem ich den Bildschirm als Tablet abziehen kann. Zusammengesteckt ist es ein Laptop. Wenn ich mit der Arbeit fertig bin, ist es ein Tablet. Diese Geräte haben den Vorteil einer sehr viel höheren Speicherkapazität und einer sehr viel höheren Rechenleistung bei einem mit dem Tablet fast vergleich­baren Preis. Zu Hause ist die erste Frage: Wo liegen meine Daten? Vertrauen Sie die 100 Gigabyte Ihrer Fotobibliothek einem Cloud-Anbieter an? Hat Ihr Internetanschluss dafür die nötige Bandbreite? Den traditionellen Rechner unterm Schreibtisch brauchen Sie, wenn Sie sich dafür entscheiden, nicht in die Cloud zu gehen. In Deutschland will man immer noch gerne die Kontrolle über ­seine  Daten.

Wie sieht es mit den Druckern aus, einem Pfeiler Ihres Konsumentengeschäfts? Papier scheint immer öfter von gestern zu sein.
Die schnelle Ausbreitung von Mobilgeräten hat in der Tat dazu geführt, dass Fotos weitgehend digital verschickt werden. Entscheidend ist die Flexibilität. Wenn ich mit meinem mobilen Gerät unterwegs bin, will ich jederzeit drucken können und kein Kabel und keinen Treiber mehr brauchen. Zu Hause wird aber der Drucker Teil des elektronischen Mobiliars bleiben. Der ist ja gleichzeitig Kopierer, Fax und Scanner. Hier gibt es übrigens einen enormen Innovationsschub und Geräte für praktisch jeden Bedarf.

Welche zukunftsfähigen Produkte haben Sie denn den Konsumenten zu bieten?
Es wird auch von uns Tablets geben. Sie werden zwischen dem heutigen Smartphone und den heutigen Tablets angesiedelt sein. Das ist ein Format, auf dem Sie den Großteil einer DIN-A4-Seite abgreifen können, das aber in der Jackeninnentasche verschwinden kann. Android ist nicht mehr wegzudenken. Eine unserer Kernaufgaben als HP wird aber darin bestehen, die Tablets und Smartphones sicher in die Unternehmen zu integrieren. Und das ist auch heute ohne Windows schwierig.

Also hat das sich auf mobilen Geräten nur mühsam etablierende Betriebssystem Windows 8 eine Zukunft?
Wenn Sie Ihr Tablet mit der in den Unternehmen bereits vorhandenen IT-Architektur verbinden wollen, schließen sich im Prinzip iOS und Android aus. Es braucht das technische Ökosystem Windows. Dafür bieten wir das neue HP Elite-Pad 900 an.

Die Neuorientierung von HP fordert von den Mitarbeitern große Opfer. Wenn Sie auf Baden-Württemberg blicken, können Sie den Mitarbeitern hier sichere Jobs ver­sprechen?
Es gibt in der IT-Branche keine Stabilität. Aber jenseits der Restrukturierung, die wir im vergangenen Mai angekündigt haben, müssen sich die Mitarbeiter in Baden-Württemberg keine Sorgen machen. Unsere Mitarbeiter wissen, dass es auf Flexi­bilität und auf die Bereitschaft zu Ver­änderungen ankommt. Unsere Aufgaben und die Jobs werden sich weiter verändern, und wir müssen uns in der globalen Arbeitsteilung mit dem, was wir in Deutschland tun, klar differenzieren.

Wie werden die künftigen IT-Jobs in Deutschland aussehen?
Wer in Deutschland in diesem Bereich arbeiten will, dem würde ich empfehlen, sich an den Verbindungsstellen zwischen den IT-Prozessen und der industriellen Fertigung zu spezialisieren, was man mit dem Schlagwort Industrie 4.0 beschreibt. Eine solide Grundausbildung in den ­IT-Fächern und dann eine hohe Spezialisierung in den Industrien, die heute vom Maschinenbau bis zu den Autozulieferern unsere Wirtschaft tragen, ist entscheidend. Branchen-Knowhow ist gefragt, wenn man Lösungen entwickeln will. Standardisierte Tätigkeiten werden wegfallen oder aus anderen Ländern bezogen, auch in der IT.