InterviewHugh Jackman „Ich habe für diesen Film gekämpft“

Von Bettina Aust 

Schauspieler Hugh Jackman geht mit seinem neuesten Film „Greatest Showman“ zurück zu seinen Wurzeln als Musicaldarsteller. Warum das der erste Streifen ist, den auch seine Kinder sehen dürfen, erzählt er im Interview.

Der australische Schauspieler Hugh Jackman geht mit seinem neuesten Film „Greatest Showman“ zurück zu seinen Wurzeln als Musicaldarsteller. Foto: dpa
Der australische Schauspieler Hugh Jackman geht mit seinem neuesten Film „Greatest Showman“ zurück zu seinen Wurzeln als Musicaldarsteller. Foto: dpa

Stuttgart - Bis auf seinen Auftritt als Jean Valjean kennen viele Filmfans den australischen Schauspieler Hugh Jackman vor allen Dingen als Tier-Mensch-Mutanten Wolverine in den Comic-Verfilmungen der X-Men-Reihe. Dabei hat die Karriere des 49-Jährigen auf der Musicalbühne begonnen. Nachdem Jackman seine Paraderolle im vergangenen Jahr zum letzten Mal gespielt hat, kehrt er jetzt zu seinen Wurzel zurück. In „Greatest Showman“ (Start: 4. Januar) spielt und singt er den legendären US-Zirkus-Pionier P.T. Barnum.

Mister Jackman, Die Verfilmung von „Greatest Showman“ hat von der Idee bis zur Realisierung sieben Jahre gedauert. Warum war der Film so lange in der Entwicklung, obwohl Sie die Hauptrolle spielen?
Eine Musical-Adaption ist im Filmgeschäft der höchste Berg, den man erklimmen muss, der Mount Everest, wenn Sie so wollen. Denn sie ist unglaublich viel schwerer umzusetzen als ein normaler Film. Das Drehbuch war in zwei Monaten fertig, aber dann hat es drei Jahre gedauert, bis die Musik komponiert war. Und das war nur eine Hürde.
Welche Hürden mussten Sie noch nehmen?
Da ist noch der ganze Look des Films und der Tanz. Am Ende müssen all diese Elemente zu einem mitreißenden Ganzen verschmelzen. Das ist nicht einfach. Es werden ja häufig bereits existierende Bühnenversionen von Musicals für das Kino adaptiert. Da kennen die Zuschauer bereits die Marke, haben den Titel schon einmal gehört. Wenn du etwas völlig Neues machen willst, musst du in Hollywood immer Überzeugungsarbeit leisten.
Ein Musical über einen Zirkusdirektor aus dem 19. Jahrhundert ist bei den Studios nicht sofort auf Gegenliebe gestoßen?
In den USA kennt jedes Kind P.T. Barnum. Aber man denkt ja auch immer an den internationalen Markt. Ich war sofort begeistert von dieser Idee, und ich habe für diesen Film gekämpft.
Was kann man heute noch als „Showman“ von P.T. Barnum lernen?
Wie man eine gute Geschichte erzählt!
Was ist eine gute Geschichte?
Eine gute Geschichte braucht Konflikte, Herz und Spannung. Manchmal muss man eben auch etwas dazu dichten, um die Zuschauer zu fesseln.
Deswegen haben Sie sich nicht immer so ganz an die Fakten gehalten?
P.T. Barnum hätte wahrscheinlich gesagt, die Wahrheit darf einer guten Geschichte nie im Weg stehen. Wenn du wirklich unterhalten willst, musst du die Wahrheit dynamisieren. Viele Dinge, die Sie in „Greatest Showman“ sehen, sind allerdings wirklich passiert. Wir wollten die Zuschauer faszinieren. Ich glaube, wir haben genau den Film gemacht, den er gerne über sein Leben gesehen hätte: sein Leben als große Show. Es gab den Zirkus vor P.T. Barnum und nach ihm. Er hat alles verändert. Er wusste, wie man eine Geschichte verkauft.
Barnum hat Illusionen verkauft. Ist das nicht Hollywoods tägliches Geschäft?
Genau. Barnum hat sehr früh erkannt, was die Leute wollen. Als 16-Jähriger kaufte er 500 Flaschen, säuberte sie und versah sie mit Schleifen. Dann veranstaltete er eine Lotterie. Die Leute wussten nicht, was sie gewinnen können, kauften aber die Lose, um einen unbekannten Preis zu gewinnen. Der Gewinn war dann eine dieser Flaschen. Barnum wusste, dass Menschen es lieben zu gewinnen. Das Gewinnen ist wichtiger als der tatsächliche Preis.
Das könnte man auch Betrug nennen.
Barnum war bestimmt kein Heiliger. Aber ich sehe auf der Leinwand gerne Protagonisten mit Fehlern. Eines der ersten Musicals, das ich jemals gesehen habe, war „The Music Man“, in dem es um einen charmanten Betrüger geht. Es hat mir einfach Spaß gemacht, ihm dabei zuzusehen, wie er Leute reinlegt.
Ihre Kinder konnten viele der Filme ihres Vaters nicht sehen.
Nein, „Wolverine“ oder die „X-Men“ sind nicht wirklich kindgerecht. Das ist schade, denn ich würde ihnen natürlich gerne zeigen, was ich mache.
Das wird sich mit „Greatest Showman“ ändern.
Meine Tochter war ein paar Tage bei den Dreharbeiten dabei, was sie unglaublich spannend fand. Irgendwann sagte sie: Versteh mich nicht falsch, aber das ist mit Abstand der beste Film, den du jemals gemacht hast. Sie war ehrlich überrascht, dass ihr Vater singen kann. Das gibt mir zu denken. Ich habe allerdings wirklich anders gesungen und meine Stimme neu entdeckt. Nach zehn Jahren mit demselben Gesangslehrer habe ich mit jemandem gearbeitet, der in der Welt der Popmusik zuhause ist. Das hätte meine Tochter ihrem alten Vater wohl nicht zugetraut.
Der Soundtrack klingt, als würde er aus den aktuellen Musik-Charts stammen.
Ich habe sehr viel Zeit im Tonstudio verbracht, um meine Songs einzusingen. Es war harte Arbeit, bis alles so klang, wie wir es uns vorgestellt hatten. Die Aufnahmesessions liefen oft bis spät in die Nacht. Aber letztendlich ist das Wichtigste an einem Musical nun einmal die Musik. Da muss dann alles stimmen. Man darf keine Kompromisse machen. Die Musik stammt von Justin Paul und Benj Pasek, die auch den Soundtrack zu „La La Land“ geschrieben haben. Mit „La La Land“ ist ihnen das Kunststück gelungen, Zuschauer für das Genre zu begeistern, die normalerweise nicht in Musicals gehen. Ihre Musik macht irgendwie glücklich.
Wo singen Sie privat am liebsten?
Ich weiß, es ist ein Klischee: unter der Dusche. Da klingt ja alles fantastisch. Es ist dann nur immer wieder etwas ernüchternd, wenn man versucht, diesen Sound dann außerhalb der Dusche noch einmal hinzukriegen.