ExklusivInterview mit Kabarettistin Lisa Fitz Die satirischen Krallen geschärft

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Wie haben Sie Ihre Berufung gefunden?
Ich habe nach der Schauspiel- und Musikausbildung immer schon Songs und Texte geschrieben und Theater gespielt. Mein erster Mann Ali Khan hat mich in den achtziger Jahren bestärkt, mehr Kabarett zu machen, und meine satirischen Krallen geschärft. Mit dem Programm „Die heilige Hur’“ und dem bösen Lied „Mein Mann ist Perser“ hat das dann Konturen bekommen.
Ist es leichter, in einer tiefschwarzen Gegend wie Bayern gegen die Norm aufzubegehren als in liberaleren Regionen?
Es ist naheliegender – und nötiger als in einer liberalen Region. Viele Kabarettisten kommen aus Niederbayern: Bruno Jonas, Ottfried Fischer oder Sigi Zimmerschied. Die katholisch geprägte Gesellschaft fordert einen Satiriker geradezu heraus, dagegen anzustänkern. Wenn die Konvention zu stark einengt, muss man konservative Elemente in Frage stellen.
Finden Sie es gut, dass Ihr Sohn in Ihre Fußstapfen getreten ist? Wie hätten Sie reagiert, wenn Nepomuk gesagt hätte: „Mama, ich will Bäcker werden!“
Er war kurz der Meinung, er müsse BWL studieren, da haben wir uns alle gewundert. Nach einem halben Jahr hat er das aber abgehakt. In unserer Familie ist man eher konventionell, wenn man Künstler wird.
Bald ist Wiesn-Zeit: die fünfte Jahreszeit für Sie oder ein Grund zum „dahoam“ bleiben?
Ich gehe nicht auf die Wiesn, weil ich nicht mag, wenn die Besoffenen dann laut „Liiiisaaaa“ rufen. Außerdem ist mir der Menschenauflauf zu viel und die Bierpreise finde ich unverschämt. Für uns ist es Luxus, die Stille hier auf dem Land im Rottal zu genießen. Wir sind bekennende Landeier.
Apropos „dahoam“: Dort leben Sie mit Ihrem etwa 20 Jahre jüngeren Lebensgefährten Peter Knirsch. Was sind die Vorteile eines so viel jüngeren Lebenspartners?
Junge Männer haben nicht den antiquierten Führungsanspruch, den Männer in meinem Alter oft noch haben. Mir gefällt es auch, dass der Peter fit und gesund ist, weil ich selber auf meine Fitness achte. Das ist schöner, als wenn jemand viel trinkt und glaubt, dass eine Bierwampe leichter zu ertragen sei als Falten im Gesicht der Frau.