ExklusivInterview mit Kabarettistin Lisa Fitz „Gegenwind muss man aushalten können“

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Von Altersmilde keine Spur: die Kabarettistin Lisa Fitz ärgert sich über Weltpolitik und schlüpft dafür in diverse Rollen. Ihr derber Humor ist nicht jedermanns Sache, aber jedem gefallen wollte die Bayerin sowieso noch nie.

So kennt man sie: Lisa Fitz mit ihrer auffälligen  Gitarre namens „La Florentina“ Foto: StZ
So kennt man sie: Lisa Fitz mit ihrer auffälligen Gitarre namens „La Florentina“ Foto: StZ

Stuttgart - Lisa Fitz gehört zur deutschen Kabarettszene wie das Dirndl zu Bayern. Seit mehr als 30 Jahren nimmt sie kein Blatt vor den Mund, egal ob es um Politik, Gleichberechtigung oder Fußball geht. Ihr derber Humor ist nicht jedermanns Sache, aber jedem gefallen wollte die Bayerin sowieso noch nie. Am 25. September tritt sie mit ihrem Programm „Weltmeisterinnen“ im Renitenztheater in Stuttgart auf.

Frau Fitz, in Ihrem neuen Programm schlüpfen Sie gleich in mehrere Rollen. Was reizt Sie daran, die Putzfrau, die Ultra-Feministin oder die Geheimagentin zu mimen?
Für mich ist das schön, weil ich mich ein wenig von mir selbst erholen kann! So ein Rollenkabarett ist bunter und hat einen höheren Unterhaltungswert als das klassische Stand-Up-Programm. Außerdem kann die Putzfrau Hilde Knaller los lassen, die man mir wahrscheinlich übel nehmen würde.
Aber Sie haben sich doch noch nie drum geschert, ob man Ihnen etwas übel nimmt!
Ja, das ist richtig. Aber man möchte ja auch ein wenig Abwechslung ins mittlerweile 15. Soloprogramm bringen. Das erhöht die langfristige Haltbarkeit eines Künstlers.
Sind Sie ein bisschen altersmilde geworden?
Wenn es um die Weltpolitik geht, bin ich alles andere als altersmilde, im Gegenteil. Ich halte die Politiker in fast allen Regierungen für – wenn ich John Lennon zitieren darf – vollkommen verrückt und teilweise auch für psychisch krank. Da werden Länder zerstört und Menschen ins Elend gestürzt, und wir nehmen am Ende die Flüchtlinge auf. Auch sonst liegt in der Gesellschaft vieles im Argen, so dass ich mich keineswegs entspannt zurücklehnen kann.
Was prangern Sie sonst noch an? Oder besser gesagt, Ihre Alter-Egos?
Die Putzfrau Hilde ist die ohnmächtige Bürgerin. Die Agentin Olga Geheimnikowa spricht über politische Geostrategie. Das Thema der Journalistin und Feministin Inge von Stein ist die digitale Überwachung. Sie bezeichnet das Smartphone als die Premiumwanze schlechthin. Und das in der eigenen Tasche! Der moderne Mensch ist ständiger Überwachung ausgesetzt.
Besitzen Sie auch eine Premiumwanze?
Ich kann mich ja nicht als Steinzeitmensch aus der heutigen Zeit heraus ziehen. Als Kabarettistin will ich Missstände deutlich machen – aber ohne Smartphone komme auch ich leider nicht mehr aus. Was nicht heißt, dass ich diese totale Überwachung für gut heiße. Den Grund „Schutz vor Terror“ halte ich übrigens für vorgeschoben. „Wirtschaftsspionage“ käme eher hin.
Besonders zu Beginn Ihrer Karriere haben Sie Tabus gebrochen, Ihre Sketche wurden zensiert und Sie haben sich teilweise unbeliebt gemacht. Haben Sie sich von der Kritik manchmal ungerecht behandelt gefühlt?
Ja klar, nicht nur einmal. Aber als Kabarettistin, die polarisiert, muss man Gegenwind aushalten können. Als ich vor elf Jahren – zu leichtsinnig, ich geb’s zu – bei der ersten Staffel des RTL-Dschungel-Camps mit von der Partie war, habe ich mich schon ganz schön geärgert. Da habe ich gemerkt, dass 30 Jahre Kabarett nichts wert waren gegen eine einzige falsche Entscheidung. Da gab es Häme ohne Ende, als ob ich nie etwas anderes gemacht hätte.
In diesem Jahr haben Sie den bayrischen Ehrenkabarettpreis bekommen. Ist das eine Genugtuung für Sie?
Natürlich, dieser Preis freut mich auch sehr. Es ist dennoch erstaunlich, was alles ausgeblendet wird, je nachdem, wie das Image gerade ist. Viele Leute fallen halt gern auf ihre eigene Sichtweise rein.
Was war früher Ihre Motivation als bayrisches Madl die Gesellschaft aufzumischen?
Ich bin die dritte Generation der Künstlerfamilie Fitz. In diesem Umfeld bin ich aufgewachsen, das prägt. Nachdem mich das Bayerische Fernsehen als junge Moderatorin für eine volkstümliche Hitparade engagiert hat, habe ich schnell gemerkt, dass mir das nicht entspricht. Ich hatte mit Schuhplattlern und Jodlern einfach nix am Hut.